Ein Hinweisschild warnt Badegäste vor Blaualgen im Sieben-Meter-Teich in Hannover. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Giftige Blaualgen trüben im Sommer vielerorts das Badevergnügen in Seen und im Meer. An niedersächsischen und baden-württembergischen Badeseen treten die gesundheitsschädlichen Bakterien derzeit vermehrt auf.

Hannover - An Niedersachsens Badeseen treten derzeit vermehrt gesundheitsgefährdende Blaualgen auf. An mehreren Seen wird vor ihnen gewarnt und am Laascher See (Kreis Lüchow-Dannenberg) besteht wegen massenhaft Blaualgen sogar ein Teil-Badeverbot, wie der Badegewässer-Atlas auflistet.

Bei einer Laboruntersuchung waren bestimmte Blaualgen nachgewiesen worden, die nach dem Verschlucken Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Benommenheit verursachen können.

Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde ist der Name „Alge“ irre führend, denn bei den Blaualgen handelt es sich um Cyanobakterien – auch Blaugrünbakterien genannt. Ursachen eines starken Wachstums können ein hoher Phosphatgehalt und sommerliche Temperaturen sein.

Die derzeit hohen Temperaturen in Badeseen die Bildung und Verbreitung von Blaualgen, aber auch von Vibrionen-Bakterien und Zerkarien – also Larven von Saugwürmern.

Auch Badeseen in Baden-Württemberg von Blaualgen betroffen

Auch in baden-württembergischen Badegewässern sind Blaualgen vielfach ein großes Problem. Am Plüderhäuser Badesee gilt seit dem 6. August ein Badeverbot. Nachdem sich dort Cyanobakterien stark vermehrt hatten, hat das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises empfohlen, den See zu sperren.

Laut der Badegewässerkarte Baden-Württemberg wird im Südwesten wegen Colibakterien vom Baden im Lauchertsee (Burladingen im Zollernbalbkreis) sowie wegen Blaualgen im Neumühlsee bei Waldenburg (Hohenlohekreis) abgeraten. Auch der Fischbachsee bei Ellwangen (Ostalbkreis) und der Bömbachsee bei Altensteig (Landkreis Calw) weisen eine erhöhte Konzentration von Cyanobakterien auf.

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Anzeichen für Cyanobakterien

Folgende Anzeichen deuten auf einen möglichen Blaualgen-Befall hin: Das Wasser sieht grünlich aus und ist so trüb, dass man die Füße im knietiefen Wasser nicht mehr sehen kann. Je nach Wind- und Wetterverhältnissen kann es zu Algen-Ansammlungen kommen. Das Baden in Bereichen mit sichtbaren Schlieren sollte dann vermieden und besonders spielende Kinder und auch Hunde sollten beaufsichtigt werden.

Bei Kontakt können Blaualgen auch zu Hautreizungen führen. Der grün-blaue Bakterienfilm konzentriert sich häufig in Ufernähe. Daher können Badende nicht nur über die Haut, sondern auch über Hand und Mund mit dem Gift in Kontakt geraten.

Direkter Kontakt mit den Cyanobakterien und den Giften, die sie ausscheiden, kann Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen auslösen. Beim Verschlucken von belastetem Wasser kann es unter anderem zu Magen- und Darmbeschwerden sowie Atemwegserkrankungen kommen.

Zerkarien-Invasion in Badegewässern

Zerkarien tummeln sich oft in stehendem Gewässer, insbesondere in der Nähe von Schilf. Oft merkt man das Eindringen der Larven in die Haut schon nach etwa zehn Minuten durch fühlbares Jucken und Prickeln. Einige Stunden später bilden sich dann kleine rötliche Flecken. Der Ausschlag ist dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zufolge nicht gefährlich und verschwindet meist bald von selbst. Jucken die Stellen stark oder entzünden sich, kann ein Arzt ein Gel zur Linderung verordnen.

Experten empfehlen, sich nicht allzu lange im seichten Wasser aufzuhalten. Wasserfeste Sonnencremes können zudem das Eindringen der Larven in die Haut erschweren. Nach dem Schwimmen sollte man zudem die Badekleidung sofort ausziehen und den Körper mit einem Badetuch kräftig abreiben. Das verringert die Zahl der Zerkarien auf der Haut.

Vibrionen in der Ostsee

Die Stäbchenbakterien der Art Vibrio vulnificus sind mit dem Choleraerreger verwandt und können schwere Wundinfektionen hervorrufen. Die Bakterien vermehren sich stark bei anhaltenden Wassertemperaturen über 20 Grad.

Vibrionen können über Hautverletzungen in den Körper eindringen und bei Menschen mit chronischen Grunderkrankungen und Älteren zu schweren Wundinfektionen und Sepsis (Blutvergiftung) führen.

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