Seit Jahren kämpfen Grundstückseigner und Naturschützer gegen den Ausbau der Kreisstraße Mönsheim-Flacht. Die Bauarbeiten haben inzwischen begonnen.
Lange wurde um sie gestritten, gegen sie protestiert und geklagt – bislang ohne Erfolg. Denn jetzt wird sie nicht nur saniert, sondern auch verbreitert, die Kreisstraße 4569, die von manchen auch Porschestraße genannt wird. Das rund zwei Kilometer lange Teilstück zweigt von der Landesstraße 1134 zwischen Heimsheim und Mönsheim rechts nach Flacht ab. Ausgebaut wird sie bis zur Südzufahrt zum Weissacher Porsche-Entwicklungszentrum und dem dortigen neuen Parkhaus. Dabei überschreitet sie um rund 300 Meter die Grenze zum Kreis Böblingen, wo sie zur K 1017 wird. Derzeit geplante Kosten für die Maßnahme des Enzkreises: rund acht Millionen Euro, der Kreis Böblingen beteiligt sich anteilmäßig. Bis zur Fertigstellung – laut dem Enzkreis – Landratsamt voraussichtlich im Frühjahr 2026 – geht erst mal nichts auf dem hügeligen, kurvigen Sträßle zwischen landwirtschaftlichen Flächen und Flora-Fauna-Habitaten – also Schutzgebieten.
Kritiker hoffen weiter
Wer in der idyllischen Heckengäu-Landschaft unterwegs ist, vermutet nicht, dass um das Stück Straße seit Jahren ein heftiger Kampf geführt wird, der noch nicht beendet ist, obwohl dort längst Baufahrzeuge angerollt sind. Von privater Seite ist noch eine Restitutionsklage beim Verwaltungsgericht Karlsruhe anhängig. Annette und Joseph Michl, die Flächen für den Ausbau hergeben müssen, wollen die Rechtmäßigkeit der Planfeststellung prüfen lassen. Sie halten den Ausbau für überzogen, hätten aber einer kleineren Variante sofort zugestimmt, sagen sie. Ähnlich argumentiert die Mönsheimer Gemeinderätin Simone Reusch (Unabhängige Bürgerliste Mönsheim), die im Namen von Mönsheimer Bürgern und Naturschützern, wie sie schreibt, im September eine Petition gegen den Ausbau beim Landtag eingereicht hat, über die noch nicht entschieden ist. Darin fordern die Kritiker „den überdimensionierten Ausbau der Straße (K 4569/K 1017) und den überflüssigen Bau des Radwegs zu stoppen“. Der Radweg ist ebenfalls Teil des Planfeststellungsbeschlusses. Nach einem Zwischenbescheid wartet die Petentin auf eine endgültige Antwort aus dem Landtag. „Ich hoffe immer noch auf ein Weihnachtswunder und auf die Vernunft“, sagte Simone Reusch vor wenigen Tagen. Das sei auch jetzt noch durch ein einfaches Planänderungsverfahren möglich. Das Verkehrsministerium hatte jedoch schon früher auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Erik Schweickert klargemacht, dass bei Änderungen einzelner Teile der Planungen das ganze Verfahren neu aufgerollt werden müsse und die Landeszuschüsse von bis zu 50 Prozent neu beantragt werden müssten.
2015 beschloss der Kreistag des Enzkreises, die Straße zu sanieren, die Mönsheim und Flacht verbindet. Angedacht war zunächst eine Sanierung im Bestand, wobei schon damals die bestehende Breite von fünf Meter plus 50 Zentimeter Randstreifen als zu schmal erachtet wurde, zumal im Begegnungsverkehr mit Lkw. Begründet wurde die Notwendigkeit der Sanierung auch mit dem zunehmenden Verkehr durch die Erweiterung des Porsche-Entwicklungszentrums und dem Bau weiterer Parkplätze sowie deren Südanbindung an die Kreisstraße. Dieser Verkehr sollte künftig auf die K 4569 und dann über die Landesstraße in Richtung Autobahn fahren, um die Ortsdurchfahrt Flacht nicht weiter zu belasten.
Im Zuge des Planungsverfahrens stiegen nicht nur die geschätzten Baukosten auf inzwischen acht Millionen Euro, sondern die als „regelkonform“ bezeichnete Fahrbahnbreite wuchs auf sieben Meter plus jeweils 1,50 Meter breiten Banketten. Vor allem gegen diesen großen Ausbau wehren sich einige Grundstückseigner und Naturschützer, die die Notwendigkeit dafür nicht einsehen und ihre Grundstücke nicht hergeben wollen. Sie kritisieren, dass die prognostizierten Verkehrszahlen vor allem von der Firma Porsche stammen würden und nicht mehr aktuell seien. 120 Flurstücke musste der Enzkreis entlang der K 4569 erwerben, für 14 Flurstücke wurde wegen Widerstands der Eigentümer eine vorzeitige Besitzeinweisung als Vorstufe zum Enteignungsverfahren eingeleitet.
Gibt es eine Radweglücke?
Zum Zankapfel ist auch ein neuer Radweg geworden, der vom Golfplatz kommend zwischen der Landesstraße bis zur K 4569 und von dort weiter zum Radweg entlang der L 1177 eine Lücke schließen soll. Eine Lücke, die es nach Ansicht von Kritikern gar nicht gibt, denn von Wimsheim und Wurmberg herkommend ist über den Golfplatz kein offizieller Radweg ausgeschildert. Kritisiert wird auch, dass das neue Teilstück durch und entlang geschützter Gebiete führt, obwohl es bereits eine allerdings etwas längere Radwegeverbindung gibt.
Auch manche Kreisräte bekamen offensichtlich kurz vor Baubeginn kalte Füße, wohl nicht zuletzt wegen der massiven Kostensteigerung. Es sei der teuerste geplante Straßenausbau des Enzkreises. Mehrere Fraktionen forderten auf zu prüfen, welche Kosten entstehen, wenn statt des beschlossenen Ausbaus die vorhandene Straße lediglich sechs Meter breit und mit einer neuen Deckschicht saniert wird. Doch ein entsprechender Antrag wurde nach einer Gegenüberstellung der Kosten durch die Verwaltung mit großer Mehrheit abgelehnt.
Bei der gleichen Kreistagssitzung im Juli kamen vermutete Datenschutzverstöße zur Sprache, von denen der Landrat Bastian Rosenau damals sagte, er habe keine Kenntnis davon. Inzwischen steht fest, dass sowohl das Landratsamt als auch das Regierungspräsidium Karlsruhe im Rahmen der vorzeitigen Besitzeinweisung von Privatgrundstücken für den Straßenbau Grundbuchauszüge ungeschwärzt auch unbeteiligten Personen weitergegeben haben. Dies bestätigt das Landratsamt jetzt auf Nachfrage. Die Betroffenen wandten sich damit an den Datenschutzbeauftragten des Landes, der die beteiligten Behörden dafür rügte. Die Erste Landesbeamtin Hilde Neidhardt entschuldigte sich im Umwelt- und Verkehrsausschuss im November im Namen des Enzkreises öffentlich für das Versäumnis.
Fazit: Auch wenn die Straße jetzt ausgebaut wird, ist ein Ende des Widerstands dagegen nicht in Sicht.