Die Krankenhausreform von Gesundheitsminister Lauterbach mag in Teilen schmerzhaft sein – doch sie ist bitter notwendig, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.
Als Arzt steht man oft vor schwierigen Entscheidungen. Manchmal muss man einem Patienten klarmachen, dass der Gesundheitszustand nicht gut ist und alle zur Verfügung stehenden Therapien schmerzhaft sein werden. Nur eines ist klar: Ignoriert man das Problem, wird es nur noch größer. Vor einer ähnlichen Situation steht auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit seiner Krankenhausreform, die der Bundestag am Donnerstag verabschiedet hat. Es ist die umfassendste Reform seit 20 Jahren – und bitter notwendig.
Die Diagnose: Das gegenwärtige System setzt eine Reihe an Fehlanreizen. Kliniken nehmen stationär Patienten auf, die besser ambulant versorgt wären. Sie nehmen Eingriffe vor, an denen sie verdienen, bei denen sie aber kaum Routine haben. Das kostet Geld. Das geht zulasten der Patienten.
Die Behandlung: Es wird in Zukunft weniger Kliniken geben. Um alle Krankenhäuser zu erhalten, ist nicht genügend Geld da, es fehlen auch Fachkräfte. Es ist auch nicht sinnvoll, dass kleine Kliniken hochspezialisierte Behandlungen durchführen.
Noch gibt es die Chance, dass man eine Strukturreform geplant durchführt. Tut man nichts, werden Kliniken nach und nach aus wirtschaftlicher Not sterben. Allein in den vergangenen zehn Jahren waren es rund 100.
Notfallversorgung bleibt gewahrt
Zu den meisten Schließungen wird es in ländlichen Regionen kommen, doch die Notfallversorgung bleibt gewahrt. Es besteht auch die Hoffnung, dass man bestehende Standorte als Gesundheitszentren oder Ambulanzen erhalten kann. Und vor die Wahl gestellt, einen kurzen Weg zu haben oder eine bessere Behandlung weiter entfernt zu bekommen, dürfte es klar sein, wie sich die meisten Patienten entscheiden.
Sicher ist auch: Die Reform wird nicht perfekt sein, man wird nachsteuern müssen. Das ändert aber nichts daran, dass eine Veränderung richtig und notwendig ist. Gut, dass die Politik sich endlich an dieses heikle Thema gewagt hat.