Die Problemzonen in der Stadt:
1 – Berliner Platz: Vor allem freitags ein Magnet für die Partyszene – aber auch für gewaltbereite Jugendgruppen aus den Vororten. Schlägereien, Drogendelikte.
2 – Rotebühlplatz: Mit der Nähe zur Theodor-Heuss-Straße immer wieder Schauplatz von Überfällen unter Jugendlichen.
3 – Hirschbuckel: Anlaufstelle für Vorglüher, die mit preisgünstigem Alkohol anfangen, ehe es in die teuren Szenelokale geht.
4 – Eberhard-/Breite/Steinstraße: Hier gibt es zu vorgerückter Stunde stets aggressive Stimmung, auch gegen die Polizei.
5 – König-/Bolzstraße: Viele Polizisten halten hier eine Dauerpräsenz für nötig.
6 – Theaterpassage: Treff der Punks und Emos. Polizei: Auffällig, „aber harmlos“.
7 – Hauptbahnhof/Klett-Passage: Gelegentliche Überfälle, zuletzt am 21. Mai dieses Jahres. Foto: StN-Grafik: Lange

Frage nach befristeten Alkoholverboten wird wieder laut nach Großeinsatz in der Innenstadt.

Stuttgart - Fünf Opfer, zehn Tatverdächtige, eine Handvoll Körperverletzungen, Bedrohungen, ein Raubüberfall: Es ging vergleichsweise ruhig zu in der Innenstadt, als die Polizei mit städtischen Behörden, Zoll und Steuerfahndung am Wochenende zum Großeinsatz anrückte. Die Stadt gilt als Brennpunkt. Die Kriminalitätsbelastung in Stuttgart-Mitte ist sechsmal höher als in Bad Cannstatt – und sogar 13-mal höher als in Möhringen. Doch die Polizei, befreit von den Stuttgart-21-Einsätzen, will nun wieder stärker eingreifen. „Man muss den Druck aufrechterhalten“, sagt Polizeisprecher Olef Petersen, „auch mit regelmäßigen kleineren Aktionen.“ Wir analysieren die Sicherheitslage.

Wie sieht eine typische Straftat in der Innenstadt aus?
In der Nacht zum Sonntag, dem Tag des Großeinsatzes, wurde ein 16-Jähriger um 1.20 Uhr von einem etwa 20-jährigen Duo in der Königstraße beraubt. Dessen Beute: Handy und Geldbörse. Dazu gab es einige Schlägereien in der Theodor-Heuss- und Breiten Straße sowie in der U-Haltestelle Rathaus. Körperverletzungen und Straßenraub – die Innenstadt ist Schauplatz von Gewalt und Aggressionen.

Wer sind die Täter?
Zumeist junge Leute mit reichlich Alkoholkonsum und Migrationshintergrund. Am Sonntag mal ein 19-Jähriger, der mit einer abgebrochenen Flasche droht, mal ein türkisch-italienisch-deutsch-kosovarisches Quartett im Alter von 22 bis 35 Jahren, mal ein 26-jähriger Deutscher. Ein 20-jähriger Pole hatte 2,3 Promille, als er sich an der Stadtbahn-Haltestelle mit einem 20-jährigen Griechen prügelte.

Welche Rolle spielt der Alkohol?
Eine wesentliche. Eine 17-jährige Jugendliche, die bei einer Kontrolle Widerstand gegen Polizeibeamte leistete, hatte 1,66 Promille intus. Kontrollen im Juni zeigten: Von 120 alkoholisierten Nachtschwärmern waren 34 jünger als 18 Jahre. Bei dieser Stichprobe betrug der Anteil der Jugendlichen also 28 Prozent. Fünf minderjährige Testkäufer bekamen in der Nacht zum Sonntag Hochprozentiges verkauft. Bei den ersten Polizeiaktionen im Mai betrug der Anteil der Jugendlichen im Alkoholnebel 37,5 Prozent. Laut polizeilicher Kriminalstatistik spielt Alkohol bei ermittelten Jungtätern unter 21 eine wesentliche Rolle. Bei Raub knapp 47 Prozent, bei Straßenkriminalität allgemein über 40 Prozent.

Können sich Kino- und Theaterbesucher am Wochenende noch in die Stadt trauen?
Natürlich. Die Tatzeiten liegen in der Regel weit nach Mitternacht in den frühen Morgenstunden. Beispiel Theodor-Heuss-Straße: Die etwa 300 Vorkommnisse aller Art binnen eines halben Jahres spielten sich zumeist zwischen 2.30 und 4 Uhr morgens ab.

Aber was ist mit den 100 Punks und anderen Jugendgruppen, etwa den dunkel gekleideten Emos, in der Theaterpassage?
Die sind schon früh am Abend anwesend, „deshalb kann es sein, dass sie Theaterbesuchern unangenehm auffallen“, sagt Polizeisprecher Olef Petersen. Außer Müll und Beamtenbeleidigungen gebe es aus polizeilicher Sicht aber keine Probleme.

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