Beachvolleyballer Jörg Ahmann hätte der Austragungsort vor Monrepos gefallen. Foto: Peter-Michael Petsch

Keine Olympia in Stuttgart. Deshalb gibt es auch kein Beachvolleyball am Schloss Monrepos in Ludwigsburg.

Ludwigsburg - Also dafür hätte man mit Olympia nicht nach London müssen: Das bisschen Regen hätten wir auch noch hinbekommen. Zumindest am vergangenen Montag, dem Tag des Viertelfinales, an dem das deutsche Duo Julius Brink und Jonas Reckermann gegen die Brasilianer Pedro Cunha und Ricardo Santos spielen – und gewinnen, regnet es munter vor sich hin in Ludwigsburg. Die Regentropfen fallen schwer wie Bleikügelchen in den kleinen See vor Schloss Monrepos. Wie beim Bleigießen an Silvester. Nur dass die nahe Zukunft des Ortes bereits bekannt ist: Das Beachvolleyball-Finale an diesem Donnerstag wird nicht vor der Kulisse des Seeschlosses ausgetragen. Sondern auf dem Horse Guard Parade im Zentrum Londons. 5000 Tonnen Sand wurden zu diesem Zweck aus der Grafschaft Surrey auf den Platz gebracht.

Vor dem Schloss Monrepos liegt derweil nur Entenkacke. Kein Wunder, tummeln sich doch auch nur Enten und Schwäne beim Lustschlösschen. Kein Beachvolleyballfan weit und breit. Die sind alle in London. Doch, siehe da, ein Beachvolleyballpionier steht auf der Rasenfläche vor dem Schloss, auf der eines der beiden temporären Stadien hätte erbaut werden sollen. Jörg Ahmann, der zusammen mit seinem Partner Axel Hager das erfolgreichste deutsche Männer-Duo bildete und heute als Bundestrainer die Athleten des B-Kaders trainiert, blickt sich um und sagt: „Das wäre sehr schön gewesen, wenn das Turnier hier stattgefunden hätte.“

Und das aus dem Mund von einem, der bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Bronze geholt hatte – als erster deutscher Beachvolleyballer überhaupt. Damals spielte Ahmann mit seinem Partner am Bondi-Beach, einem der berühmtesten Strände Australiens. Daneben ist der kleine See doch ein entengrütziger Tümpel. „Nein, das ist sehr schön hier – und das Ambiente ist genial“, sagt der 46-Jährige. Viel besser als etwa in Atlanta 1996. Das waren Ahmanns erste Spiele. „Aber da hat die Atmosphäre nicht gestimmt, und die ist am wichtigsten.“

„Ab einer bestimmten Temperatur dürfen die Beachvolleyballspieler inzwischen ja auch langärmelig spielen“

Die Deutschen seien so sportbegeistert, dass sich Ahmann sicher ist, dass die Spiele ein großer Erfolg geworden wären – zumal „den Deutschen im Organisieren niemand so leicht etwas vormacht“. Und vielleicht wäre am kleinen See am Schloss Monrepos sogar die Sonne rot leuchtend im See untergegangen, statt dass, wie in Atlanta, nur das Logo des Hauptsponsors Coca-Cola rot erstrahlte.

Wenn es nicht gerade regnete. Denn Regen hat – wie gesagt – auch Ludwigsburg zu bieten. Wider Erwarten ist ein Beachvolleyballspieler aber gar nicht gram, wenn der Sand nass wird, denn „dann wird er härter, und man kann leichter springen“, so Ahmann. Dass sei allemal besser, als – wie er es auch schon erlebt hat – sich bei einer Sandtemperatur von 60 Grad Celsius die Fußsohlen zu verbrennen. Bei den Temperaturen hätten wir generell punkten können, ist’s hier doch wärmer als in London, so dass die Spieler eventuell auf ihre Funktionswäsche hätten verzichten können. „Ab einer bestimmten Temperatur dürfen die Beachvolleyballspieler inzwischen ja auch langärmelig spielen“, sagt Ahmann. Das sähe aber nicht so gut aus. Kann das ein Kriterium sein? „Nun, alle Sportarten haben ihr Trikot, bei uns sind das nun eben Bikinis und Shorts“, so Ahmann.

Mit der Ruhe, die im Namen des Schlösschens steckt (Monrepos bedeutet so viel wie „meine Ruhe“), wäre es allerdings nicht mehr weit her gewesen. Aber vielleicht wäre bei einem Sieg von Brink und Reckermann – sie spielen an diesem Donnerstag im Finale – das Schloss sowieso umbenannt worden, schließlich erhielt Ahmann und Hager zu Ehren das Beachvolleyballstadion in Timmendorfer Strand, in dem jährlich die deutschen Meisterschaften stattfinden, den Namen Ahmann-Hager-Arena.

Heute um 22 Uhr ist das Finale der Herren im Beachvolleyball. Es spielen Brink und Reckermann gegen Emanuel Rego und Alison Cerutti aus Brasilien.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: