Schonendes Training hält die Gelenke bis ins Alter flexibel, kann aber nicht alle Alterserscheinungen verhindern. Foto: pixabay.com/Vicky Bhargava

Im Alter nehmen viele Körperfunktionen ab. Ohne gute Pflege büßen auch unsere Gelenke einiges an Beweglichkeit ein und können gar für Schmerzen sorgen. Wie kann man dem Vorbeugen?

Esslingen - Ob beim Gehen, beim Umsehen oder beim Tippen auf einer Tastatur: Unsere Gelenke brauchen wir ständig. Zu schätzen lernt man all die Handlungsmöglichkeiten, die sie einem bieten, jedoch oft erst, wenn die Gelenke durch Beschwerden eingeschränkt sind. „Wir haben an den verschiedensten Stellen im Körper Gelenke“, sagt Ulrike Wortha-Weiß, Leitende Oberärztin für Geriatrie am Klinikum Esslingen. „Gerade Hüfte, Knie und Fußgelenke sind für die alltägliche Fortbewegung essenziell, aber auch einer extremen Belastung ausgesetzt.“ Mit zunehmendem Alter geht diese Belastung häufig mit Verschleiß und dadurch entstehenden Schmerzen einher.

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Grundsätzlich besteht ein Gelenk aus mehreren Komponenten und dient dazu, zwei Knochen beweglich zu verbinden. Stabilisiert werden Gelenke von den Bändern, diese spannen sich über den Spalt zwischen den Knochenenden. Mit der Gelenkinnenhaut bilden sie so einen mit Flüssigkeit gefüllten Zwischenraum, die Kapsel. Das Schmiermittel darin verhindert, dass die stoßdämpfenden Knorpel an den Endpunkten der Knochen direkt aufeinander reiben und versorgt diese zugleich mit Nährstoffen.

Eine Disziplin mit tausend Einzelfällen

„Im Alter lassen viele Körperfunktionen nach“, erklärt Wortha-Weiß. Beispielsweise die Sehkraft und das Gehör. Aber auch die Muskelmasse nimmt ab. Bei dieser beginnt der Schwund schon etwa ab dem 30. Lebensjahr. „Aber pauschal kann man das natürlich nicht sagen“, relativiert die Spezialistin für Altersmedizin, „mit das Spannendste an der Geriatrie ist, dass jeder Patient mit seinen verschiedenen Gebrechen einzigartig ist.“ Dazu zählt auch, dass Alterungsprozesse unterschiedlich schnell ablaufen. „Zudem kann man gerade dem Muskelschwund oder auch Einbußen bei der Beweglichkeit mit gezieltem Training gut entgegenwirken.“ Wichtig sei es dabei, schonende Sportarten wie Schwimmen oder moderates Krafttraining auszuüben. „Viele unserer besonders alten Patienten waren in mittleren und jüngeren Jahren regelmäßig sportlich aktiv. Auf der anderen Seite gibt es auch immer die, die nichts gemacht haben, und trotzdem so alt geworden sind.“ In der Geriatrie kann man eben nichts verallgemeinern. Gerade diese Einzigartigkeit ist auch das, was Ulrike Wortha-Weiß an ihrem Spezial­gebiet so in den Bann gezogen hat. „Es gibt in der Altersmedizin einen Querschnitt aus allen Fachbereichen, ob es um Herzschwäche, einen Schlaganfall oder den Klassiker Oberschenkelhalsfraktur geht.“

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Dazu komme, dass Patienten in gehobenem Alter fast immer an Multimorbidität, also einer Vielzahl an Krankheiten, leiden. Somit müsse man bei jeder Behandlung nicht nur auf das aktuelle Leiden, beispielsweise einen Oberschenkelhalsbruch achten, sondern stets auch bereits vorhandene Krankheitsbilder wie Diabetes oder eine Herzschwäche im Auge behalten. Auch bei der altersbedingten Abnutzung von Gelenken spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle: Wenn ein Gelenk durch eine Entzündung oder einen Sturz ­geschädigt ist und schmerzt, wird es ­geschont. Dadurch kann die Abnutzung an anderen Stellen durch Fehlbelastung verstärkt werden, bis eine schmerzhafte Arthrose entsteht.

Wie entsteht eine Arthrose?

Dieser Begriff beschreibt die Abnutzung der schützenden Knorpelschicht im Gelenk. Da diese nicht wiederhergestellt werden kann, nutzt sie sich nach und nach ab, bis die Knochen aufeinander reiben. Extreme Schmerzen sind die Folge, gleichzeitig aber erst der Anfang einer Negativspirale: „Wenn ich weiß, welche Bewegung mir Schmerzen bereitet, vermeide ich diese. Dadurch gehen jedoch auch die betroffenen Muskeln zurück, wodurch wiederum die Sturzgefahr steigt, wenn die Beine betroffen sind“, erklärt Wortha-Weiß. Und tatsächlich sind die Gelenke, die täglich das gesamte Körpergewicht tragen, besonders häufig von Arthrose betroffen. Doch auch an anderen Stellen des Körpers treten altersbedingte Veränderungen auf. So kann laut Wortha-Weiß eine im Alter übliche Abnahme der Bandscheibenhöhe neben verringerter Beweglichkeit auch zu Durchblutungsstörungen und damit verbundenen Schwindelerscheinungen führen, diese stellen wiederum ein Sturzrisiko dar.

Früher an später denken

„Ein großes Problem der Medizin ist, dass sie meistens erst dann eingreift, wenn es Probleme gibt. Meiner Meinung nach müsste die Prävention im Gesundheitssystem generell stärker verankert sein“, fordert Wortha-Weiß. Eine Bewusstseinslehre solle am besten schon Teil der Schulischen Ausbildung sein, so die Forderung. Schon in jungen Jahren müsse das Bewusstsein für Ernährung besser verankert werden. Gerade bei Arthrose ist lediglich eine Therapie möglich, eine Heilung gibt es nicht. Die Schmerzen können medikamentös bekämpft werden, in fortgeschrittenen Fällen ist ein künstlicher Gelenkersatz möglich, muss jedoch per Operation eingesetzt werden. Dabei ist bei betagten Patienten wichtig, dass die betroffene Stelle nach der Operation belastbar ist.

Daher ist es am besten, die Alterserscheinung Arthrose so lange wie möglich herauszuzögern. Dabei ist laut der Spezialistin das A und O, dass man in Bewegung bleibe und so natürlichen Alterungsprozessen entgegenzuwirken. „Alt werden wir alle. Und das wissen wir auch.“ Und ein bisschen öfter sollten wir im Alltag auch daran denken.

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Geriatrie
Die Geriatrie ist eine Zusatzbezeichnung in der inneren Medizin. Häufig erwerben Internisten, Allgemeinmediziner oder Neurologen diese Zusatzqualifikation.

Künstliche Gelenke
Den am besten funktionierenden künstlichen Gelenkersatz gibt es für Hüft- und Kniegelenke. Auch ein Ersatz des Sprung oder Schultergelenks ist mittlerweile gut möglich, geht jedoch meist mit Einschränkungen der Bewegungsfreiheit einher.