Machen sich Sorgen um den Berkheimer See: der frühere Seepate Horst Müller (links) und der in der Aquaristik aktive Horst Bach. Foto: R. Bulgrin

Bewohner des Esslinger Stadtteils beklagen den schlechten Zustand des Gewässers. Die Stadt als Eigentümerin des einzigen Sees im Stadtgebiet vernachlässige die Pflege. Die Verwaltung sieht das ganz anders.

Ein schönes Fleckchen Erde – möchte man meinen. Ein kleiner See, in dem sich Bäume und Pflanzen spiegeln, umgeben von sattem Grün. Doch der propere Anblick trügt nach Ansicht von Horst Müller. Über 40 Jahre lang, sagt er, sei er ehrenamtlicher Pate des Berkheimer Sees gewesen und habe sich um das Gewässer in dem Esslinger Stadtteil liebevoll gekümmert. Doch dann habe die Stadt diese Aufgabe übernommen, und sie lasse dem See nicht genügend Pflege zukommen. Die Verwaltung sieht das ganz anders.

 

Die Szenerie wirkt tatsächlich malerisch. Ist es eine trügerische Idylle? Wenn es geregnet hat, sehe der See zwar schön aus, erläutert Horst Bach, der seit 2001 in Berkheim lebt und in der Aquaristik aktiv ist. Doch: „Wie der See aussieht und wie er funktioniert – das sind zwei Paar Stiefel“. Auf der Oberfläche habe sich eine Kahmhaut gebildet. Ein Biofilm aus Mikroorganismen, der das Gewässer verschließe wie ein Deckel den Topf. „Das ist, wie wenn man uns Menschen Nase und Mund gleichzeitig zuhält. Dann ersticken wir“, findet Horst Bach einen Vergleich. Wegen der Kahmhaut gebe es keinen Gasaustausch in dem Gewässer. Alles, was im See vor sich gehe, könne nicht mehr über die Wasseroberfläche entweichen.

Zulauf ist zugewachsen

Durch Regen werde die Kahmhaut kurzfristig aufgebrochen, so Horst Bach. Doch der See müsse eigentlich ständig von Wasser durchströmt werden. Das aber sei nicht mehr möglich, da der aus einer Quelle gespeiste Zulauf mit Pflanzen zugewachsen sei. Das Wasser stoße so bei seinem Lauf in Richtung See auf diese botanischen Hindernisse, könne nicht mehr frei fließen, staue sich an manchen Stellen sogar und komme nur noch als trauriges, kleines Rinnsal im See an.

Doch der Zulauf allein würde für eine ausreichende Durchströmung nicht reichen, sagt Horst Bach. Es bräuchte auch eine Fontäne in der Seemitte, die für einen Wasseraustausch sorgen sollte, ergänzt Horst Müller als ehemaliger Seepate. Das Gewässer müsse zudem besser gepflegt und die Zuläufe von Pflanzen befreit werden. Auf dem Weg um das Gewässer herum stößt Horst Müller auf ein weiteres Ärgernis: Pflanzen der Randbegrünung ragen in den gepflasterten Gehweg hinein. „Da fehlt die Pflege“, meint Horst Müller noch einmal.

Wie ist es um den See in Berkheim bestellt? Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Das sieht die Esslinger Verwaltung als Eigentümerin des einzigen Sees im Stadtgebiet ganz anders. Eine Kahmhaut, so teilt Pressesprecherin Nicole Amolsch mit, entstehe in Verbindung mit auf dem Wasser schwimmenden Pollen, Pflanzenresten, Staub oder Algen: „Dieser organische Teppich wird in einem natürlichen Vorgang durch Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien abgebaut.“ Während des Abbauprozesses könne sich bei stehenden Gewässern wie Pfützen, Teichen oder Seen zwar eine „Haut“ bilden, die wie ein Ölfilm auf dem Wasser schimmere. Doch das, so die Stadtsprecherin, sei ein natürlicher Prozess und weder für das Gewässer noch für seine Fauna gefährlich: „Wenn es wenig regnet, wie in den vergangenen Sommerferien, kann so ein Phänomen auftauchen. Es verschwindet aber spätestens mit Einsatz des Herbsts, kühleren Temperaturen und wieder regelmäßigeren Regenfällen.“

Die Installation einer Fontäne in dem Gewässer sei kein Thema. Denn eine solche Umwälzung würde zu einer Durchmischung der natürlichen Temperaturschichten – oben warmes und unten kaltes Wasser – führen . Die Folgen wären eine Störung des Lebensraums der Fische im See und des natürlichen Gleichgewichts: „Dass das natürliche Gleichgewicht bestens gegeben ist, zeigt uns der Fischnachwuchs, den man im Frühjahr in den wärmeren, flacheren Uferbereichen im klaren Wasser beobachten kann.“

Zulauf mit Brunnenkresse

Auch von einer mangelnden Pflege möchte die Verwaltung nichts wissen. Das Grünflächenamt als zuständige Fachbehörde kümmere sich um den See. Der Zulauf würde regelmäßig von Bewuchs befreit. Bei den in ihm wachsenden Pflanzen handle es sich um Brunnenkresse, die frisches, kühles, sauerstoffreiches und sauberes Wasser liebe und bei starken Verschmutzungen verschwinden würde. „Deshalb ist sie auch eine Zeigerpflanze, also ein Gradmesser, für gute bis sehr gute Wasserqualität“, sagt Amolsch. Die Brunnenkresse wachse aufgrund der sehr guten Wasserqualität üppig, „weshalb das Grünflächenamt sie regelmäßig, also zwei bis drei Mal im Jahr, zurückschneidet“. Der Wasserzulauf solle natürlich auch optisch wahrgenommen werden, daher diese Eingriffe. Auf die Zulaufmenge habe die Brunnenkresse aber keinen Einfluss.

Der Berkheimer See

Undichte
Im November 2014 wurde laut der Stadt Esslingen unterhalb des Berkheimer Sees in der Straße „Am Kirchberg“ ein Wasseraustritt aus Rissen im Straßenbelag festgestellt. Wasser sei in Schachtbauwerke geflossen. Untersuchungen hätten eine Undichte des Sees ergeben.

Wasserverlust
Der See wies laut Stadt einen Wasserverlust von etwa 300 Kubikmetern innerhalb von zwei Wochen auf. Um unerwünschte Folgen wie einlaufendes Wasser in den Kellern der umliegenden Gebäude zu verhindern, sei die Sanierung des Sees beschlossen worden.

See
2017 sei wieder ein See angelegt worden. Bewusst habe sich die Stadt für ein natürliches Gewässer ohne Fontäne entschieden, das bis auf wenige Pflegeeingriffe sich selbst überlassen werden könne. Ein Seepate sei durch die pflegeleichte Umgestaltung des Sees nicht mehr nötig.