Aidlingen bekommt ein neues Gemeinde-Logo. Ein Jurist will das nicht hinnehmen. Er droht mit einer Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeisterin Österle.
Auf Bechern, Briefpapier oder der Homepage – die Gemeinde Aidlingen bekommt ein neues Logo. Dies beschloss mit großer Mehrheit am vergangenen Donnerstagabend der Aidlinger Gemeinderat. „Aidlingen – wo Natur lebt“, so der Schriftzug auf dem Signet, das Stück für Stück bei ohnehin anstehenden Dingen umgesetzt und ausgetauscht werden soll.
Die Kosten belaufen sich auf einmalig 3000 Euro. „Es fallen keine weiteren Lizenzgebühren oder Folgekosten zusätzlich an“, unterstrich Bürgermeisterin Helena Österle (CDU). Die einzige öffentlich geäußerte Kritik im Gremium kam von Hans Jekel. „Es gefällt mir nicht“, so der Mann aus den Reihen der Freien Wähler und außerdem sehe er keine sachliche Notwendigkeit zur Einführung eines neuen Logos.
Zur Optik des neuen Logos ebenso wie zum Entscheidungsprozess (Bürgermeisterin Österle und einige Verwaltungsmitglieder hatten im vergangenen Sommer als Jury fungiert) regte sich heftige Kritik in den sozialen Netzwerken. Ein Rechtsanwalt aus dem Aidlinger Ortsteil Deufringen droht sogar mit einer Rechtsaufsichtsbehörde gegen Bürgermeisterin Österle.
Rechtsanwalt wirft Österle einen „gesetzeswidrigen Alleingang“ vor
In seitenlangen Anwaltsschreiben, die auch dieser Redaktion vorliegen, wirft er der Rathauschefin einen „gesetzeswidrigen Alleingang“ vor und drohte schon im Vorfeld zu der Sitzung juristische Schritte an, weil der Gemeinderatsbeschluss seiner Ansicht nach „nicht gesetzesmäßig und rechtlich unwirksam“ sei. In der Sitzung am Donnerstag schenkte man aber weder den Anfeindungen auf Facebook noch den Klageandrohungen des Rechtsanwalts weitere Beachtung.
„Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe“, freute sich Helena Österle über das positive Gemeinderatsvotum, nachdem vorher auch schon der Verwaltungsausschuss zugestimmt hatte. Als Erstes sollen ohnehin ausgegangene „Give Aways“ wie Becher mit dem neuen Logo angeschafft werden. „Auch Briefpapier müssen wir ohnehin neu machen“, erklärte die Bürgermeisterin vor dem Hintergrund, dass dort im Kopf „Bürgermeister“ stehe. „Ich bin Bürgermeisterin“, stellte sie klar.
Visitenkarten nannte sie ebenfalls. Dienstkleidung mit dem neuen Logo gibt es dagegen nur, wenn ohnehin ausgetauscht wird. Und eine Neubürgerbroschüre im neuen Erscheinungsbild frühestens 2027. „Neue Dinge machen nur Sinn mit dem neuen Logo“, sagt Bürgermeisterin Österle, die mit diesem Projekt dem Vorbild ihrer Amtsvorgänger folgt. Auch die hatten der Gemeinde nach Antritt ihrer Amtszeit jeweils eine neue Außenwirkung angedeihen lassen.
CDU-Rat Schaub zeigt sich „geschockt“ über die angeheizte Debatte
Der CDU-Rat und Allgemeinarzt Malte Schaub findet das nachvollziehbar. In einem persönliches Protokoll, das er zu der Sitzung verfasst und unter anderem an diese Zeitung versandt hat, geht er auf die Aufwallungen rund um das Logo ein. „Ich habe keine Ahnung für wen sie sprechen“, bezieht er sich auf zwei Bürger, die eine Vielzahl an Mail und Stellungnahmen an Gemeinderat und Verwaltung geschickt hätten. Aus seinen regelmäßigen Gesprächen mit der Bürgerschaft könne er nicht bestätigen, dass das Logo eine Mehrzahl der Aidlinger beschäftige.
„Was mich persönlich wirklich schockiert, ist die Art und Weise wie in sozialen Medien und in persönlichen Gesprächen über ein solches Thema diskutiert und gesprochen wird“, schreibt Schaub. Es gebe wirklich wichtigere Themen, findet und appelliert „für ein wenig mehr Anstand in der Diskussion“. Das neue Logo sei schlicht und modern – er könne damit leben, erklärt er. Nun hoffe er, dass sich die Wogen bald glätten und man auf einen Rechtsstreit verzichten könne.