Die Mitarbeitenden der Deutschen Bahn legten am Mittwoch eine Schweigeminute für ihren getöteten Kollegen ein. Foto: red

Der Fall eines Zugbegleiters, der nach einem Angriff gestorben ist, erschüttert Kollegen. Denn sie haben es häufig mit aggressiven Fahrgästen zu tun, wie ein Blick ins Archiv zeigt.

Am Donnerstag bedankt sich die Deutsche Bahn auf Instagram für die große Anteilnahme am Tod eines Zugbegleiters. Die Nachricht von dem tödlichen Angriff hat dieser Tage den Fokus auf ein Thema gerichtet, dass für Bahnmitarbeitende traurigerweise fast schon zum Alltag gehört: Immer wieder sind sie Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt, wenn sie eigentlich einfach nur ihrer Arbeit nachgehen. Das gilt auch für das Prüfpersonal im Bereich der SSB.

 

Ein Fahrgast hatte nahe Landstuhl im Landkreis Kaiserslautern einen 36-Jährigen Bahnmitarbeiter angegriffen, als er seinen Fahrschein zeigen sollte. Er schlug so brutal zu, dass Serkan C. , ein Ludwigshafener, zwei Tage danach starb.

Auch in Stuttgart und der Region findet man zahlreiche Beispiele für Attacken gegen Bahnpersonal – tätliche wie verbale. Der Blick ins Archiv der zurückliegenden zwei Jahre zeigt: Mindestens einmal im Monat kommt es in Stuttgart zu einem Zwischenfall, der so gravierend ist, dass Landes- oder Bundespolizei diesen veröffentlichen.

Die Beschreibung der Zwischenfälle ähneln sich.„Meistens geht es dabei um Ticketkontrollen. Das bestätigt auch eine Zugbegleiterin gegenüber unserer Zeitung, die ihren Namen nicht nennen möchte. Gerade für sie als Frau „fährt die Angst immer auch mit“, sagt die 43-Jährige. Denn als Zugbegleiterin gehe sie alleine durch die Wagen. Die Zeiten, in denen sich Männer zusammenreißen würden, wenn eine Frau vor ihnen stehe, seien vorbei. Sie habe bislang aber Glück gehabt, es sei ihr noch nichts passiert.

Aggressiver Fahrgast in Stuttgart-Rohr festgenommen

Doch oft wird es brenzlig, wenn kein Fahrschein vorhanden ist, selbst wenn keine Einzelperson vor dem Fahrgast steht. Das jüngste Stuttgarter Beispiel aus dieser Woche zeigt das. Ein 33-jähriger Mann wurde in Stuttgart-Rohr festgenommen, nachdem er in einer S-Bahn der Linie S1 mehrere Kontrolleurinnen und Kontrolleure bedroht hatte. Zu zweit waren eine 21-jährige Frau und ihr 30-jähriger Kollege auf ihn zugegangen, um seinen Fahrschein zu überprüfen. Er hatte keinen und wurde aggressiv. An der Haltestelle in Rohr wollte er abhauen und stieß Drohungen aus, als die Bahnmitarbeitenden ihn aufhalten wollten. Sie hatten inzwischen die Polizei verständigt und wollten ihn den Einsatzkräften übergeben. Das ursprünglich an der Kontrolle beteiligte Duo hatte inzwischen schon weiteres Prüfpersonal dazu holen müssen, um sich helfen zu lassen. Die Polizei nahm den 33-jährigen Mann fest, er kam nach der Anzeigenaufnahme wieder auf freien Fuß.

Verletzt wurde bei diesem Zwischenfall niemand. So glimpflich geht es nicht immer aus, wie ein Blick auf ältere Fälle zeigt. Mitte Januar waren gleich drei Kontrolleure in einer Stadtbahn in Stuttgart verletzt worden. Ein 21-Jähriger sprang über mehrere Sitzgruppen der Stadtbahn hinweg und rannte zur Tür raus, als die U12 am Charlottenplatz ankam. Drei Kontrolleure wollten ihn am Bahnsteig festhalten. Der Mann schlug so wild um sich, dass alle drei verletzt wurden. Ebenfalls beim Versuch zu flüchten schlug ein Mann Ende November am Bahnhof Zuffenhausen zu – auch wieder, weil er ohne Ticket erwischt worden war.

Gewalt in Stuttgarter Bahnen: Kontrolleure oft verletzt

Immer wieder geht es um das sogenannte „Erschleichen von Leistungen“ – also Fahren ohne Fahrschein, wenn Passagiere ausfallend oder gar handgreiflich werden. Meistens trifft es das Zugpersonal und die alarmierte Polizei kann dann für Ruhe sorgen. Doch auch die Polizei kann es bei Unruhen rund um Kontrollen erwischen. Im April 2025 versuchte ein 23-Jähriger, nachts von München nach Stuttgart kostenfrei – also ohne Fahrkarte – mit dem ICE zu reisen. Er reagierte nicht nur gegenüber den Kontrollierenden aggressiv, sondern auch ein Mitreisender bekam einen Schlag ab. In Stuttgart angekommen, hatte die Bundespolizei ihre liebe Not, ihn zu bändigen: Er schlug und trat um sich, traf einen Beamten am Schienbein – dieser konnte aber weiterarbeiten.

Nicht nur die Fäuste fliegen, wenn sich jemand beim Nicht-Bezahlen im Zug erwischt fühlt. Auch der Griff mit gefährlichen Gegenständen ist keine Seltenheit. Flaschen sind immer wieder im Spiel – und können schlimme Verletzungen verursachen. So hatten im Januar 2024 Sicherheitsleute ihre liebe Not, einen Mann in den Griff zu bekommen, der mit einer vollen Bierflasche nach einem 23-Jährigen Kontrolleur geschlagen hatte. Ihm gelang noch die Flucht aus der Bahn. Sicherheitsdienst und Prüfdienst gemeinsam schafften es, ihn festzuhalten, bis die Polizei kam. Nach dem gefährlichen Angriff wurde er einem Haftrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft geschickt.