Auf dem Klinikpersonal laste zu viel Druck, findet Transparency International Deutschland. Foto: dpa

Transparency International Deutschland beklagt die Auswirkungen der neuen Gesetze zur Organspende auf Kliniken. Die Entscheidung, ob ein Kranker als Patient oder Organspender behandelt wird, solle nicht dem Klinikpersonal überlassen werden.

Berlin - Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland beklagt einen wachsenden Druck zur Organspende in deutschen Kliniken. Im Rahmen des am 1. April in Kraft getretenen Gesetzes zur Verbesserung der Abläufe in der Transplantationsmedizin werde das Klinikpersonal verpflichtet, alles dafür zu tun, um eine Organspende zu ermöglichen, erklärte das Vorstandsmitglied Wolfgang Wodarg am Mittwoch in Berlin. Ärzte und Pflegekräfte müssten aber zuallererst ihren Patienten verpflichtet sein.

Ausdrückliche Zustimmung muss vorliegen

„Nichts darf ohne oder gar gegen deren erklärten oder mutmaßlichen Willen geschehen. Entsprechende Versuche Dritter müssen zum Wohle der Patienten in jedem Fall abgelehnt und verhindert werden“, betonte Wodarg. Der Mediziner verwies etwa darauf, dass die Kliniken künftig den Transplantationsbeauftragten schon früh Zugang zu Patienten und deren Unterlagen eröffnen müssten.

„Das Klinikpersonal soll dabei mitwirken, dass in Zusammenarbeit mit der vom Gesetzgeber beauftragten privatrechtlichen Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) eine sehr belastende Hirntod-Diagnostik durchgeführt wird, auch wenn dazu keine ausdrückliche Zustimmung nach angemessener Aufklärung vorliegt“, kritisierte er.

Organspender oder Patient?

Der Gesetzgeber verlange vom Klinikpersonal die Entscheidung, ob ein ihrer Obhut anvertrauter Mensch als „Organspender“ oder als Patient behandelt werde, fügte er hinzu. „Das hält Transparency Deutschland für unzumutbar.“ Die Entscheidung zur Organspende müsse vom Gesetzgeber so geregelt werden, dass die Prinzipien ärztlichen und pflegerischen Handelns nicht zweitrangig würden. „Das Klinikpersonal darf hierbei nicht unter Druck gesetzt werden - auch nicht durch eine wachstumsorientierte Transplantationsbranche“, so Wodarg.

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