Redakteur Dominique Wehrle (vorne) testet die Sportart Crossfit. Foto: Nicklas Santelli

Crossfit bündelt Übungen aus dem Gewichtheben, Turnen und der Leichtathletik. In einem Selbstversuch testet ein Redakteur die beliebte Sportart.

Fellbach - Schnelle Rhythmen dröhnen aus der Musikbox. Dann unterbricht ein kurzer Pfiff nicht nur die Klänge, sondern auch das erholende Durchatmen. Zehnmal ertönt das Signal, jeweils im Minutentakt, nach der dritten oder vierten Runde muss Dominik Vogt schon keinen zusätzlichen Startruf mehr geben, alle wissen Bescheid. Nun gilt es wieder, zehnmal auf die Holzkiste zu springen, gefolgt von fünf Liegestützen und einer kurzen Erholung – bis zum nächsten Pfiff. Schon jetzt tropft mir der Schweiß von der Nase und verwischt die kurzen Notizen auf dem Papierblock wieder. Dabei haben wir bisher nur das Aufwärmen hinter uns gebracht und gewöhnen uns nun an die bevorstehenden Herausforderungen. „Das eigentliche Workout kommt erst noch“, sagt Dominik Vogt mit einem Grinsen und Blick auf den Hauptteil der Einheit. Der ausgebildete Trainer leitet die Crossfit-Einheiten, die der TSV Schmiden neuerdings anbietet. Das Ziel: die eigene Fitness möglichst vielseitig zu verbessern. So mischen sich Übungen aus dem Gewichtheben mit Elementen aus dem Turnen oder der Leichtathletik. Als Alternative zum herkömmlichen Besuch im Fitnessstudio sollen die Muskeln nicht separat, sondern als Einheit trainiert werden, um für alltägliche Bewegungen, an denen stets mehrere Muskeln beteiligt sind, optimal vorbereitet zu sein. Rund eine Stunde dauert das Programm, das sich in vier große Blöcke gliedert: Aufwärmen, Technikteil, Hochintensitätstraining und Stretching zum Abschluss.

Zehn Teilnehmer schwitzen zwischen Tennis- und Beachvolleyballplätzen

Mittlerweile trauen sich die zehn Teilnehmer, die an diesem Freitagmorgen zwischen den Schmidener Tennis- und Beachvolleyballplätzen schwitzen, zu, auch unter noch größerer Anstrengung problemlos auf die Holzkisten zu hüpfen. Dabei können sich die jeweils zwei Trainingspartner zwischen drei unterschiedlichen Höhen entscheiden, je nach dem auf welche Seite sie die Box stellen. Einzig mit Sprüngen ist es aber nicht getan. Nachdem ich zum vorerst letzten Mal gelandet bin, renne ich zum Medizinball. Achtmal soll er möglichst weit oben gegen das Gitter fliegen und mich dazwischen in eine tiefe Hocke drücken, bevor ich mir die Last auf die Schulter packe und mich abschließend noch über eine eigentlich kurze Laufstrecke schleppe. Wobei der Abschluss in diesem Fall nur bedingt erreicht ist. Denn während sich mein temporärer Trainingspartner Felix Hug durch den Parcours müht, stemme ich eine Langhantel in die Höhe. Sinkt sie zu weit ab, muss er warten. Am Ende haben wir nach rund zwölf Minuten als viertes der fünf Duos die insgesamt vier Durchgänge absolviert. Wirklich erholsam war – entgegen vorheriger Ankündigungen – keine der Übungen. Allesamt haben sie mich auf spezielle Art und Weise gefordert.

Die Sportart erfreut sich zunehmender Beliebtheit

Auch wenn sich nach einer aktuellen Umfrage bislang noch nicht einmal ein Prozent der Fitnessfans beim Crossfit erschöpft, erfreut sich die Sportart zunehmender Beliebtheit. Schließlich sind die Trainingseffekte vielfältig. Die Ausdauer wird ebenso angesprochen wie die Kraft, die Schnelligkeit, die Beweglichkeit oder auch die Koordination. Zudem muss der Körper auf verschiedene Arten Energie bereitstellen: mit und ohne Sauerstoff, aus Fetten und Kohlenhydraten. Dementsprechend umfangreiche Möglichkeiten bieten die Crossfit-Einheiten, seine Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Aufgrund der zahlreichen Geräte und Variationen lassen sich die Übungsstunden dabei einerseits abwechslungsreich gestalten, andererseits dienen strikte Programme dem Leistungsvergleich. „Ich finde Crossfit gut, weil wir nicht nur Krafttraining machen, sondern zwischendrin auch rennen müssen“, sagt Lisa Kurz über ihre ersten Erfahrungen. Und Kristin Berner ergänzt: „Jeder macht das Gleiche, aber doch hat jeder sein individuelles Niveau.“ Denn alle Teilnehmer können die Aufgaben in dem Tempo bewältigen, das sie für sich als ausreichend oder fordernd empfinden. Darüber hinaus erlauben es erleichterte Bedingungen auch Anfängern, auf ihrem jeweiligen Niveau mit dem Training zu beginnen. Nach und nach entwickelt sich häufig ein Gefühl der Zusammengehörigkeit innerhalb der Gruppe. „Eigentlich ist es dann wie eine Mannschaft“, sagt Dominik Vogt.

Lisa Kurz und Kristin Berner können sich gut vorstellen, ihren ersten Eindrücken noch weitere folgen zu lassen. Bis Ende Juli bietet der TSV Schmiden Schnupperkurse an, anschließend sollen von September an regelmäßige Einheiten folgen. Zunächst im Freien, später dann im neuen Sportforum, das derzeit in der Wilhelm-Stähle-Straße errichtet wird. Wenn dann wieder kurze Pfiffe ertönen, wissen die beiden schon Bescheid, dass es wieder losgeht.

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