Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung setzt im Kampf gegen Geschlechtskrankheiten auch auf witzige Plakate im Stadtbild. Foto: Mauritius/Alamy / Bildagentur-online/Schoening

Man verdrängt sie schnell, die unliebsamen Bettgefährten namens Syphilis, Tripper oder Chlamydien. Dabei sind sie in Deutschland auf dem Vormarsch. Wir klären über Geschlechtskrankheiten auf.

Stuttgart - Geschlechtskrankheiten nehmen zu. Von 2009 bis 2019 hat sich die Zahl der Syphilis-Infektionen laut Robert-Koch-Institut (RKI) verdoppelt. Zwar hat die Coronapandemie und die Kontaktbeschränkungen kurzfristig diesen Trend gestoppt. Doch langfristig helfe zum Schutz vor diesen Geschlechtskrankheiten nur Aufklärung, heißt es seitens der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Was also tun, wenn’s nach dem Sex im Schritt brennt und juckt? Wie schützt man sich? Wir klären auf:

 

Chlamydien

Wie viele sich jährlich mit den Bakterien infizieren, ist unklar. Die höchste Ansteckungsrate haben junge Frauen und Männer beim Sex. Auch über die Hände wie beim Petting oder über Sexspielzeug ist eine Übertragung möglich. Die Folgen sind schmerzhaft: Männer klagen über Halsschmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Ähnlich ergeht es Frauen, die zudem über unklare Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Sex und Menstruationsstörungen klagen. Auch ein Ausfluss aus Darm, Scheide oder Harnröhre kann ein Symptom sein.

Lesen Sie aus unserem Plusangebot: Ein Kondom ist eine feine Geschichte

Eine Therapie mit Antibiotika ist dann unumgänglich. Unbehandelt kann eine Infektion zu Unfruchtbarkeit führen. Auch Probleme in der Schwangerschaft sind möglich. Am besten schützt vor Chlamydien ein Kondom.

Tripper

Mit Tripper, auch Gonorrhö genannt, infizieren sich etwa 20 000 bis 30 000 Menschen jährlich, so schätzt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Ähnlich wie bei den Chlamydien sind Halsschmerzen häufig, ebenso typisch ist eine entzündete Mundschleimhäute. Brennen beim Wasserlassen und auch Ausflüsse aus Scheide und Harnröhre sind nicht selten. Damit die Bakterien nicht langfristig zur Unfruchtbarkeit führen, sollten Betroffene sich zügig mit Antibiotika behandeln lassen. Auch hier gilt: Kondome schützen – wenn auch nicht hundertprozentig. Denn Tripper-Erreger können auch beim Zungenkuss oder über Sexspielzeug übertragen werden.

Syphilis

Im Jahr 2020 haben sich laut RKI rund 7400 Menschen mit Syphilis, auch Lues genannt, angesteckt – beim Sex, Petting oder Küssen. Auch gemeinsames Benutzen von Spritzen bei Drogennutzern, unsachgemäßes Piercen und Tätowieren kann Syphilis übertragen. Betroffene fühlen sich anfangs häufig wie bei einer Grippe mit leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Dann entwickelt sich ein hartes Geschwür – meist an den Genitalien oder am After. Aber auch die Lippe, Zunge oder die Mundhöhle können betroffen sein.

Lesen Sie aus unserem Plusangebot: Die Syphilis ist nicht zu bremsen

Andere Symptome sind Haarausfall, Hautausschlag an Handflächen oder Fußsohlen oder Warzen im Genitalbereich. Problematisch wird es, wenn die Infektion nicht mit Antibiotika behandelt wird: Denn dann kann die Erkrankung langfristig auf das zentrale Nervensystem übergehen und zu Demenz und Tod führen. Einen hundertprozentigen Schutz bieten selbst Kondome nicht: Denn die Erreger befinden sich nicht nur im Sperma und in der Scheidenflüssigkeit, sondern auch im Blut.

Humane Papillomviren

Diese Viren sind heimtückisch, denn sie können zu Krebs führen. So erkranken jedes Jahr etwa 6250 Frauen und rund 1600 Männer an HPV-bedingten Karzinomen, heißt es seitens des RKI. Übertragen werden können die Viren bei Geschlechtsverkehr, beim Küssen oder Petting sowie über Sexspielzeug. Wer sich infiziert hat, merkt das unter anderem recht bald anhand großer Warzen im Bereich der Genitalien und am Anus. Doch die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Warum ungeschützter Verkehr dumm ist

Die Therapie gegen die Warzen besteht aus Cremes, Lösungen, Vereisungen, Laser und Medikamenten. Wird Krebs im Frühstadium erkannt, müssen auch Sexualpartner darauf untersucht werden. Kondome senken die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Besser ist es, sich impfen zu lassen: So gibt es für Jungen und Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren die HPV-Impfung.

HIV/Aids

Derzeit leben in Deutschland rund 90 700 Menschen mit einer HIV-Infektion, im Jahr 2019 gab es 2600 Neuansteckungen. Zwar ist das Virus in Samen- und Scheidenflüssigkeit sowie im Blut nachweisbar, es ist aber im Vergleich zu anderen Krankheitserregern schwer übertragbar. Eine Infektion äußert sich zu Beginn meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, leichtem Fieber, Hautausschlag und Lymphknotenschwellungen. Auf Dauer wird die Immunabwehr so geschädigt, dass Betroffene an schweren Krankheiten wie Lungenentzündungen, Krebs oder neurologischen Erkrankungen sterben können. Eine Heilung gibt es nicht, allerdings führen die Therapien dazu, dass die Krankheit nicht weiter fortschreitet und das Virus nach einiger Zeit im Blut meist nicht mehr nachweisbar ist. Präventiv schützen vor allem Kondome beim Sex.