Gewa-Tower in Fellbach unter der Lupe Der Turm wird jetzt auf Mängel geprüft

Von Hans-Dieter Wolz 

Auffällige Bauruine am Rand von Fellbach: der Gewa-Tower. Foto: Manfred Storck
Auffällige Bauruine am Rand von Fellbach: der Gewa-Tower. Foto: Manfred Storck

Der vorläufige Insolvenzverwalter des halb fertigen Gewa-Towers in Fellbach lässt jetzt ein Bauzustandsgutachten anfertigen. Die einzigen beiden Investoren, die zu einer Übernahme der Bauruine bereit sind, hatten dies gefordert, bevor es auf der Baustelle weitergehen kann.

Fellbach - Wieder sind Fangnetze am Gewa-Tower in Fellbach aus der Zeit vor dem Baustopp entfernt worden, und in einigen der 34 Stockwerke im 107 Meter hohen Wohnturm sind vereinzelt Bauhandwerker beobachtet worden. Tatsächlich wirkt der hohe, aber innerlich hohle Turm ohne die Fangnetze wieder ein bisschen wohnlicher. Wird der insolvente Gewa-Tower, um dessen Weiterbau monatelang gerungen worden ist, jetzt tatsächlich zügig fertig? Der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli, der Mann, der das Sagen hat auf dem Grundstück, winkt ab. Der Eindruck täuscht, dass weitere Fenster eingesetzt worden seien, lässt er seinen Sprecher mitteilen. Allenfalls sind immer mal wieder Handwerker mit Sicherungsarbeiten beschäftigt.

Erster Durchbruch an den Verhandlungstischen

An den Verhandlungstischen ist aber doch ein erster Durchbruch für den Tower gelungen. Ilkin Bananyarli wird mit Einverständnis der Gläubigervertreter in Kürze ein Bauzustandsgutachten in Auftrag geben. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt auf einen Weiterbau zu, aber eine erste Einigung zwischen den Anleihegläubigern, dem vorläufigen Insolvenzverwalter und den beiden zur Auswahl stehenden Investoren. Diese unabhängige Expertise soll festhalten, wie weit der Generalunternehmer, die Baresel GmbH, bisher den Gewa-Tower tatsächlich vorangetrieben hat, und ob der lange Winter in den zugigen fensterlosen Obergeschossen Schäden hinterlassen hat. Die Anleihegläubiger haben der Investorenforderung nach diesem Gutachten zugestimmt, denn dieses dient auch für sie als Beweissicherung. Für den Fall, dass sie den Klageweg auf der Suche nach Schadenersatz beschreiten – gegen wen auch immer. „Ganz aktuell“, so berichtet der Sprecher, sei diese Einigung erzielt worden.

Überraschungen sind aus der Fachexpertise nicht zu erwarten. Der planende Architekt Jörg Wolf hat das Objekt kürzlich bereits besichtigt und ist zum Ergebnis gekommen, dass es den Winter trotz des Baustopps ohne Schaden überstanden hat, so war kürzlich laut Teilnehmern der ersten Anleihegläubigerversammlung in Fellbach zu erfahren.

Bananyarli: Es gibt nur zwei ernsthafte Investoren

Die beiden noch namentlich nicht bekannten Investoren sind, so betont Bananyarlis Sprecher, entgegen anderslautenden Spekulationen die einzigen, die konkrete Angebote für den Kauf und Weiterbau des Wohnturms vorgelegt haben. Interessenten habe es zwar viele gegeben, aber ohne dass auch nur unverbindliche Absichtserklärungen wie bei den vorliegenden Kaufangeboten folgten.

Auf Anfrage hat Rechtsanwalt Ilkin Bananyarli ausgeschlossen, den Turm in eigener Regie und Verantwortung zu vollenden: „Die flüssigen Mittel zum Weiterbau sind nicht da“, formuliert sein Sprecher. Das sei anders als bei Insolvenzen im produzierenden Gewerbe. Dort könne ein Insolvenzverwalter die Maschinen weiterlaufen und Aufträge abarbeiten lassen. Denn dadurch geht Geld ein, um die Beschäftigten zu bezahlen. Ein Bauherr für die Turmimmobilie muss dagegen die geplante Investition vorstrecken, bis durch die Bezugsreife von Wohnungen oder Hotel wieder Mittel eingehen. Die beiden Investoren gehen davon aus, dass sie das Werk mit dem Einsatz von kreditfinanzierten zehn oder zwölf Millionen Euro abschnittsweise bewältigen können, vorausgesetzt, dass jeweils die eingesetzten Gelder als Erlöse aus den schon abgeschlossenen Verkaufsverträgen zurückfließen.

Zweite Versammlung der Anleihegläubiger wird vorbereitet

Bis es auf der Baustelle weitergeht, ist also das Gutachten abzuwarten. Noch steht auch eine Entscheidung der Anleihegläubiger aus, ob und welchem Investor sie den Zuschlag geben wollen. Um diese vorzubereiten, wird derzeit auch eine weitere Anleihegläubigerversammlung vorbereitet, heißt es beim Treuhänder, der Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungsgesellschaft. Anders als der erste Termin in Fellbach soll sie voraussichtlich im schriftlichen Verfahren ablaufen. Unter anderem wollen die Anleihegläubiger dabei einen eigenen gemeinsamen Vertreter wählen.

Welches Investorangebot sie auch annehmen, die Anleihegläubiger verlieren viel Geld, da ihnen maximal 15 Millionen Euro für die Bauruine geboten werden. Dagegen ist das Geld aus ihrer Projektfinanzierungsanleihe in Höhe von 35 Millionen Euro fast völlig aufgebraucht. Nur etwa 40 Prozent sollen die Geldanleger laut den Angeboten zurückerhalten, plus einen so genannten Besserungsschein. Der verspricht einen Nachschlag an die Anleihenbesitzer, wenn sich der Verkauf der 22 noch unverkauften Luxuswohnungen in den oberen Geschossen, aufgerufen mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich 7800 Euro, zum verlangten Preis oder besser verkaufen lassen.

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