Trauben in Hamburgs einzigem Weinberg geklaut Stuttgarter Wengerter drückt sein Beileid aus

Von Heidemarie A. Hechtel 

Die Weinlese in Hamburg fällt aus – Unbekannte haben nahezu alle Trauben aus dem Weinberg gestohlen. Die Rebstöcke waren einst ein Geschenk der Wengerter des Stuttgarter Weindorfs.

Die blauen Netzer sollten die Trauben auf dem Weinberg in Hamburg vor Vögeln und Dieben schützen. Geholfen hat es nichts. Foto: dpa

Stuttgart - Hiobsbotschaft aus Hamburg, mitten hinein in die Weindorf-Seligkeit: In dem Weinberg oberhalb der Landungsbrücken, den der Stuttgarter Wengerter Fritz Currle als Geschenk 1995 gepflanzt hat, sind nahezu alle Trauben gestohlen worden. „Das war ein Gastgeschenk von uns an die Hamburger zum zehnjährigen Bestehen der Weindorf-Gastspiele am Hamburger Rathausmarkt“, sagt Currle. Inzwischen sind es 100 Rebstöcke der Sorten Regent (rote Trauben) und Phönix (weiße Trauben). Nun muss die Lese ausfallen, eine Cuvée Stintfang wird es in diesem Jahr nicht geben – und es ist nicht das erste Mal. Bereits 2010 und 2016 wurden die Trauben in Hamburgs einzigen Weinberg gestohlen.

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Die Ära des Weindorfes in Hamburg selbst ist seit drei Jahren zu Ende, gescheitert an der happig gestiegenen Gebührenforderung aus dem Rathaus, die vom Veranstalter, dem Verkehrsverein Pro Stuttgart, und den Weindorf-Worten nicht geleistet werden konnte – und auch nicht wollte. Die freundschaftlichen Beziehungen sind trotzdem nicht zu Ende. „Ich werde von Carola Veit, der Präsidentin der Bürgerschaft, jedes Jahr zu einem besonderen Anlass nach Hamburg eingeladen und überreiche ihr dann die Ernte in 40 bis 50 Flaschen“, berichtet Currle. Er fährt auch jedes Jahr im Frühjahr nach Hamburg, um im Weinberg nach dem Rechten zu sehen. Für die weitere Pflege und Arbeit hat er die fünf so genannten Stintfang-Winzer – fünf Stuttgarter, die in Hamburg leben – arbeitstechnisch eingewiesen. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Helfern.

„Dass deren Arbeit zunichte gemacht wird, ist sehr traurig“, meldet sich die Präsidentin Carola Veit zu Wort. Täter hat man übrigens nie erwischt: „Das ist eine Nacht- und Nebel-Aktion“, meint Currle. Und leider nicht auf Hamburg beschränkt. Langfinger großen Stils, die zwei Kollegen von Currle in den letzten Jahren 20 und auch mal 30 Ar abgeräumt haben, gibt es auch in Stuttgart. Es sei denn, sie sind eigens aus Hamburg angereist. Vom Weindorf in vielen Jahren auf den Geschmack gebracht.