Der Steinheimer Jacob Lemp bewegte die Gemüter als Rektor, Theologe und Jurist. Als sein bekanntester Schüler gilt der katholische Theologe Johannes Eck.
Keine einzige Schrift von ihm ist in Nachlässen zu finden. Dennoch hat Jacob Lemp, zwischen 1460 und 1470 in Steinheim an der Murr geboren, seine Spuren hinterlassen als angesehener Theologe und Jurist – in den Holzschnitten und Texten anderer. Etwa bei Johannes Reuchlin, der deutsche Humanist, Philosoph, Jurist und Diplomat der Renaissancezeit widmete ihm in seiner Ausgabe der sieben Bußpsalmen von 1512 eine Vorrede. Mehr noch, ein Jahr danach erbat er dessen Hilfe. So fragte Reuchlin, ob er ihn begleiten wolle als sein Beistand zu einem Rechtsstreit vor dem geistlichen Gericht in Mainz. Lemp wollte!
Grund: Dem päpstlichen Inquisitor Jakob van Hoogstraten waren die Schriften Reuchlins zu freundlich gegenüber den Juden. Er ordnete gar 1514 an, Reuchlins Schrift „Augenspiegel“ öffentlich zu verbrennen, was ihm – zumindest für ein paar Jahre – seinen Posten als Inquisitor kostete. Und so trat Lemp auf den Plan. Der hatte wohl als einer der wenigen den Mut, in diesen Zeiten, in denen die Reformation längst in der Luft hing, für Reuchlin einzutreten.
So ist in Christoph Meiners 1795 Zürich erschienener „Lebensbeschreibung berühmter Männer aus den Zeiten der Wiederherstellung der Wissenschaften“ zu erfahren: „Nach einer mit vielen Rechtsgelehrten gehaltenen Berathschlagungen nahm Hogstraten die Apellation an den päpstlichen Stuhl zurück, und weder er, noch seine Clienten hatten das Herz, die Einladung zu einer öffentlichen Disputation über Reuchlin’s Sache anzunehmen, zu welcher sich der Doctor Lemp von Tübingen erbot.“
Hochschullehrer in Tübingen
An der Eberhard Karls Universität hatte Lemp nicht nur ab 1482 studiert. Er lehrte auch – nach der Erlangung des „Magisterium“ vier Jahre danach – in Tübingen bis zu seinem Tod am 2. April 1532. In dieser Zeit wurde er ganze elf Mal betraut mit dem Amt des Rektors. Als sein bekanntester Schüler gilt der katholische Theologe Johannes Eck. Der Gegnerspieler des Reformators Martin Luther lehnte den Protestantismus strikt ab. Seine Eck-Bibel von 1537 zählt zu den katholischen Korrekturbibeln. Darin ging er theologisch Luther direkt an. Das tat er schon elf Jahre zuvor beim Religionsgespräch zu Baden im Aargau, einem öffentlichen Streitgespräch zwischen Vertretern der altgläubigen Kirche und der Reformation. Johannes Ecks Worte dort soll Jacob Lemp unterstützt haben. Ein weiterer Tropfen im bereits überlaufenden Fass der Reformer: Sie warfen Lemp vor, die neue humanistisch-biblische Richtung zu verfolgen.
Hunde, Kater und Böcke
Schon eine Weile spielten sie ihm übel mit. In einem Spottbild auf Martin Luthers Gegner beispielsweise stellten sie Jacob Lemp mit Hundekopf und abgenagtem Knochen in der Hand dar, also als böser Christ, der wie ein Hund wütet und bellt. Das Flugblatt, ein Holzdruck, stammt aus der Zeit um 1521, als Luther aus der römischen Kirche ausgeschlossen wurde. Darauf sind zudem der Franziskaner Thomas Murner als Kater und der Theologe Hieronymus Emser als Bock aufgereiht. Mit Löwenmaul „als Antichrist“ ist in der Bildmitte Papst Leo X. auszumachen, der dem Schweinskopf Eck Geld gibt und ihm die Kardinalswürde verspricht, wenn er Luther niederzwinge. „Lieber Eck nymm also von mir zu gut. Ich wayß noch ein gutten Cardinals hut. Magstu den Luther Concludieren. Will ich dir dein Sewkopff mit ziren.“