In der Kardiologie geht es nicht um die Behandlung mit Katheter. „Das Herz braucht Liebe“, sagt der Leonberger Facharzt Werner Metz, hier mit einem Modell. Foto: Simon Granville

Der Leonberger Kardiologe Werner Metz sieht das mentale Wohlbefinden als Basis für ein gesundes Herz. Die Hektik von heute schade den Menschen.

Kardiologie, also die Lehre vom Herzen, ist ein großes Stück Psychologie. Wenn es den Menschen schlecht geht, leidet drunter das Herz. Die Ursachen freilich, diese Erfahrung hat Werner Metz gemacht, sind mitunter gar nicht richtig greifbar.

 

Wenn etwa zu dem promovierten Kardiologen Patienten mit einer sogenannten Smartwatch kommen, ist er nicht immer begeistert. Die Uhren, die auch Reaktionen des Körpers anzeigen, können medizinisch hilfreich sein, sagt der Arzt, der in Leonberg eine eigene Praxis betreibt. Allerdings gebe es Fälle, die eher zur Verunsicherung beitragen. Beispielsweise nach einem intensiven Fitnessstudio-Besuch. „Wenn die Uhr dann „Bitte konsultieren Sie Ihren Arzt“ anzeigt, werden die Menschen beunruhigt und steigern sich womöglich in einen Zustand hinein, der objektiv gar nicht vorhanden ist. Der Körper ist aber so ständig im Kampfmodus“, hat Metz schon mehrfach beobachtet.

Stress, Unruhe, keine Möglichkeiten des Rückzugs: Das sind für den erfahrenen Herz- und Sportmediziner wichtige Faktoren, die nicht nur zu Koronarerkrankungen, sondern zu seelischen Problemen führen. Auch die zunehmende Kommunikation über digitale Kanäle sieht Metz mit Skepsis.

Während Corona haben Herzkrankheiten zugenommen

„Wir Menschen leben von direkten sozialen Kontakten. Werden die weniger, ist das nicht gut fürs Herz. “ Deshalb hätte gerade in der Coronaphase die Zahl der Herzkrankheiten stark zugenommen: „Wer im Homeoffice ist, hat weniger Kontakte und bewegt sich weniger. Das bereitet Stress, auch fürs Herz.“

Diese grundsätzliche Erkenntnis haben Mediziner aus Japan vor der Jahrtausendwende gemacht. In der Fachwelt wird sie „Broken Heart Syndrom“ genannt. „Früher wurden Herzprobleme rein mechanisch mit dem Katheter behandelt“, erklärt Metz. „Jetzt kümmern wir uns auch um das Wohlbefinden. Diese Psychokardiologie gibt es erst seit den Neunzigern.“

Seit 1991 betreibt der 69-Jährige seine Fachpraxis. Früher war er sowohl klassischer Hausarzt als auch Facharzt für innere Medizin. Ein Gesetz zwang die niedergelassenen Ärzte seinerzeit, sich zu entscheiden, ob sie als Allgemeinmediziner oder Facharzt arbeiten wollten. Eine Kombination, so wie sie Metz betrieben hatte, war nicht mehr möglich. „Aufgrund meiner speziellen Kenntnisse hatte ich mich für den Facharzt entschieden“, sagt Metz, der seine medizinische Laufbahn als Pfleger im Krankenhaus Leonberg begonnen und später Innere Medizin in Tübingen studiert hatte. „Dass ich meinen Beruf von der Pike auf gelernt habe, kommt mir bis heute zugute.“ Denn ein guter Arzt müsse neben den medizinischen auch menschliche Qualitäten haben. „Jeder Patient hat Ängste und ist verunsichert. Der eine kann besser damit umgehen, der andere schlechter. Deshalb müssen wir unseren Patienten auf Augenhöhe begegnen.“

Die Abi-Note ist nicht das einzige Kriterium

In der Ausbildung kommt dem zweifachen Familienvater dieser Aspekt zu kurz. „Der alleinige Blick auf die Abiturnote ist nicht zielführend“, sagt Metz. „Soziale Kompetenz ist ein ganz wichtiges Kriterium.“ Deshalb findet es der Mediziner besser, würden ambitionierte Abiturienten unabhängig von der Durchschnittsnote zum Studium zugelassen werden. „Wer das Zeug zum Mediziner hat, das stellt sich dann schon heraus.“

Dass der Kardiologe aus Leonberg genau dieses Zeug zum Mediziner hat, ist seit Jahrzehnten in der ganzen Region bekannt. Seine Patienten kommen auch aus Böblingen, Sindelfingen und der Ludwigsburger Gegend. Und es werden immer mehr. Für Werner Metz ist das unter anderem eine Folge der Gesundheitspolitik: „Durch die kurzen Liegezeiten in den Krankenhäusern wird die Nachbehandlung einfach an die niedergelassenen Ärzte weitergeben“, sagt der Mediziner. „Dadurch werden die Hausärzte regelrecht überlaufen und schicken Patienten dann zu den Fachärzten.“

Immer mehr jüngere Herzpatienten

Zudem würden die Menschen immer älter und damit auch kränker. Doch selbst die jüngeren Leute leiden zunehmend an Herzrhythmusstörungen, eben wegen der schon erwähnten dauerhaften inneren Alarmbereitschaft. „Die Zahl der Patienten zwischen 25 und 40 Jahren ist zuletzt um 34 Prozent gestiegen“, sagt Metz.

Ein Patiententermin dauert zwischen 30 bis 60 Minuten. „Dass wir bis Anfang kommenden Jahres ausgebucht sind, wundert da nicht“, sagt der Praxischef, der sieben Angestellte in Voll- und Teilzeit beschäftigt. „Notfälle schieben wir aber immer herein.“

Frische Luft und Bewegung sind wichtig

Die Frage aber, was ein Notfall ist, wird unterschiedlich bewertet. „Viele Patienten fühlen sich als Notfall, selbst wenn es aus medizinischer Sicht nicht so ist“, weiß Metz aus mehr als 30-jähriger Praxiserfahrung. „Solche Diskussionen zu führen, ist immer schwierig.“ Und mündet bisweilen in einer schlechten Bewertung im Internet. Dem Patientenzuspruch tut diesen keinen Abbruch.

Am besten ist es, so sagt der gebürtige Weil der Städter, man versucht den Gang zum Herzdoktor so lange wie möglich herauszuzögern. Am besten geschehe das an der frischen Luft: „Licht und Bewegung sind immens wichtig fürs Wohlbefinden.“ Und natürlich die sozialen Kontakte und Freundschaften: „Das Herz braucht Liebe.“