Die Vorschläge der Parteien im Bereich der Gesundheitspolitik sind vielschichtig. Manch eine Koalition könnte an diesen Punkten scheitern.
Die Gesundheitspolitik ist kein Randthema, sondern ein echter Filter für mögliche Koalitionen. Linke und FDP haben dabei so eine gegenteilige Ansicht, dass eine Zusammenarbeit unmöglich wäre. SPD und Grüne sind am konfliktärmsten.
Trägerschaft bei Krankenhäusern
Es ist ein ganz grundsätzlicher Denkansatz, der im Weiteren Weichen stellen kann. Die Grünen, und noch klarer die Linke, halten es für notwendig, dass sich Krankenhäuser in der öffentlichen Hand befinden. Dabei stimmen sie mit der AfD überein, die ein Verbot der Privatisierung von Hospitälern fordert. Auch die SPD sieht die Gesundheitspolitik lieber in der öffentlichen Hand. CDU und FDP sehen private Träger positiv, befürworten Wettbewerb und Effizienz.
Vorbeugung
Für die Grünen sind eine gesunde Ernährung, eine intakte Umwelt und mentale Gesundheit als Präventionsmaßnahme von entscheidender Bedeutung. Besser vorher investieren als nachher. SPD und Linke gehen diesen Weg weitgehend mit. CDU und FDP sprechen nicht gegen Prävention, das Thema ist aber nachrangig gegenüber Versorgung und Wirtschaftlichkeit.
Pflegekosten
Linke, SPD und auch Grüne positionieren sich klar: Es braucht mehr Personal mit besserer Bezahlung – auch wenn das zu höheren Ausgaben bei der öffentlichen Hand führen wird. CDU und FDP wollen zwar auch Verbesserungen, aber keine strukturelle Kostenexplosion. Die AfD will ein Gemeinschaftsdienst-Jahr für jeden Schulabgänger, das auch in der Pflege abgeleistet werden kann – und verweist darauf, dass bei der Sprachkompetenz von ausländischem Personal bei Ärzten und in der Pflege keine Kompromisse gemacht werden dürfen.
Schließung von Krankenhäusern und Notfallpraxen
Die Linke fordert ausdrücklich den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser und lehnt Schließungen ab. Unrentable Häuser sollen nicht geschlossen, sondern von den Kommunen weiter betrieben werden, Notfallpraxen landesweit unter 30 Minuten erreichbar bleiben. Die SPD weist Schließungen von Notfallpraxen scharf zurück und mobilisiert aktiv gegen entsprechende Pläne. Grüne, CDU und FDP äußern sich weniger konkret. Grüne und CDU betonen Versorgungssicherheit, Digitalisierung und flächendeckende Angebote, die FDP verlangt die Sicherstellung einer vernetzten und verlässlichen Versorgung.
Telemedizin
Derzeit können alle gesetzlich Versicherten im Südwesten von Montag bis Freitag kostenlos und niederschwellig eine erste telemedizinische Einschätzung von erfahrenen Haus-, Kinder- oder Jugendärzten erhalten. Der Tele-Arzt berät online, sofern eine persönliche Vorstellung notwendig ist, werden Patienten an niedergelassene Ärzte vermittelt. Die Grünen wollen diesen Ansatz weiter ausbauen, die FDP digitale Behandlungsangebote stärken. „Wir stärken telemedizinische Angebote“, heißt es bei der SPD. Die Linke und die AFD sagen zu dieser Form der medizinischen Betreuung nichts Konkretes, äußern sich aber im Bereich Elektronik und Gesundheit. Die AfD zeigt sich dabei kritisch in Bezug auf die elektronische Patientenakte, die Linke fordert eine elektronische Gesundheitskarte auch für Flüchtlinge. Die CDU ist zwar in Person ihres Kanzlers gegen Krankschreibung per Telefon, will aber laut Wahlprogramm im Südwesten die „Chancen der Telemedizin nutzen“.