Seit Ende August 2019 ist Dirk Schuster Trainer des FC Erzgebirge Aue – nun trifft er auf den VfB Stuttgart. Foto: dpa/Robert Michael

Dirk Schuster war Spieler beim Karlsruher SC und Trainer der Stuttgarter Kickers. Nun trifft er als Coach des FC Erzgebirge Aue auf den VfB Stuttgart. Und erinnert sich im Interview an ein ganz besonderes Duell.

Stuttgart - Er war – unter anderem – Spieler beim Karlsruher SC und Trainer bei den Stuttgarter Kickers. Am Samstag (13 Uhr/Liveticker) kommt Dirk Schuster als Coach des FC Erzgebirge Aue zum Duell mit dem VfB Stuttgart. Davor hat er einige Veränderungen beim Aufstiegsfavoriten festgestellt – und sich an ein legendäres Match erinnert.

 

Herr Schuster, gibt es noch Ihre Angewohnheit, am Morgen vor den Spielen Ihrer Mannschaft ausgiebig zu joggen?

Ja, mein Trainerteam und ich gehen nach wie vor laufen – auch, um noch einmal unsere Gedanken zur bevorstehenden Partie auszutauschen.

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Die Laufstrecken in Stuttgart dürften Ihnen dann ja bekannt sein – Sie waren lange Trainer der Stuttgarter Kickers und auch mit Darmstadt 98 beim VfB zu Gast.

Stimmt, aber diesmal gibt es ein kleines Problem.

Welches?

Vor Spielen in Stuttgart haben wir bislang immer in einem Hotel in Filderstadt oder in der City gewohnt. Wir sind dann immer zum Flughafen und wieder zurück gelaufen.

Hauptwohnsitz in Karlsruhe

Den Flughafen gibt’s noch.

Ja, aber wir wohnen in diesem Jahr in einem Hotel außerhalb von Stuttgart. Da muss es eine neue Strecke sein. Aber mein Co-Trainer wird sich schon was einfallen lassen.

Durch den Trainer-Job bei den Kickers und Ihrer Zeit als Spieler beim Karlsruher SC – sind Duelle mit dem VfB für Sie etwas Besonderes?

Dazu kommt: Meinen Hauptwohnsitz habe ich übrigens seit 1990 und nach wie vor in Baden, in Karlsruhe.

Eben. Also?

Ehrlich gesagt, ergibt sich für mich daraus keine besondere persönliche Brisanz. Wir treffen mit dem FC Erzgebirge Aue am Samstag vor allem auf das beste Team der zweiten Liga – gespickt mit früheren und aktuellen Nationalspielern. Das ist eine riesengroße Herausforderung für uns. Die gehen wir an, meine persönliche Vergangenheit spielt da keine Rolle – außer, dass ich in Stuttgart sicher den einen oder anderen alten Bekannten treffen werde.

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Sie loben die Qualität des VfB – dabei liegt Ihr Team gar nicht weit hinter den Stuttgartern.

Weshalb wir aber nicht anfangen zu träumen. Wir haben keine Flausen im Kopf und bleiben geerdet. Für uns in Aue geht es nach wie vor darum, dass sich der Verein langfristig in der zweiten Liga etabliert. Das allein ist das Ziel – auch in dieser Saison, die bislang gut läuft. Wir wollen schnell die nötigen Punkte, um den Klassenverbleib zu sichern und auch in der nächsten Saison Zweitligafußball in Aue anbieten zu können.

Das Ziel der Sachsen: den VfB ärgern

Wie wollen Sie das schaffen? Und wie gehen Sie die Partie gegen den VfB an?

Am Samstag heißt es für uns: Warnweste an, Schutzhelm auf – und den VfB irgendwie zum Stehen zu bekommen. Die Stuttgarter werden uns mit all ihrer Qualität alles abverlangen. Wir brauchen, wie zuletzt beim 0:0 gegen Arminia Bielefeld, eine gute defensive Ausrichtung, müssen kompakt stehen, aber auch Lösungen im Spiel nach vorne haben. Wir wollen auch zum Abschluss kommen, Tore erzielen, den VfB ärgern – und eine Überraschung schaffen. Wir wollen nicht nur ein netter Gast sein.

Beim 0:0 im Hinspiel waren Sie noch nicht FC-Trainer – haben Sie dennoch Erkenntnisse daraus ziehen können?

Wir sind drei Tage nach dieser Partie beim FC Erzgebirge eingestiegen und haben die Partie natürlich noch zu Analysezwecken genutzt. Deshalb hilft uns das jetzt schon. Andererseits spielt der VfB ja mittlerweile auch anders.

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Welche Unterschiede haben Sie festgestellt?

Die Restfeldabsicherung bei eigenem Ballbesitz ist nicht mehr so sorglos wie noch in der Hinrunde. Das Ganze wirkt mit Blick auf die taktische Ordnung disziplinierter und strukturierter. Der VfB versucht jetzt, seine Stärken auf den Platz zu bringen und agiert nicht mehr so wild offensiv.

Überrascht es Sie eigentlich, dass der VfB nicht souverän einen der beiden direkten Aufstiegsränge belegt?

Ja, schon ein wenig. Die enorme Qualität der Mannschaft habe ich ja bereits erwähnt, da sehe ich mindestens 15 Erstligaspieler. Dazu kommen die Infrastruktur sowie die zwar emotionalen, aber auch fantastischen Fans. Ich hatte damit gerechnet, dass der VfB souveräner vorne steht. Aber so, wie sie jetzt spielen, denke ich, dass sich das bald regulieren wird. Wenn der VfB ins Rollen kommt, ist er sehr schwer zu verteidigen.

Schuster rechnet mit Dreikampf

Neben Ihrem Team liegen hinter dem VfB, dem Hamburger SV und Arminia Bielefeld mehrere eher kleine Vereine in Lauerstellung. Der 1. FC Heidenheim, die SpVgg Greuther Fürth oder der SSV Jahn Regensburg. Kann eines dieser Teams noch ganz vorne reinstoßen?

Zunächst einmal muss man den Hut ziehen vor all diesen Mannschaften. Sie machen allesamt einen wirklich tollen Job und viel aus ihren Möglichkeiten. Nehmen Sie die Heidenheimer, die haben einfach über Jahre eine tolle Entwicklung hingelegt. Dennoch glaube ich, dass es ein Dreikampf um den Aufstieg bleiben wird.

Sie selbst haben als Trainer von Darmstadt 98 schon gezeigt, dass man als Underdog zum Aufstieg marschieren kann.

Aber die aktuelle Situation ist nicht vergleichbar mit damals.

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Warum?

Weil der VfB und der HSV ja nicht die einzigen Schwergewichte in der zweiten Liga sind. Es gibt Hannover 96, es gibt den 1. FC Nürnberg, auch den FC St. Pauli, Arminia Bielefeld und der 1. FC Heidenheim. Damals mit Darmstadt 98 waren es andere Gegner und andere Ergebnisse. Aktuell geht es für uns nur darum, möglichst viele Punkte zu holen. Und dann schauen wir, was dabei rauskommt. Den Aufstieg machen aber andere Teams untereinander raus.

Erinnerungen an einen besonderen Sieg

Dirk Schuster und der FC Erzgebirge – passt die Verbindung?

Absolut, allein schon deshalb, weil ich 30 Kilometer von Aue entfernt in Chemnitz aufgewachsen bin. Meine Eltern und meine Schwester wohnen immer noch in der Nähe. Auch im Club ist alles etwas familiärer als anderswo, nicht umsonst sind wir der „Kumpelverein“. Gemeinsam wollen wir die Voraussetzungen für dauerhaften Zweitligafußball noch Stück für Stück verbessern. Dass wir das bisher schon anbieten können ist nicht selbstverständlich in einer Stadt der Größenordnung wie Aue-Bad Schlema mit rund 21 000 Einwohnern. Das ist eine riesige Leistung.

Zurück zum VfB: Erinnern Sie sich noch an den 21. April 1995?

Ein wenig, die Erinnerung ist aber schon ziemlich verblasst.

Als Abwehrspieler des KSC haben Sie 3:1 gegen den VfB gewonnen.

Stimmt, aber man muss dazusagen: Das war im Wildparkstadion. In Stuttgart hat der KSC schließlich seit Ewigkeiten nichts mehr geholt.

Heiko Bonan, Thorsten Fink und Thomas Häßler haben für Karlsruhe getroffen, Giovane Elber war der Torschütze für den VfB. Und die KSC-Abwehr war durchaus keine Freude für gegnerische Stürmer.

(Lacht) Ja, wir waren eher von der Backsteinstoßerfraktion.

Mit Ihnen, Gunther Metz, Slawen Bilic, Michael Tarnat und Michael Wittwer.

(Schmunzelt) Genau. Es konnte sein, dass es da ab und zu mal etwas weh tat.