Erneut rückt eine Bar in den Fokus des örtlichen Gesundheitsamts (hier ein Symbolfoto). Foto: dpa/Christophe Gateau

Das Mannheimer Gesundheitsamt befürchtet einen Corona-Ausbruch in einer Bar und sucht per Pressemitteilung nach Besuchern. Das wirft Fragen auf – die Reaktion der Bar ebenfalls.

Mannheim - Wo waren Sie in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli? Das ist die Frage, die das Mannheimer Gesundheitsamt per Pressemitteilung am Mittwochabend gestellt hat. Gesucht wird nach den Besuchern der Mannheimer Bar „Filmriss“ – weil ein Besucher oder eine Besucherin positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. „Das Gesundheitsamt Mannheim stuft die Gäste, die zur gleichen Zeit die Bar besucht haben, als enge Kontaktpersonen ein“, heißt es in der Mitteilung. Die Behörde geht also davon aus, dass sich weitere Personen angesteckt haben und es an dem Abend einen Corona-Ausbruch gegeben hat.

Das „Filmriss“ bezeichnet sich selbst als Cocktailbar. „Ob faule Sau oder coole Socke in der Uni, bei uns im Filmriss werden wir alle zum Nerd“, heißt es auf der Facebook-Seite der Bar. Am besagten 16. Juli warb die Bar mit Öffnungszeiten von 20:15 bis 5 Uhr: „Seid ihr eher Team Cocktail oder Team Shots, bzw. hartes Zeug?“

Ähnlicher Fall in Karlsruhe

Dass das Mannheimer Gesundheitsamt nun nach Besucherinnen und Besuchern an jenem Abend fahndet, ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens erinnert die Aktion an den Corona-Ausbruch in der Karlsruher Bar „Topsy Turvy“. Damals wie auch jetzt im Mannheimer Fall wurde der Name der Bar öffentlich genannt, weil die von den Besucherinnen und Besuchern angegebenen Kontaktdaten nicht vollständig nachvollzogen werden konnten.

Gleichsam hat die öffentliche Erwähnung einer Bar mutmaßlich negative Folgen für die Betreiber. In Karlsruhe wurde der Corona-Ausbruch im „Topsy Turvy“ vom Oberbürgermeister Frank Mentrup für die zwischenzeitlich angestiegene Inzidenz verantwortlich gemacht. Ob an dem Abend gegen Corona-Regeln verstoßen wurde, will die Stadt Karlsruhe kommende Woche erklären.

Zweitens ist bemerkenswert, dass der betreffende Abend bereits zwei Wochen her ist. Man geht davon aus, dass von einer Infektion bis zur Weitergabe des Virus nur wenige Tage vergehen. Die Personen, die sich am 16. Juli im „Filmriss“ angesteckt haben, hätten das Virus längst an etliche andere weitergegeben – die Infektionsketten dürften mittlerweile sehr lang sein.

Bar reagiert ungewöhnlich

Nicht nur die Pressemitteilung des Mannheimer Gesundheitsamts ist ungewöhnlich, sondern auch die Reaktion der Bar „Filmriss“. Sie erklärte am Mittwochabend auf Facebook, dass künftig die 3G-Regel gelte, dass also nur Geimpfte, Genesene oder negativ auf eine Infektion Getestete eingelassen würden. Das wäre laut Corona-Verordnung und wegen der aktuellen Infektionszahlen in Mannheim nicht nötig.

Dass eine Gastronomie von sich aus strengere Regeln anwendet, ist zumindest ungewöhnlich. Die Vermutung liegt nahe, dass der Schritt mit der Pressemitteilung des Mannheimer Gesundheitsamts zu tun hat. Die Bar vermied in ihrer Mitteilung auf Facebook allerdings jeden Hinweis darauf.

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