Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist das zweitgrößte staatliche Gymnasium in Stuttgart. Foto: Caroline Holowiecki

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium wird erneuert, die Stadt nennt Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Andere Projekte wurden aufgeschoben. Sind Stuttgarts Schulbauten zu teuer?

Zum 50. Geburtstag gibt es ein Facelift. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) in Sillenbuch wird umgebaut. Derzeit lernen im zweitgrößten staatlichen Gymnasium in Stuttgart gut 900 junge Menschen, langfristig soll der Unterricht aber fünfzügig laufen, dadurch und durch die Rückkehr zu G9 könnten es bis zu 1200 Schulkinder werden. Daher wird das Haus bis 2033 umfassend erneuert.

 

Teils wird im Bestand saniert, teils abgerissen und neu gebaut. Doch die Kosten lassen vielen Menschen den Atem stocken. Die Stadt rechnet bei Fertigstellung 2033 mit 186,75 Millionen Euro. Darin enthalten ist eine Prognose für die Baupreisentwicklung über 32,9 Millionen Euro. Tatsächlich hat das Mega-Projekt schon jetzt eine Mega-Preissteigerung hinter sich. Der Siegerentwurf war Ende 2021 gekürt worden, seinerzeit hatte die Stadt von einen Kostenrahmen von 75,5 bis 80,5 Millionen Euro gesprochen.

Corona, Ukraine-Krieg und Inflation wirken sich aus

Die Visualisierung zeigt, wie das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch nach dem Umbau aussehen soll. Foto: Architekten ARGE GSG Sillenbuch/Bild: © schürmann + schürmann architekten

Heute führt die Stadt zum einen „außergewöhnliche Preissteigerungen im Bauwesen in den vergangenen Jahren“ an, die sich aus der Pandemie, dem Krieg in der Ukraine sowie der allgemeinen Baupreisinflation ergeben hätten. Zudem seien im weiteren Planungsprozess zusätzliche Maßnahmen hinzugekommen, etwa die Geothermie. Auch bei den Auslagerungsbauten wurde umgeplant. Statt Interimsgebäuden werden nun zum Teil dauerhafte Holzhybridmodulbauten errichtet. „Sie können unter anderem für die Wiedereinführung von G9 am Geschwister-Scholl-Gymnasium genutzt werden oder benachbarten Schulen Entwicklungsmöglichkeiten bieten“, teilt die Stadt-Sprecherin Frederike Myhsok mit.

Die Stadtverwaltung wurde also während der langen Planungsphase – der Grundsatzbeschluss war 2018 gefallen – von mehreren Ereignissen überrascht. Dennoch habe man nicht die Reißleine ziehen wollen. Das Bauprojekt sei „ein Baustein in der Quartiers-Entwicklung Heumaden-Süd und sichert mit der geplanten Fünfzügigkeit den langfristigen Bedarf an gymnasialen Schulplätzen im Stadtbezirk ab. Gleichzeitig werden mit dem Projekt zusätzliche Raumkapazitäten für die gesamte Schullandschaft in Sillenbuch geschaffen“, lässt das Fachamt mitteilen.

Ohne die Erweiterung würden bereits in wenigen Jahren räumliche Engpässe entstehen, so die Behörde. Um den Kostensteigerungen entgegenzuwirken, habe die Stadt Einsparmaßnahmen umgesetzt, etwa die Gebäudekubatur reduziert. Eine Vollbremsung sei indes keine Option gewesen. „Ein Projekt dieser Größenordnung zu stoppen und später wieder aufzunehmen, würde weitere nicht kalkulierbare Mehrkosten und einen erheblichen zeitlichen Verzug nach sich ziehen“, erklärt Frederike Myhsok.

In der Altenburgschule ist der Betrieb in Gefahr

187 Millionen Euro fürs GSG, 200 Millionen Euro fließen in den Schulcampus Feuerbach: Sind solche Vorhaben zu kostspielig? Ja, sagt die Stadträtin Jasmin Meergans (SPD). „Ich glaube, da sind sich alle einig, dass das Ziel ist, von den Kosten runterzukommen.“ Sie spricht von einer „absurden Situation“, denn obwohl in den Schulhaushalt so viel Geld eingestellt worden sei wie noch nie – im Doppelhaushalt 2026/2027 sind rund 1,267 Milliarden Euro für die Teilhaushalte Jugendamt und Schulverwaltungsamt vorgesehen –, müssten zahlreiche Schulprojekte gestoppt werden.

Auch über den Schulcampus Hedelfingen am Steinenberg gibt es Debatten. (Archivbild) Foto: Mathias Kuhn

Mit massiven Folgen: „In der Altenburgschule ist der Gebäudebetrieb in Gefahr“, mahnt sie. Der dritte, neun Millionen Euro teure Bauabschnitt im Zuge der Umstrukturierung der Bad Cannstatter Schule zur Ganztagsschule gehört zu jenen gut 20 schulischen Großprojekten, die zuletzt das Nachsehen hatten und verschoben wurden.

In Jasmin Meergans’ Augen müssten Schulbauprojekte grundsätzlich günstiger und effizienter werden, ein langer Vorlauf erhöhe in der Regel die Kosten. „Der Sanierungsstau ist so hoch, dass relativ schnell größere Generalsanierungen draus werden.“ Sie fordert daher ein Baukostencontrolling. „Da muss die Stadtverwaltung viel genauer hinsehen. Ich glaube, man kann mit weniger Geld schöne Schulen bauen.“

Kosten für Standort Steinenberg in Hedelfingen prüfen

Schulen sind schwer vergleichbar, doch ja, andere Projekt zeigen andere Kostendimensionen. Das neue Schulzentrum Stockbrünnele in Böblingen, ein Komplex, der zwei Schulen vereint, kostete 75 Millionen Euro. Paul Wurm vom Förderverein Schulcampus Hedelfingen nennt zudem die im Herbst in Sigmaringen eingeweihte Bertha-Benz-Schule für gut 1400 Kinder bei Kosten von 113 Millionen Euro. Fürs jüngst gestrichene Gymnasium am Steinenberg, für das sich der Verein eingesetzt hatte, hatte eine Studie der Stadt laut Paul Wurm indes 170 bis 190 Millionen Euro angesetzt gehabt. Er sagt: „Die Größenordnung zeigt aus meiner Sicht, dass die für Steinenberg genannten Kosten dringend einer transparenten und nachvollziehbaren Herleitung bedürfen.“