Der angehende Kranken- und Gesundheitspfleger Ferdinand Kölli mit seiner Klassenkameradin Ann-Katrin Berg beim praktischen "Anschauungsunterricht". Foto: Privat

Ferdinand Kölli erzählt von seinem "exotischen" Leben als Mann, der einen Pflegeberuf erlernt.

Stuttgart - Wenn Ferdinand Kölli aufzählt, was er während seiner Lehre zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht und welche Stationen er durchlaufen hat, muss der Zuhörer Zeit mitbringen, denn die Liste ist lang. „Während der dreijährigen Ausbildung habe ich rund 2100 Stunden Theorie-Unterricht am Evangelischen Bildungszentrums für Gesundheitsberufe (EBZ) gehabt. Meine Praxis von rund 2500 Stunden habe ich am Karl-Olga-Krankenhaus, einem der drei Kooperationspartner des EBZ, und externen Einrichtungen gemacht.“

Dabei hat Kölli Einblicke in die Chirurgische und Innere Abteilung sowie Urologie bekommen. Gynäkologie und Geburtshilfe in der Charlottenhausklinik standen ebenfalls auf dem Stundenplan. Zudem hat Kölli im Furtbachkrankenhaus einiges über Psychiatrie gelernt und im Ölgäle in die Kinderkrankenpflege hineingeschnuppert. Obendrein hat er bei einer ambulanten Pflegestation erste Erfahrungen in häuslicher Pflege sammeln dürfen.

b>Vielfältige Tätigkeiten machen den Beruf spannend

Ein breites Anforderungsprofil, bei dem es den Auszubildenden sicher nicht langweilig wird: „Es sind vielfältige Tätigkeiten, die einen fordern“, erklärt Ferdinand Kölli. „Aber genau das ist es, was den Beruf so spannend macht.“ Hinterher wüssten die meisten, in welche spezielle Richtung es für sie weiter gehen soll. Der 27-Jährige, der gerade mitten in den Vorbereitungen aufs mündliche Examen steckt, ist voller Vorfreude „auf die Zeit danach“, wenn er seinen Abschluss in der Tasche hat.

Die Übernahmechancen für examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger sind sehr gut und Kölli reizt das Neue, der Blick über den Tellerrand. Deshalb wagt er sich in die bayerische Landeshauptstadt. Auf der Intensivstation einer Münchner Uniklinik wird er sich die ersten beruflichen Sporen verdienen. „Mich reizt es, dass ich im technischen Bereich sehr gefordert sein werde. Außerdem kann ich mich in einer Schicht ausschließlich um ein oder zwei Patienten kümmern“, sagt Kölli. „Die intensive Betreuung weniger Menschen gefällt mir. Zudem ist das Spektrum der Patienten auf solch einer Station groß. Vom Teenie bis zum Greis wird alles vertreten sein.“

Dienstleistung am Menschen geht weit über satt und sauber hinaus

Die „Dienstleistung am Menschen“, die weit über die Grundversorgung wie Nahrungsaufnahme und Körperpflege hinausgehe, ist es, was Ferdinand Kölli an seinem Beruf besonders liebt. Dass das Berufsbild des Krankenpflegers um den Gesundheitspfleger erweitert worden ist, sei nicht bloß eine reine Begrifflichkeit. Viel mehr ginge es jetzt verstärkt um Prävention, also der Gesunderhaltung der Menschen. Die Ressourcen der Patienten werden ausgelotet, Motivation und Wille in Beratungsgesprächen angeregt. Dabei gewinne das interdisziplinäre Arbeiten immer mehr an Bedeutung. „Wenn ich die positive Entwicklung eines Patienten sehe, dann erfüllt mich das mit viel Zufriedenheit.“

Doch Ferdinand Kölli schlägt im Jahr der Pflege auch kritische Töne an. Der Arbeitsaufwand sei immens, die politische Einsicht für Handlungsbedarf gering. Helfen würde seiner Meinung nach eine streng an Patientenzahl und Krankheitsschwere ausgerichtete Personalbesetzung. Auch das Bild der Gesundheits- und Krankenpfleger in der Öffentlichkeit würde sich nur langsam ändern. „Lediglich in Deutschland ist es ein Ausbildungsberuf. In anderen Ländern ist es ein Studium, was sich natürlich auch auf Außenwirkung und Bezahlung auswirkt.“

Ein guter Realschulabschluss wird verlangt

Da die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger eine anspruchsvolle ist, wird ein guter Realschulabschluss verlangt und es bewerben sich viele junge Menschen mit Abitur um eine Lehrstelle. In seinem Jahrgang ist Ferdinand Kölli mit 27 Jahren der älteste. Die meisten seiner Mitschüler sind im Durchschnitt 22 Jahre alt, wenn sie das Examen ablegen.

Kölli hat ein bewegtes Vorleben, mit Studienabbruch und einem freiwilligen Wehrdienst in Afghanistan. "Ich wollte bewusst den anderen Bereich kennen lernen, da mir die soziale Arbeit von Kindheit an sehr vertraut ist.“ Denn gemeinsamer Sportunterricht mit Behinderten und einen Vater der als Therapeut arbeitet, gaben prägende Einblicke. Kölli wollte weg von der sozialen Schiene, sprang jedoch nach einem Praktikum bei einem Onkel, der in der Psychiatrie arbeitet, wieder auf den Zug auf.

Was passiert, wenn soziales Engagement freiwillig wird?

Die meisten seiner männlichen Mitschüler sind über den Zivildienst auf die Idee gekommen, sich zum Pfleger ausbilden zu lassen. Nach wie vor gelten Männer in diesem Beruf als Exoten. 90 Prozent der Azubis sind weiblich. "Da nach der Abschaffung des Zivildienstes soziales Engagement freiwillig ist, werden vermutlich noch weniger junge Männer sich für einen Pflegeberuf entscheiden", denkt Kölli. „Schade auch für die Patienten. Sie finden es toll, beide Seiten zu haben, die männliche und die weibliche.“ Ohnehin befinde sich die Pflege im Wandel.

Die Akademisierung der Pflegeberufe habe in Deutschland begonnen, die Vielfacherkrankungen und die Lebenserwartung der Menschen steige. Hier wünscht sich Kölli, dass die Politik angemessen reagiert. Dennoch blickt Ferdinand Kölli positiv in die Zukunft. „Mein Beruf birgt immer wieder neue Herausforderung und ist wohl einer mit der größten Sinnhaftigkeit.“

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