Aus Sicht von Mitinhaberin Claudia Bitter ist Karin Bauerle an der Kündigung des Mietvertrags selbst schuld. Die Nachricht von der Schließung des Obst- und Gemüseladens der Familie Bauerle in der Cannstatter Straße hat nicht nur unter Einzelhändlern große Bestürzung ausgelöst.
Fellbach - Die Nachricht von der Schließung des Obst- und Gemüseladens der Familie Bauerle in der Cannstatter Straße hat nicht nur unter Einzelhändlern große Bestürzung ausgelöst. Auch in der Kundschaft war am Mittwoch von einem „schweren Verlust“ für die Fellbacher Innenstadt die Rede. Etliche Leser drückten ihr ausdrückliches Bedauern über den Abschied des fast zwei Jahrzehnte an dem Standort existierenden Geschäfts aus.
Zu Wort gemeldet hat sich auch eine der Miteigentümer
„Für die Innenstadt ist das ein Schlag, da fällt einmal mehr ein Frequenzbringer weg“, kommentierte der mit seiner Kappelberg-Apotheke quasi um die Ecke sitzende Bruno Pfeifer den Verlust. Der von der Stadt Fellbach als Einzelhandelskoordinator beschäftigte Julian Deifel hatte sich im Gespräch mit der Redaktion ähnlich geäußert: „Den Laden von Familie Bauerle kenne ich seit Kindheitstagen, deshalb finde ich die Schließung auch persönlich sehr schade“, gab er zu Protokoll – und versprach, bei der Suche nach einem neuen Standort unterstützend zur Seite zu stehen.
Zu Wort gemeldet hat sich nach der Berichterstattung allerdings auch Claudia Bitter, nach dem Tod ihres Vaters Erich Rittberger eine der Miteigentümerinnen des Ladenlokals in der Wohncity. Sie hat eine gänzlich andere Sicht der Dinge – und sich nachhaltig über die Aussagen von Karin Bauerle über die Hintergründe für die Schließung geärgert. „Frau Bauerle hat sich dieses Ergebnis selbst zuzuschreiben, weil sie bei den Verhandlungen um die Verlängerung des Mietvertrags schlicht zu hoch gepokert hat“, heißt es in einer von Claudia Bitter an unsere Zeitung versandten E-Mail. Die Tochter beklagt, dass ihre inzwischen 85-jährige Mutter von der Landwirtsfamilie „absichtlich über den Tisch gezogen werden“ sollte.
Die Miete wurde seit Jahren nicht erhöht
Nach Bitters Schilderung habe Karin Bauerle bei den Gesprächen mit der betagten Vermieterin massiv auf die Tränendrüse gedrückt und gravierende Umsatzeinbußen für den Obst- und Gemüseladen angeführt. Nicht nur durch die lange Bauphase für die Umgestaltung der Cannstatter Straße, sondern auch durch die im Edeka-Markt auf dem Wüst-Areal erwachsene Konkurrenz lohne sich der Laden praktisch nicht mehr, erwirtschaftet werde allenfalls eine schwarze Null. Zum Rückgang der Kundenzahlen komme das Problem mit einem Wasserschaden.
Kurz: Der Laden werfe absolut nichts ab, und es wäre unmöglich, auch nur einen Cent mehr Miete als seither zu bezahlen. Im Umkreis der Wohncity gebe es etliche Ladenlokale, die günstigere Mieten hätten und sich in einem besseren Zustand befinden würden. Just dieser Hinweis bringt nun Claudia Bitter auf die Palme: „Man muss dazu wissen, dass die Miete für den Laden seit 2003 nicht ein einziges Mal erhöht worden ist“, ärgert sie sich über die Darstellung der Geschäftsfrau. Pausenlos sei in den Gesprächen über den Mietvertrag von Karin Bauerle die angeblich langwierige Sanierung des Wasserschadens ins Feld geführt worden.
Der Wasserschaden wurde als Druckmittel benutzt
Dass die Behebung von Baumängeln in einem Komplex wie der Wohncity durch die komplizierte Eigentümerstruktur schwieriger ist als in einem Einfamilienhaus räumt Claudia Bitter durchaus ein. Aus ihrer Sicht wurde der Wasserschaden aber vor allem als Druckmittel benutzt. „Als die Arbeiten tatsächlich erledigt werden sollten, war es nicht möglich, auch einen Termin zu finden, der Frau Bauerle gepasst hätte“, beklagt Claudia Bitter.
Besonders übel nimmt die Tochter den „Früchtle vom Schmidener Feld“, dass sie nicht nur zu hoch gepokert, sondern sich nach Erhalt der Kündigung auch noch als schlechte Verlierer erwiesen hätten. „Frau Bauerle hat nicht nur meine 85-jährige Mutter persönlich zur Rede gestellt und fertig gemacht ob der Unverschämtheit, den Vertrag zu kündigen. Sie hat auch noch die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys auf mich als Mitinhaberin angesetzt, um mit mitleidheischendem Getue eine Entscheidung zugunsten der Familie Bauerle zu erzwingen. Leider waren diese Umstände letztlich der K.o. – und ein No-Go für die Verlängerung des Mietvertrags“, sagt Claudia Bitter.