Tübinger Studenten um 1598 beim Tennis Foto: Wikipedia/gemeinfrei

Ein Stoffball, geschlagen mit der flachen Hand. Der Ursprung des heutigen Tennis reicht zurück bis ins Mittelalter, wo schwitzende Mönche abseits von „ora et labora“ den weißen Sport aus der Taufe hoben.

Mit großer Leidenschaft sei der Ballsport betrieben worden, heißt es in zeitgenössischen Quellen des 13. Jahrhunderts, der zu dieser Zeit noch hinter verschlossenen Klostermauern stattfand. Ein Mönch hatte zu beten und zu arbeiten, basta! So besagt es die auf Benedikt von Nursia im 6. Jahrhundert zurückgehende Mönchsregel.

 

Mächtig Ärger bekamen Geistliche daher, als sie 1451 ihrem Spieltrieb außerhalb der Klostermauern nachgingen und den Friedhof der Stiftskirche St. Mary in der Gemeinde Ottery im südenglischen Exeter zusammen mit Laien des Ortes als Spielfeld zweckentfremdeten.

Die ersten Tennisspieler sind Mönche

Eine Eigenmächtigkeit, die Bischof Edmund Lacy zum Einschreiten gegen „Tennisturniere“ auf geweihtem Boden veranlasste. Seinem episkopalen Donnerwetter ist zu entnehmen, dass Spieler und Fans bei diesem „sündigen Treiben gottlose Reden im Munde führen“ und es im Eifer des Gefechts auch zu „Zank, Streit und Raufereien“ kam.

Derartige Vorkommnisse waren wohl auch der Grund dafür, warum Tennis spielende Mönche in der Kunst des Mittelalters nur sehr selten dargestellt worden sind, ganz im Gegensatz zu den adligen Herren, die bald ebenso leidenschaftlich Bälle schlugen. Sie hatten ihre reichlich bemessene Freizeit bis dahin mit Turnieren und vor allem der Jagd totgeschlagen. Nun aber, zu Beginn des 14. Jahrhunderts, pflegten sie das neue Spiel, zunächst auf ihren Burghöfen, dann in eigens dafür gebauten Ballhäusern.

Es wird gespielt, getrunken und gewettet

Bald schon wollten sich die reichen Bürger nach Art der Herren amüsieren und bauten ebenfalls Ballhäuser. Die ersten Tennisclubs entstanden in den flandrischen Städten, das erste historisch verbürgte Turnier fand 1464 in Brügge statt. In den Tennisvereinen herrschte ein sehr vergnügtes Treiben, es wurde getrunken, gewettet und vor allem angebandelt. Die Tennislehrer (maîtres paumiers) gaben nicht nur Unterricht, sie betrieben meist die ganze Anlage und verkauften das inzwischen notwendig gewordene Equipment: Schläger, Bälle, Kleidung.

Mit Beginn des 16. Jahrhunderts kamen in Paris die ersten Schläger auf, die anfangs aus massivem Holz bestanden. Manche waren auch mit Pergament, ab 1539 dann mit Darmsaiten bespannt. In die gleiche Zeit fällt auch das Aufkommen einer Schnur, die zwischen den Spielern gespannt wurde und über die der Ball gespielt werden musste. Da das Spiel mit seinen nun spannenderen Ballwechseln die Langeweile vertrieb, war es von Anfang an ein Zuschauersport.

Selbst Könige schwingen den Schläger

Viele gekrönten Häupter Europas schwangen das Racket. Von König Heinrich VII. von England (1457–1509) weiß man, dass er Trainerstunden nahm. Seine Nachfolger, Heinrich VIII. und Karl II., waren ebenfalls begeisterte Tennisspieler. Besonders von Letzterem ist bekannt, dass er schon um 5 Uhr morgens auf dem Platz stand. Er hatte sich in unmittelbarer Nähe des Courts eine Schlafgelegenheit einrichten lassen.

Karl II. spielte offenbar gut, ausdauernd und mitunter so intensiv und kraftvoll, dass er innerhalb weniger Stunden mehrere Pfund abnahm. Manchem Monarchen wurde die Tennisleidenschaft zum Verhängnis. Philipp der Schöne von Burgund etwa spielte so exzessiv Tennis, dass er sich eine Lungenentzündung zuzog und starb.

Schlägereien auf dem Tennisplatz

Auch Frauen fanden sich ziemlich oft auf den Tennisplätzen ein. Die stärkste Spielerin des 15. Jahrhunderts stammte aus Mons im burgundischen Hennegau. Margot, so ihr Name, hatte eine starke Vor- und Rückhand und schlug die versiertesten Männer.

Allerdings ging es auf den Tennisanlagen nicht immer nur gesittet zu. In London etwa wurde 1541 Sir Edmund Knevet verurteilt, weil er seinen Gegner auf dem Tennisplatz zu Boden gestreckt hatte. In Rom erschlug 1606 der Maler Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, einen Gegner im Streit um einen zweifelhaften Ball. Und in Paris beleidigte ein Spieler wegen einer angeblichen Fehlentscheidung den Schiedsrichter. Der „französische McEnroe“ war Ludwig von Orléans, und seine Pöbeleien waren derart heftig, dass er unter dem Beifall der Zuschauer Prügel bezog.

Tennis gilt plötzlich als unschicklich

Das erste Lehrbuch, das eine ausführliche Regelkunde enthält, erschien 1555 aus der Feder des italienischen Priesters Antonio Scaino. Ihm ist zu entnehmen, dass es schon damals den Lob gab, also den hoch über den Kopf des Gegners gespielten Ball. Der erste öffentliche Tennisplatz entstand 1459 in London; er blieb fast 500 Jahre lang bespielbar.

Dennoch verlor das Tennis im 18. Jahrhundert an Bedeutung. Das hatte einerseits mit der Verfeinerung der Sitten an den Höfen zu tun – man fand es nun eher unschicklich, in aller Öffentlichkeit in Hemdsärmeln und ohne Perücke herumzutoben und wie ein Bauer zu schwitzen.

Goodyear macht das Spiel schnell

Andererseits verrohten offenbar die Sitten: „Aus einem edlen Sport ist das Tennis zur idealen Betätigung für Gauner geworden“, heißt es in einem um 1750 in London erschienenen Buch. Das bezog sich vor allem auf die Berufsspieler, Schieds- und Linienrichter, die gemeinsame Sache und Kasse machten.

Seriös wurde das Spiel wieder, als ein gewisser Major Walter Clopton Wingfield (1833–1912) 1874 ein Spiel zum Patent anmeldete, das er „lawn tennis“, Rasentennis, nannte. Das Spiel wurde für die Zuschauer wieder attraktiver, weil man die Netzhöhe um einen Meter senkte und somit die Ballwechsel beschleunigte. Eine Neuerung, zu der auch die Entdeckung der Vulkanisierung durch Charles Goodyear 1839 beigetragen hatte. Sein Verfahren ermöglichte die Herstellung von kleinen, robusten Bällen mit guten Sprungeigenschaften.

1877 ergänzte ein Londoner Vorortverein seinen pompösen Namen um die wiederbelebte Sportart und nannte sich fortan „The All England Croquet and Lawn Tennis Club“. Der Vorort hieß Wimbledon. Und dort fand 1877 das erste moderne Turnier vor 200 Zuschauern statt.