Nach den Schüssen der vergangenen Monate heißt es stets: „keine Gefahr für die Bevölkerung“. Das mag formal stimmen, sagt Redakteur Emanuel Hege – wirkt aber realitätsfern.
Erneut sind Schüsse im Kreis Ludwigsburg gefallen – diesmal in Marbach, zwei Menschen wurden verletzt. Man kann fast schon froh sein, dass offenbar keine scharfe Waffe im Spiel war, sondern „nur“ eine Schreckschuss- oder Druckgaspistole. Und auch mit dem besonders brutalen Fall „Frost“ hat das Ganze nach aktuellem Stand wohl nichts zu tun.
Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. Denn egal, wie der Einzelfall am Ende eingeordnet wird: Solche Taten passieren immer öfter mitten im Alltag – auf der Straße, am Bahnhof, vor der eigenen Haustür.
Umso befremdlicher wirkt in solchen Situationen die wiederholte Formulierung von Polizei und Behörden, es habe „keine Gefahr für die Bevölkerung“ bestanden. Das klingt wie eine Standardformel – die an der Realität vorbeizielt.
Bitte keine Überreaktion, aber Ehrlichkeit
Wenn – wie im Fall „Frost“ – in einem ruhigen Wohngebiet zwischen Einfahrt und Kindergarten geballert wird. Oder wenn jetzt an einem Bahnhof im Feierabendverkehr zugeschlagen und geschossen wird, sodass man den Eindruck bekommen kann, hier soll jemand getötet werden. Dann betrifft das eben nicht nur die direkten Opfer. Es schauen auch alle anderen genauer hin und fragen sich zurecht, ob nicht irgendwann auch mal eine unbeteiligte Person zu Schaden kommt.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Niemandem ist geholfen, wenn wir nach solchen Gewalttaten in Angst verfallen, überreagieren und Ressentiments entwickeln. Das hat noch nie Probleme gelöst, sondern eher verschlimmert.
Aber genauso wenig hilft es, solche Vorfälle mit Floskeln kleinzureden. Der Satz von der „fehlenden Gefahr für die Bevölkerung“ wirkt in solchen Momenten fehl am Platz.