Familiengründer aufgepasst: Kinder könnnen ihren Eltern auch Stress nehmen. Foto: Fotolia

Die Krankenkasse DAK hat die Krankendaten der 25- bis 39-jährigen Versicherten unter die Lupe genomment. Ergebnis: Kinder und Karriere bedeuten für Eltern nicht unbedingt mehr Stress.

Die Krankenkasse DAK hat die Krankendaten der 25- bis 39-jährigen Versicherten unter die Lupe genomment. Ergebnis: Kinder und Karriere bedeuten für Eltern nicht unbedingt mehr Stress.

Stuttgart - Kind in die Kita bringen, zur Arbeit hetzen, sich nach Feierabend auf der Baustelle über die Handwerker am Neubau ärgern, einkaufen, Hausaufgaben kontrollieren, Elternabend: In jungen Familien ballen sich viele Herausforderungen.

Um herauszufinden, wie sich dieser ­stressige Lebensabschnitt auf die ­Gesundheit auswirkt, hat die Krankenkasse DAK für ihren aktuellen Gesundheitsreport besonders die Krankendaten der 25- bis 39-jährigen Versicherten unter die Lupe genommen und mehr als 3000 Männer und Frauen zusätzlich befragt.

Das Ergebnis überrascht: Im Vergleich zu den beiden Altersgruppen 15 bis 24 Jahre und 40 bis 64 Jahre fehlen die 25- bis 39-Jährigen bei der Arbeit deutlich seltener wegen Krankheit. „Der zunehmende Stress etwa durch Berufstätigkeit und Familie wird ­offenbar kompensiert durch die Freude, die Kinder mit sich bringen können“, sagt ­Karlheinz Sonntag, Leiter der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Heidelberg.

Wenig Schlaf, wenig Sport: Auch das gehört zu berufstätigen Eltern

Und so haben selbst in Vollzeit arbeitende Mütter der Studie zufolge keine höheren Stresswerte als Mütter in Teilzeit oder nicht erwerbstätige Mütter. „Diese Ergebnisse können jungen Menschen die Angst nehmen, Familie und Beruf nicht in Einklang bringen zu können und deshalb womöglich kinderlos zu bleiben“, so Sonntag.

Markus Saur, Landeschef der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg, weist dennoch darauf hin, dass „der niedrige Krankenstand nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten wie Rückenprobleme bilden“.Und so zeigen die Ergebnisse der DAK-Befragung auch, dass erwerbstätige Eltern den Spagat zwischen Job und Kindern vor allem deshalb schaffen, weil sie Abstriche bei sich selbst machen.

„Bei ihnen bleiben vor allem ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung auf der Strecke. Und sie treiben auch weniger Sport als Berufstätige ohne Kinder“, sagt Saur. Damit die besonders beanspruchten jüngeren Mitarbeiter bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben könnten, müssten die Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren.

Baden-Württemberger bundesweit am seltensten krank

Denn trotz der besonders gesunden 25-bis 39-Jährigen stieg der Krankenstand deutschlandweit insgesamt leicht an: von 3,8 Prozent im Jahr 2012 auf vier Prozent im Jahr 2013. Neben einer Erkältungswelle im letzten Winter liegt das Markus Saur zufolge auch an den älter werdenden Belegschaften. „Ältere Mitarbeiter sind zwar seltener, aber deutlich länger krank als jüngere.“ Denn während ein 20-Jähriger vor allem wegen einer Erkältung zu Hause bleibt, fallen die 40- bis 65-Jährigen wegen Rückenschmerzen oder Depressionen aus.

Auch in Baden-Württemberg hat die Zahl der Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Neurosen oder Angststörungen zugenommen: Im Jahr 2013 waren 15 Prozent der Fehltage im DAK-Gesundheitsbericht darauf zurückzuführen – 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

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