Depression kann als Krankheit viele Gesichter haben. Foto: dpa/Fabian Sommer

Viele fühlen sich überfordert, wenn ihnen jemand gesteht, Depressionen zu haben. Drei Betroffene aus dem Enzkreis geben Tipps.

Viele Menschen sind im ersten Moment überfordert, wenn ihnen ein Freund, Kollege oder Familienmitglied gesteht: „Ich habe Depressionen.“ Manche ziehen sich komplett zurück und meiden den Kontakt. Andere wechseln sofort das Thema. Wieder andere wollen helfen – treten dabei aber manchmal ungewollt ins Fettnäpfchen. Nach der Erfahrung unserer drei Gesprächspartner aus dem Enzkreis gibt es aber ein paar typische Fehler, die fast jeder macht, die man aber leicht vermeiden kann.

 

Es gibt gute und schlechte Tage

„Ganz schlimm ist dieses sporadische: Wie geht’s dir?“, nennt Nadine Siebler ein Beispiel. Für die meisten ist es eine höfliche Floskel, für depressive Menschen aber oft wie ein Schlag ins Gesicht. „Wenn sie es wirklich wissen wollen, sollen sie es lieber konkret formulieren, zum Beispiel: Wie war dein Tag? Denn es gibt immer gute und schlechte Tage.“ Viele kennen auch den Kommentar „Reiß dich mal zusammen“. „Das hilft überhaupt nicht“, betont Rainer Weber (Name von der Redaktion geändert).

Viele sind im ersten Moment überfordert

Anna L. wurde oft mit der Reaktion konfrontiert: „Was du? Dir geht’s doch gut, du kriegst doch alles hin.“ Weil viele nicht begriffen, dass es in anderen oft ganz anders aussieht, als es nach außen den Anschein hat, und dass es nicht nur eine Form der Depression gibt. „Die sind mit der Nachricht dann erst mal überfordert“, weiß sie. „Aber das ist völlig okay. Wichtig ist, dass man das mitteilt.“ Am besten sollte man ganz offen sagen: „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Sag mir, wenn ich dir helfen kann.“

Verständnis und Unterstützung sind aus Sicht der drei Betroffenen sehr wichtig. Nadine Siebler hat bei ihrer Familie beides vermisst. Bis auf einen Bruder habe sich lange Zeit niemand auch nur ein einziges Mal bei ihr gemeldet, inzwischen hat sie den Kontakt abgebrochen. Ihre Kinder und Kollegen gingen mit dem Thema zum Glück viel besser um, sagt sie. „Ich habe ein tolles Team, das mir oft Fotos geschickt hat, oder ich habe von den Kitakindern Bilder gemalt bekommen.“ Ihre eigenen Kinder, mittlerweile erwachsen, seien eine echte Unterstützung. „Sie hatten immer sehr viel Verständnis.“

Wann sollte man dranbleiben?

„Unterstützend, aber nicht aufdrängend“ sind Eigenschaften, die Anna L. an ihrem Umfeld geschätzt hat. Sie sagt aber auch: „Manchmal braucht es einen Schubs in die richtige Richtung.“ Wann aber sollte man es beim Anbieten von Hilfe belassen, und wann ist es wichtig dranzubleiben? Darauf gibt es aus Sicht der drei Betroffenen keine eindeutige Antwort. „Manchmal muss man ein bisschen penetrant sein“, glaubt Nadine Siebler. „Denn viele wollen erst mal keine Hilfe annehmen, obwohl sie sie bräuchten.“

Manchmal braucht es einen Schubs in die richtige Richtung

Ähnlich sieht es Rainer Weber, warnt aber auch: Man darf niemanden zu etwas zwingen. „In den Achtzigern hat mich meine Mutter gegen meinen Willen zu einer Psychotherapie geschickt.“ Doch die habe er abgebrochen, er war noch nicht so weit. „Immer wieder ein bisschen Druck machen, kann wichtig sein, aber den letzten Schritt muss man selber gehen.“