Die Sperrung der Kreisstraße zwischen Aidlingen und Grafenau während der Amphibienwanderung löst regelmäßig Frust aus. Für dieses Jahr ist das Thema wohl durch – das Problem bleibt aber bestehen.
Alle Jahre wieder . . . jagt die Amphibienschranke zwischen Aidlingen und Grafenau Autofahrern die Zornesröte ins Gesicht. Seit 2013 sorgt eine Absperrung dafür, dass Kröten und andere Tiere sicher die Straße überqueren und ehrenamtliche Helfer sie ohne Gefahr für ihr eigenes Leben aufsammeln können.
Anders als beispielsweise zwischen Schafhausen und Weil der Stadt ist es auf der hügeligen und schmalen Strecke mit steilen Böschungen an den Seiten sehr schwierig, Amphibienzäune oder eine Untertunnelung einzusetzen. Seit mehr als 50 Jahren warten die Menschen in Aidlingen und Grafenau darauf, dass sich an diesem Zustand etwas ändert. „Der Ausbau der Kreisstraße ist weiterhin ein wichtiges Anliegen des Landkreises“, betont man im Böblinger Landratsamt, verweist zugleich aber auf „erhebliche naturschutzrechtliche Anforderungen“, die den Planungs- und Genehmigungsprozess beeinflussen würden.
Ausbau der Kreisstraße hängt an der Suche nach Ausgleichsflächen
„Zentraler Engpass bleibt die Suche nach geeigneten Ausgleichsflächen“, informierte Landrat Roland Bernhard Anfang März über den aktuellen Planungsstand. Ohne naturschutzrechtliche Kompensation könne das Planfeststellungsverfahren nicht rechtssicher eingeleitet werden. Das verzögere alle anderen Verfahrensschritte. In den kommenden Monaten wolle man „die Suche intensivieren und gemeinsam mit den Gemeinden alle möglichen Optionen prüfen“, so Landrat Bernhard. Selbst im günstigsten Fall würden bis zum einem möglichen Baubeginn allerdings noch mindestens vier Jahre vergehen.
Also setzt der Landkreis weiterhin auf nächtliche Sperrungen. In der Vergangenheit hatte man an den Ortsrändern von Dätzingen und Lehenweiler fest installierte Schranken eingesetzt. Uneinsichtige Autofahrer hatten jedoch die Schlagbäume beschädigt oder abgerissen. Mittlerweile arbeitet das Landratsamt deshalb mit mobilen Sperrschranken und setzt zur Absicherung einen Sicherheitsdienst für 15 000 Euro im Jahr ein. „Das wurde seit dem Defekt der Schranke im Vorjahr begonnen, weil es insgesamt wirtschaftlicher ist, als die Schranke warten beziehungsweise reparieren zu müssen“, erklärt eine Landkreissprecherin.
„Keine besonderen Vorkommnisse“
Im Vorjahr hatten die Sicherheitsleute von Anfeindungen und aggressivem Verhalten einiger Autofahrer berichtet. In diesem Jahr habe es dagegen laut Landratsamt „keine wirklich nennenswerten, besonderen Vorkommnisse“ gegeben. Ein Team von Ehrenamtlichen überwache die Krötenwanderung auf dem Streckenabschnitt aufwärts nach Lehenweiler, auf der unterhalb verlaufenden Kreisstraße fahre ein Helfer die Strecke regelmäßig mit dem Fahrrad ab.
Die Amphibien brauchen für ihre Hochzeitsreise eine feuchte und ausreichend milde Witterung. Das war bisher selten der Fall, außer in ein paar Nächten Mitte März. Die Hauptwanderzeit ist laut ehrenamtlichen Helfern wohl vorbei. Für eine abschließende Bilanz ist es noch zu früh. Nach bisher vorliegenden Rückmeldungen zeichnet sich laut der Landkreissprecherin aber ab, dass die Anzahl der Amphibien insgesamt, vor allem aber die der Erdkröten weiter abnehme.
Positive Entwicklung rund um Ehningen und Gärtringen
In ihrem Einsatzgebiet rund um Ehningen und Gärtringen macht die ehrenamtliche Amphibienretterin Claudia Stotz eine gegensätzliche Beobachtung. „Bei uns sind es eher mehr wanderende Tiere dieses Jahr“, berichtet sie von zahlreichen Erdkröten und Molchen sowie einigen Wechselkröten und sogar Laubfröschen, die man bisher eingesammelt habe.
Abgesehen von einem „Froschregen“ vor ein paar Jahren – gemeint ist eine Massenwanderung daumennagelgroßer Jungtiere, die jetzt geschlechtsreif sind – dürfte dies mit den optimierten Bedingungen rund um Krebsbachaue und Ehninger Ketterlenshalde zusammenhängen. Eigens angelegte Waldteiche und andere so genannte Vernässungen bieten den Tieren dort ideale Laichplätze.