Die Lichtgrenze in Berlin ist zum Wort des Jahres 2014 gekürt worden Foto: dpa

"Lichtgrenze" löst „GroKo“ ab: Heute wurde das Wort des Jahres 2014 bekannt gegeben. Doch werden die gekürten Begriffe im Alltag überhaupt verwendet? Wir haben mit einem Sprachforscher gesprochen.

Stuttgart - „Irgendwas mit Fußball“ war ein heißer Tipp zum Wort des Jahres 2014. Mit „Götzseidank“, „müllern“ oder „Siegerflieger“ sind in Bezug auf die vergangene Fußball-Weltmeisterschaft gleich drei heiße Eisen im Feuer. Doch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden wählte einmal mehr ein politisches Wort: Lichtgrenze ist das Wort des Jahres 2014 - eine Anspielung auf die Lichtinstallation zum Jubiläum des Mauerfalls in Berlin. Konkurrenten gab es auch hier zur Genüge: „Neurussland“ oder „Maidan“ spielen auf den Konflikt in der Ukraine an und stehen ebenfalls hoch im Kurs.

Auch der „Streik-Pingpong“ zwischen Lufthansa und Lokführern ging damit leer aus. Die Qual der Wahl, eine Entscheidung aus etwa 2300 Vorschlägen zu treffen, hatte eine Fachjury aus Mitarbeitern der GfdS. In Österreich steht der „Siegerbegriff“ ebenfalls fest: Unsere Nachbarn einigten sich auf „situationselastisch“.

Zum 39. Mal wird das Wort des Jahres in Deutschland bereits gekürt. Aber werden die gewählten Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch überhaupt verwendet? „Das kommt immer darauf an, ob das Wort einen aktuellen Bezug besitzt“, sagt Sprachwissenschaftler Nils Bahlo von der Universität Münster. Einige Begriffe schaffen nie den Durchbruch und verschwinden in der Versenkung, während andere schon nach kurzer Zeit zum täglich Brot avancieren. Etwa die „Abwrackprämie“ (2009), eine Belohnung für Fahrzeughalter, die ihr älteres Auto verschrotten ließen und durch ein neues ersetzten, nimmt kaum jemand mehr in den Mund. Aktualitätsbezug: Fehlanzeige. Gleiches gilt unter anderem für den, „Stresstest“ (2011) und die „Rettungsroutine“ (2012).

Allerdings sind auch Gegenbeispiele schnell gefunden: Die Bezeichnungen „Teuro“ (2002) und „Hartz IV“ (2004) sind bis heute noch in aller Munde. „Durch die Wahl bekommt der Begriff einen Aufschwung und setzt sich im Gedächtnis der Masse fest“, weiß Bahlo. Unbewusst würde das Wort dann im Alltag gebraucht, vorausgesetzt die Bezeichnung beziehe sich auf ein präsentes Thema.

Die GfdS hat für ihre Wahl Richtlinien festgelegt: Die Worte und Wendungen sollen für ein Jahr typisch sein, einprägsam und sprachlich interessant. Ausdrücklich kommt es nicht darauf an, wie häufig ein Wort verwendet wird.

Ginge es nach Bahlo, würde der Jugendausdruck „Gönn dir!“, eine Bezeichnung für „Viel Spaß“, auf dem Platz an der Sonne landen. „Es wird Zeit, dass auch einmal ein solcher Begriff als Wort des Jahres ausgezeichnet wird“, sagt der Sprachwissenschaftler. Das Jugendwort 2014 hat eine Jury des Langenscheidt-Verlags bereits vor wenigen Wochen gekürt. Hier setzte sich „Läuft bei dir“ durch, ein Synonym für „cool“ oder „krass“. „Gönn dir!“ landete immerhin auf dem zweiten Rang. „Das habe ich unter Jugendlichen schon oft gehört“, sagt Bahlo.

Ebenfalls von einer Jury wird auch seit 1991 das Unwort des Jahres bestimmt. Ziel dabei ist es, mit jedem gekürten Wort, eine zynische sprachliche Entgleisung zu kritisieren. Der Sieger aus 2014 wird im Januar von einer unabhängigen Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten bestimmt. Einer der Vorschläge: „Putin-Versteher.“ Die Aktion „ Satz des Jahres“ hingegen wird privat durchgeführt. Auch dafür dürften einige Aussagen der Fußball-Weltmeisterschaft in Frage kommen.

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