Gesundheit Hausmittel – und was sie wirklich bringen

Von Jörg Zittlau 

Bei Erkältungen setzen viele auf Hausmittel – doch was bringen sie? Foto: 62092804
Bei Erkältungen setzen viele auf Hausmittel – doch was bringen sie? Foto: 62092804

Nicht nur bei Erkältungen schwören viele auf Hausmittel. Doch welche helfen wirklich – und welche nur angeblich? Wir stellen zehn der beliebtesten Methoden auf den Prüfstand.

1. Gewürznelken helfen gegen Zahnschmerzen

Gewürznelken lassen sich lutschen oder zwischen die Zähne stecken – und dämpfen so tatsächlich den Schmerz. Ihr Hauptwirkstoff ist Eugenol, das sowohl eine örtlich betäubende als auch eine antibakterielle Wirkung hat. Es wirkt bereits innerhalb von zwei bis sieben Minuten und ist gut verträglich. 2006 veröffentlichten kuwaitische Zahnmediziner eine Studie, in der sie das Zahnfleisch von Patienten entweder mit Nelkenöl, dem Lokalanästhetikum Benzocain oder Vaseline (als Placebo) bestrichen. Danach pikste man es mit einer Nadel. Während Vaseline als Betäubungsmittel versagte, erwies sich das Nelkenöl als ebenso wirksam wie Benzocain.

2. Inhalieren hilft gegen Schnupfen

Stimmt nicht. Ein Forscherteam um Paul Little von der University of Southampton untersuchte, was besser gegen Erkältungen hilft: Das Inhalieren von Salzwasserdämpfen oder aber Nasenspülungen mit Salzwasser. Das Ergebnis: Während die Spülungen wenigstens geringfügig zur Befeuchtung der Schleimhäute und der Linderung des Schnupfens beitrugen, hatten die Inhalationen kaum eine Wirkung. Die Kopfschmerzen wurden zwar ein wenig besser, doch das könnte man auch mit einem starken Placeboeffekt erklären, der vom Inhalieren heißer Dämpfe ausgeht. Wobei diese im Übrigen auch nicht ganz ungefährlich sind: In der Fachliteratur existieren diverse Fallberichte von Verbrühungen durch heißen Wasserdampf.

3. Honig wirkt gegen Husten

Stimmt. In einer israelischen Studie an 200 Kleinkindern linderten Eukalyptus- und Zitronenblütenhonig die Frequenz und Stärke der Hustenattacken beim Schnupfen. Hauptverantwortlich dafür sind vermutlich die antibiotischen Inhaltsstoffe des Bienenprodukts, aber vermutlich besänftigt Honigzucker auch die fürs Husten zuständigen Areale im Gehirn. Bei Buchweizenhonig kommen noch die entzündungshemmenden Gerbstoffe des Knöterichgewächses hinzu. Er zeigte in einer US-Studie an 105 hustenden Kindern eine bessere Wirksamkeit als ein Standard-Hustensaft mit Dextromethorphan. Und Studienleiter Ian Paul von der Pennsylvania State University lobte: „Geschmack und Konsistenz des Honigs sind einfach kinderfreundlich.“ Die Anwendung: Viermal täglich einen Teelöffel einnehmen und dabei ein wenig im Mund hin und her bewegen.

4. Viel Trinken hilft bei grippalen Infekten

Stimmt nicht. „Infektionen der Atemwege führen zur erhöhten Ausschüttung antidiuretischer Hormone, die das Wasser im Körper halten“, erklärt Michelle Guppy von der australischen University of Queensland. Der Körper selbst unternimmt also im Falle einer Erkältung schon genug, um sich genügend Wasser zu sichern, man muss deshalb nicht zusätzlich Flüssigkeit in ihn hineinzwingen. Guppy und ihre Mitarbeiter fanden vielmehr Hinweise darauf, dass die bewusste Vieltrinkerei zu Salzmangel führen und dadurch Schnupfensymptome wie Müdigkeit und Gliederschmerzen sogar verstärken kann.

5. Warme Wickel befreien die Nase

Stimmt. Immunbiologen der Yale University in Connecticut ermittelten, dass Schnupfenviren sich deutlich schwächer vermehren, wenn es warm wird. Deswegen halten sie sich ja auch in den oberen Atemwegen auf, weil der Luftstrom dort moderate Temperaturen von 33 Grad Celsius bringt. Bestrahlt man nun die Stirnhöhlen mit Infrarotlicht und legt man einen warmen Wickel um den Hals, steigen die Temperaturen – und die Erreger haben schlechte Karten. Die Anwendung: Ein feuchtes Baumwolltuch um den Hals wickeln und mit einem Handtuch abdecken, das Erhitzen besorgt dann die Körperwärme.

6. Cola und Salzstangen sind gut gegen Durchfall

Stimmt nicht. Cola und Salzstangen enthalten zwar Zucker und Mineralien, die dem Körper durch den Durchfall verloren gehen, aber damit ist ihr positiver Effekt auch schon erschöpft. Denn Cola enthält viel Koffein, das die Darmtätigkeit anregt und dadurch möglicherweise den Durchfall verstärkt. Und ihr Zuckergehalt ist so hoch, dass es zu einer vermehrten Wasserausscheidung über die Niere kommen kann. Dadurch verliert man unter Umständen noch mehr Flüssigkeit und wichtige Mineralien. In einer Studie der Universität Ioannina (Griechenland) offenbarte sich Cola in einer Dosierung von zwei bis drei Litern geradezu als Kaliumräuber.

7. Schnaps hilft bei der Verdauung

Stimmt nicht. Laut einer Studie des Universitätshospitals Zürich führt diese Strategie vielmehr dazu, dass ein opulentes Mahl ungefähr anderthalb Mal so lange braucht, bis es vom Magen in den Darm gelangt ist. Als Ursache für diese Verzögerung vermutet Studienleiter Mark Fox: „Der Schnaps entspannt offenbar intensiv die Muskeln der Magenwände und hemmt dadurch die Pumpbewegungen, die den Mageninhalt vorwärts bewegen.“ Die Entspannung führe zwar zu einem wohligen Wärmegefühl, so der Schweizer Mediziner: „Doch diesem Effekt steht eine deutlich verzögerte Magenentleerung entgegen.“

8. Leinsamen drückt die Cholesterinwerte

Stimmt. Aber wohl nur bei Männern. Bei denen senkt laut einer Studie der US-amerikanischen Iowa State University der Verzehr von täglich drei Teelöffeln Leinsamen den Cholesterinspiegel um mehr als zehn Prozent. Dieser Effekt beruht jedoch auf seinen Lignanen, die große Ähnlichkeit mit dem weiblichen Hormon Östrogen haben. Davon haben Frauen in der Regel schon genug, und daher bringt bei ihnen die Zufuhr pflanzlicher Östrogene keine zusätzliche Wirkung. Tröstlich für Frauen: Erhöhte Cholesterinwerte kommen bei ihnen seltener vor als bei Männern.

9. Bier am Morgen ist gut gegen Kater

Stimmt, auch wenn es auf Dauer ungesund ist. Hauptverantwortlich für die typischen Katerbeschwerden – Brummschädel, Übelkeit und Benommenheit – ist weniger der Alkohol als vielmehr der hauptsächlich aus Methanol bestehende Fuselalkohol. Bei seinem Abbau entstehen Ameisensäure und Formaldehyd, die wahrscheinlich zum Kater beitragen. Um den Methanolabbau und seine unangenehmen Nebenwirkungen hinauszuzögern, hilft es tatsächlich, Alkohol zu trinken. Denn der Trinkalkohol Ethanol benötigt für seinen Abbau dasselbe Enzym wie Methanol, wird aber bevorzugt behandelt. Erst wenn kein Bier, Wein oder Schnaps mehr nachkommt, wird das Methanol abgebaut. Bis dahin sammelt es sich an. Allerdings bedeutet das Bier oder der Klare am Morgen auch, dass wir dem Zechgelage eine weitere Alkoholdröhnung hinterherschicken. Für Leber und Gehirn ist das ein ziemlicher Stress.

10. Mit heißer Milch schläft man besser ein

Stimmt nicht. Babys schlafen bekanntlich besser, wenn man ihnen vorher Milch zu trinken gibt. Doch das liegt daran, dass sie dann keinen Hunger mehr haben und somit ein wichtiger Störfaktor für ihren Schlummer fehlt. Aber bei Erwachsenen stößt Milch als Einschlafhilfe an ihre Grenzen. Denn sie enthält zwar die Aminosäure Tryptophan, die der Körper zur Produktion schlaffördernder Hormone heranziehen könnte. Doch für einen praktischen Effekt müsste man mehrere Tausend Milligramm Tryptophan zu sich nehmen. Ein Glas Milch enthält jedoch gerade mal 40 Milligramm. Man müsste also mindestens 25 Gläser konsumieren – und das würde wohl eher schlaflos als müde machen.

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