Apothekerinnen und Apotheker fordern höhere Honorare und weniger Bürokratie. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht keinen Spielraum für mehr Geld.
Die meisten der 2300 Apotheken in Baden-Württemberg werden an diesem Mittwoch geschlossen bleiben. Sie nehmen an einem bundesweiten Protesttag teil. Damit wollen die Apotheker auf eine aus ihrer Sicht schlechte finanzielle Lage und durch Lieferengpässe sowie wachsender Bürokratielast erschwerte Arbeitsbedingungen hinweisen. Als Folge der Belastungen hat Baden-Württemberg nach Angaben des Landesapothekerverbandes in den vergangenen zehn Jahren rund 13 Prozent seiner Apotheken verloren. Betriebs- und Personalkosten seien massiv gestiegen, während die staatlich geregelte Vergütung nicht angepasst worden sei. Die Apothekerverbände verlangen als Teil eines Zehn-Punkte-Plans eine Anhebung der Honorare für verschreibungspflichtige Arzneimittel von 8,35 Euro auf zwölf Euro pro Packung.
Lauterbach erteilt Forderungen eine Absage
Der Protesttag ruft sehr unterschiedliche Reaktion hervor. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat den Forderungen eine Absage erteilt. Er habe zwar Verständnis für die Wünsche, sehe aber für Honorarerhöhungen in Hinblick auf die Finanzsituation der Gesetzlichen Krankenversicherung keinen Spielraum. Lauterbach hat bereits mögliche Erhöhungen der Beiträge angekündigt, falls Bundesfinanzminister Christian Lindner nicht bereit sei, den Bundeszuschuss zu erhöhen.
Auch der Chef der Südwest-AOK, Johannes Bauernfeind, äußerte sich im Interview mit unserer Zeitung kritisch zu den Forderungen. „Die Umsätze in den Apotheken sind in den vergangenen zwei Jahren um 13 Prozent gestiegen. Das spricht wirklich nicht für eine viel zu schlechte Vergütung“, sagte Bauernfeind. Die Schließung von Apotheken nannte er „extrem unangemessen“. Das gehe „auf Kosten jener Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die haben weitere Wege zu den Notdiensten“.
Es gibt aber auch Zustimmung. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sagte, er habe „Verständnis für die Forderungen“ und habe diese „ebenfalls bereits an den Bund herangetragen“. Vor allem „mit Blick auf den bürokratischen Aufwand für Abrechnungen und Dokumentationen“ müsse der Bund den Apothekerverbänden entgegenkommen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge, sagte unserer Zeitung, der Protest sei „überaus nachvollziehbar“. Werde die Arbeit tausender Apotheken „nicht wieder stärker wertgeschätzt, wird die Versorgung vor Ort spürbar leiden“. Auch die Gesundheitsexpertin der Linkspartei, Kathrin Vogler, stellte sich hinter die Forderungen: „Wenn es Apothekerinnen und Apotheker in den Streik und zum Protest auf die Straße treibt, ist das ein Signal, das niemand mehr ignorieren kann.“