Flüchtlinge lernen in der Gewerblichen Schule Sigmaringen Deutsch. Foto: Allgöwer

Flüchtlingskinder brauchen an den Schulen mehr Unterstützung, finden die Bildungsgewerkschaft GEW und der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. Doch Verbesserungen seien nicht in Sicht. Statt dessen drohten Einschränkungen.

Stuttgart - Die Landesregierung sollte ihre Anstrengungen im Bereich der Flüchtlinge deutlich verstärken, verlangt Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Statt dessen wolle das Kultusministerium in den Flüchtlingsklassen an den allgemein bildenden Schulen zum neuen Schuljahr 200 Lehrerstellen streichen. Die Klassen dienen vor allem der Sprachförderung. Hier zu kürzen, schade der Integration, kritisiert Moritz. Zumal die Zahl der Flüchtlingskinder kaum zurückgegangen sei. Die GEW fordert zusammen mit dem Flüchtlingsrat, das junge Flüchtlinge intensiver als bisher gefördert werden.

Langes Warten auf den Schulbesuch

Die Kinder und Jugendliche sollten statt einem zwei Jahre in den Vorbereitungsklassen bleiben können, erst dann könnten die meisten dem Regelunterricht folgen. Die GEW kritisiert auch, dass Flüchtlingskinder in Baden-Württemberg erst ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft schulpflichtig werden. So lange müssten sie in keinem anderen Bundesland auf den Schulbesuch warten.

Der Flüchtlingsrat befürchtet weitere Verschlechterungen. In den Landeserstaufnahmestellen gebe es keine nennenswerten Bildungsangebote. Bisher galt, dass Flüchtlinge möglichst kurze Zeit dort bleiben sollten. Doch in Zukunft könnten Asylbewerber mit schlechten Anerkennungschancen bis zu zwei Jahre in den Aufnahmestellen bleiben. Seán McGinley, der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg, nannte es „skandalös, Kindern so lange ihr Recht auf Bildung vorzuenthalten“. Er fordert die Regierung auf, dies nicht zu tun und auch auf Abschiebungen aus der Schule zu verzichten.

Tausend Schüler weniger in Vorbereitungsklassen

An den allgemeinbildenden Schulen des Landes werden nach Angaben der GEW zur Zeit 30 967 Kinder und Jugendliche in Vorbereitungsklassen unterrichtet, das sind etwa tausend weniger als im Juni 2016. Für sie gebe es nach der Streichung noch 379 Lehrerstellen. Die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) weist die Aussage, sie würde im Bereich der Vorbereitungsklassen 200 Stellen streichen, zurück. Die Stellen stehen mit dem Vermerk kw (künftig wegfallend) im Haushaltsplan. Das Kultusministerium betont aber, es habe beim Finanzministerium einen Antrag auf Verlängerung dieser Stellen gestellt, „um dem großen Bedarf an den allgemein bildenden Schulen gerecht zu werden. Doro Moritz hält dagegen: „Das Stundenvolumen wird gekürzt, die Vorbereitungsklassen müssen sich Stunden mit anderen Fördermaßnahmen teilen“.

Verbesserungen mahnen auch die beruflichen Schulen an. Hier gibt es 586 Stellen und 9461 Schüler in den Flüchtlingsklassen. Gerald Machner, der Leiter der Stuttgarter Hoppenlau-Schule verlangt, dass die Berufsschulpflicht wieder auf 25 Jahre angehoben wird (zurzeit liegt sie bei 21 Jahren). Dann könnten Flüchtlinge ihre Ausbildungen auch wirklich abschließen und etwa in der Gastronomie und dem Nahrungsmittelgewerbe Lücken schließen. Auch verlangt er mehr Praxisstunden, in denen Flüchtlinge quasi nebenher Deutsch lernen würden, zum Beispiel beim Unterricht in der Backstube.

Unterschiedlicher Umgang mit Arbeitsverboten

Machner kritisiert den unterschiedlichen Umgang mit Arbeitsverboten, etwa für Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten wie Gambier oder Iraker. Als vorbildlich nannte er den Landkreis Böblingen, im Landkreis Esslingen sieht er „Optimierungsbedarf“. Generell fordert Machner „klares Verwaltungshandeln in einheitlicher Struktur“.

Doro Moritz nannte Arbeitsverbote während der Ausbildung „indiskutabel und kontraproduktiv“. Sie sagte, „wer hier eine Ausbildung anfängt, muss sie zu Ende machen können“. Die SPD im Landtag plädiert dafür, alle Lehrerstellen für die Sprachförderung an Schulen dauerhaft in Haushalt zu verankern. Die FDP hält es zumindest für angemessen, 200 Stellen zu entfristen.

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