Für Bob Hanning findet der Handball in der Öffentlichkeit viel zu wenig Aufmerksamkeit – das Problem hält er auch für hausgemacht. Foto: Baumann/Julia Rahn

Bob Hanning bleibt auch ohne Amt im Deutschen Handballbund ein Mann der klaren Worte. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin ärgert sich: „Es ist Bundesliga und keiner merkt’s.“

Stuttgart - Bob Hanning hat den Handball in Metropolen wie Hamburg und Berlin salonfähig gemacht. An diesem Sonntag (16 Uhr) erwartet er mit den Füchsen Berlin den TVB Stuttgart. Warum geht es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nicht so richtig vorwärts? Der 54-Jährige äußert sich zu dieser und anderen Fragen.

 

Herr Hanning, am Sonntag geht es gegen TVB Stuttgart und für Ihr Team um einen Pflichtsieg?

Natürlich ist es unser Anspruch, dieses Heimspiel zu gewinnen, aber in dieser Liga ist kein Spiel ein Selbstläufer. Wir haben derzeit eine ganz gute Stabilität, und ich hoffe, dass der TVB seine Punkte für den Klassenverbleib nicht unbedingt versucht, gegen uns am Sonntag einzufahren.

Wundert es Sie, dass der TVB so tief im Keller steckt?

Ja, das wundert mich in der Tat. Der TVB hat zwar sehr von der Qualität von Jogi Bitter gelebt, doch mit dieser zugespitzten Lage hatte ich nicht gerechnet. Vom Personal her, hat das Team genügend Potenzial, um in der Liga zu bleiben.

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Der TVB spielt im siebten Jahr Bundesliga. Hätte nicht längst der nächste Schritt kommen müssen?

Das ist schwer zu beurteilen. Wichtig ist die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Erfolg wahrscheinlicher machen. Lieber organisch wachsen, als sich zu übernehmen. Auch wir bei den Füchsen haben unsere Zeit gebraucht, um uns zu entwickeln. Der HSV ist sehr schnell gewachsen und hat sich am Ende des Tages daran verschluckt.

128 Erst- und Zweitligisten in Berlin

Wie viel Zeit bekommt man in einer Metropole, um nach oben zu kommen?

Es geht immer darum, Entwicklung zu zeigen und Motivation durch Identifikation herzustellen. Je mehr Eigengewächse eingebunden sind, desto mehr haben die Menschen im Umfeld auch die Geduld. Bei uns gibt es viele Sponsoren, die lieber mit unseren jungen Spielern in der European League spielen, als mit eingekauften Stars in der Champions League. Aber das Ganze ist nicht einfach, denn die Konkurrenz in Berlin ist riesig – wir haben 128 Erst- und Zweitligisten aller Sportarten.

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Das ist in Stuttgart nicht so extrem. Was könnte hier noch anders sein?

Trotz aller enormer Konkurrenz sind wir in Berlin der einzige große Handballverein. Das ist ähnlich wie in Hamburg. In Stuttgart hat man die Situation, dass man mit Frisch Auf Göppingen einen unmittelbaren Konkurrenten, zudem noch mit sehr viel Tradition, direkt vor der Tür hat. Das macht es nicht einfacher. Dennoch ist es für den TVB der absolut richtige und alternativlose Ansatz, sich als Team Stuttgart zu verkaufen.

Realistisch betrachtet kommen neben dem TVB nur GWD Minden, der HBW Balingen-Weilstetten und der TuS N-Lübbecke für die beiden Abstiegsplätze in Frage. Wen erwischt es?

Das Quartett macht es untereinander aus, das sehe ich genauso. Aus Prognosen halte ich mich schön raus (lacht). Aber ich glaube, dass es die beiden Clubs aus Ostwestfalen besonders schwer haben werden, und dass Balingen gegenüber Stuttgart den Vorteil hat, Abstiegskampf pur schon jahrelang gewöhnt sind. Wenn man nicht direkt darauf vorbereitet ist, dann wird es eben schwieriger.

„Heinevetter tut Stuttgart gut“

Sie kennen Nationalkeeper Silvio Heinevetter bestens. Wie beurteilen Sie seine Verpflichtung durch den TVB für die kommenden zwei Jahre?

Heinevetter kann die besonderen Momente ausmachen und wird Stuttgart gut tun. Viele Titel der Füchse sind eng mit seinem Namen verbunden. Was ich ihm hoch anrechne ist, dass er bei uns nicht um Geld gepokert hat. Wir wollten eine Kaderveränderung in den Hierarchieebenen. Das war der Grund, warum wir den Vertrag 2020 nach elf Jahren nicht langfristig verlängern wollten.

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Dem TVB ist es auch gelungen den schwedischen Nationalspieler Oscar Bergendahl an Land zu ziehen.

Wofür man den handelnden Personen nur gratulieren kann. Aber zunächst muss man eben schauen, dass man die Klasse hält.

Die Füchse liegen nur einen Minuspunkt hinter dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt. Ist das Erreichen der Champions League das Ziel?

Das ist eine spannende Ausgangsposition, aber man darf sich keine Schwankungen erlauben. Wir haben vor Weihnachten unnötig Punkte abgegeben, jetzt wird es sehr schwer, Kiel und Flensburg zu überholen, weil sie nicht zu den Teams gehören, die mal ebenso Punkte liegen lassen.

„Playoffs sind Geldmacherei“

Ihr Team hat aber einen großen Vorteil.

Stimmt, wir spielen nicht in der Champions League, sondern nur in der European League. Da ist die Belastung geringer, das kann ich nicht von der Hand weisen.

Im Fußball wurde zuletzt über Play-off-Spiele diskutiert. Ist das auch für den Handball ein Thema?

Nein, wir brauchen keine Play-off-Spiele, weil wir keine Langeweile in unserer Liga haben. In den vergangenen Jahren ging es immer bis zum Schluss um Abstieg, Europacupplätze und eben auch um die Meisterschaft. Play-offs sind eine reine Geldmacherei. Nichts ist stabiler als eine faire Tabelle über eine ganze Saison hinweg. Wir haben es in unserer Sportart Gott sei Dank nicht nötig amerikanisch zu werden – und der Fußball auch nicht.

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Also passt alles im Handball?

Na ja, zur Zeit kommen wir in der Öffentlichkeit wieder so gut wie nicht vor, im Fernsehen siehst du außer auf Sky gar keinen Handball mehr. Es ist Bundesliga und keiner merkt’s.

Das ist aber keine ganz neue Erkenntnis.

Das mag sein, aber wir müssen doch das Produkt verkaufen. Doch was passiert? Nichts. Jeder macht irgendwie sein Ding. Es müssten einfach mehr Impulse von Seiten der Handball-Bundesliga (HBL) und meinen Kollegen kommen. Ich bin etwas müde, immer den Vorreiter zu spielen.

An was denken Sie? An Dinge wie den Auszeit-Buzzer oder den Video-Beweis?

Auch das, klar. Im Prinzip gehört alles dazu, was mit Elektronik zu tun hat. Bei den Volleyballern ist die Professionalität eigentlich weit weniger ausgeprägt, aber sie schaffen es, den Video-Beweis flächendeckend in allen Hallen hinzubekommen und ihre Sportart damit weiterzuentwickeln. Wir schaffen es nicht, wenn es nicht so ernst wäre, müsste ich herzhaft lachen.