Der grüne Tübinger OB Boris Palmer provoziert mit seinem Buch „Wir können nicht allen helfen“. Foto: dpa

Ein kleiner grüner Ortsverein muss die geplante Diskussion zwischen dem Tübinger OB Boris Palmer und seinem Kritiker Rupert Kubon – OB von Villingen-Schwenningen – streichen. Das Risiko ist zu groß.

Ehningen - Links das Pflegeheim, rechts der Kindergarten. Dazwischen liegt in Ehningen (Kreis Böblingen) die Begegnungsstätte im Bühl. Der Ort soll der Kommunikation dienen. Doch am 26. Oktober klappt das nicht wie erhofft. Denn da liest der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf Einladung des Grünen-Ortsvereins aus seinem Buch „Wir können nicht allen helfen“ – wegen der darin formulierten Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik in rechtspopulistischen Kreisen längst ein Klassiker.

Palmers grüne Parteifreunde mögen es weniger, und so kam die Ortsvereinsvorsitzende Daniela Toscano auf eine reizvolle Idee. Zu einer anschließenden Diskussionsrunde wollte sie Villingen-Schwenningens OB Rupert Kubon hinzubitten. In der Flüchtlingsfrage vertritt der SPD-Mann aus dem Schwarzwald die komplette Gegenposition. Wo Palmer ruft, „wir schaffen es nicht“, erklärt Kubon, man sei doch längst dabei. Wo Palmer eine Flüchtlingskrise wittert, sieht Kubon nur eine Herausforderung. Wo Palmer die Grenzen der Belastbarkeit feststellt, findet Kubon, dass es darum im Angesicht der Zahlen gar nicht gehe. „Die Frage ist doch: Wie gehen wir mit denen um, die zu uns kommen?“, erklärte er jüngst in einem StZ-Interview. Der eigentliche Skandal sei der Krieg, der gegen Menschen geführt werde, die im Mittelmeer ertrinken.

Heftige Drohungen gegen Kubon

Doch das Streitgespräch muss ausfallen – aus Sicherheitsgründen. Wenn sich die beiden Oberbürgermeister verbal die Köpfe einschlügen, könnten dadurch Besucher angelockt werden, die selbiges nicht nur im übertragenen Sinn vorhätten, begründet Toscano den Rückzieher. Auch die Polizei habe ihr geraten, Bodyguards zu engagieren. Für einen Saalschutz fehlt dem 15 Mitglieder umfassenden Ortsverein aber das Budget.

Tatsächlich hatte Kubon nach seinem StZ-Interview, das auf rechtspopulistischen Blogs vielfach geteilt wurde, einen heftigen Shitstorm geerntet. Er sei ein Volksverräter, Dummschwätzer, SPD-Verbrecher und gehöre auf die Streckbank. Einer droht gar, es sei besser, wenn Kubon ihm nicht nachts begegne. Fast 200 solcher Mails seien ihm zugegangen. Dennoch lasse er sich nicht einschüchtern, sagt Kubon. Es sei aber schade, dass heutzutage Sicherheitsbedenken eine Debatte verhinderten.

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