Ein Blick in den Verkaufsraum des Aidlinger Blumenhandwerks. Foto: /Stefanie Schlecht

Nach 16 Jahren gibt die Floristin Stephanie Brodbeck ihr „Blumenhandwerk“ in Aidlingen auf. „Zu viel ist auf der Strecke geblieben“, sagt sie. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Seit Stephanie Brodbeck sich erinnern kann, gibt es an der Aidlinger Hauptstraße einen Blumenladen. Ganze 16 Jahre lang hat die Floristin ihn selbst geführt. Damit ist es jetzt vorbei. Am 30. November öffnet sich bei Das Blumenhandwerk zum letzen Mal die Eingangstür. „Ich will wieder mehr Zeit für mich“, sagt die 54-Jährige.

 

Als Geschäftsführerin war das für sie bisher nur schwer möglich. Das Blumenhandwerk ist von Montag bis Samstag geöffnet. Das heißt, jeden Tag von 9 bis 18 Uhr im Laden stehen – mit Ausnahme von Samstag und Mittwoch. An diesen Tagen schließt sie bereits um 12.30 Uhr. Kürzer werden Brodbecks Arbeitstage deshalb trotzdem nicht. „Zweimal die Woche bin ich beim Blumengroßmarkt in Stuttgart-Wangen“, erzählt sie. An diesen Tagen steht sie um 3.30 Uhr auf, um rechtzeitig zum Verkaufsstart wieder im Laden zu sein.

Die Sache mit den Blumen und dem Glück

„Glück kann man nicht kaufen, aber Blumen. Und das ist so ziemlich das Gleiche.“ Diesen Spruch hat Stephanie Brodbeck prominent auf ihrer Firmen-Homepage platziert. Er passt auch zu ihrem Laden. Obwohl schon der Abverkauf läuft, sorgen farbenprächtige Blumenarrangements, duftende Schnittblumen und das Gezwitscher aus den Vogelkäfigen hinten im Arbeitsraum weiterhin für ein freundliches Ambiente.

Leider ist die Sache mit den Blumen und dem Glück nicht ganz so einfach. Insbesondere für eine selbstständige Floristin. Wenn Stephanie Brodbeck in diesen Tagen in Kälte und Dunkelheit nach Stuttgart fährt, und sich frühmorgens mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf dem Blumengroßmarkt unterhält, dann gehe es in allen Gesprächen um die harten Arbeitsbedingungen und darum, dass das Handwerk nicht genug Wertschätzung erfahre, berichtet sie. „Es gibt so einige, die daran denken, ihr Geschäft aufzugeben“, sagt die Aidlingerin.

Großen Anteil an dieser Entwicklung habe der Billigtrend in der Gesellschaft. Immer wieder habe sie Kunden, die sich einen Strauß anschauen, aufs Preisschild schauen und dann entsetzt „Was? So teuer!“ ausriefen. „Es fehlt einfach an Akzeptanz für unseren Beruf“, sagt die Betriebschefin. Bei einem Blumengebinde für 30 Euro bleibe nach Abzug von Materialkosten und Arbeitszeit nicht mehr viel Verdienst übrig. Andere Handwerksberufe wie etwa Maler oder Kfz-Mechaniker kommen da aus ihrer Sicht im Vergleich deutlich besser weg. Hinzu komme, dass es Sträuße oder Grabkränze mittlerweile auch billig beim Discounter gebe. „So sehen sie dann allerdings auch aus“, findet sie. Trotz allem Frust ist es offenkundig, wie schwer sich Stephanie Brodbeck mit ihrer Entscheidung tut und wie sehr sie den Beruf liebt, für den sie sich nach ihrem Realschulabschluss an der Mildred-Scheel-Schule entschieden hat.

Bevor sie im August 2007 in Aidlingen den Betrieb von Helmut und Rosie Haimerl übernahm, war sie unter anderem acht Jahre lang beim Floristikbetrieb Blattwerk in Nufringen tätig. Das Aidlinger Geschäft kannte sie schon von Kindesbeinen an – damals, als noch nicht Albert Hahn, sondern seine Eltern den Laden führten.

Auch heute noch ist das Haus im Besitz der Familie Hahn. So weit Stephanie Brodbeck weiß, wird wohl kein Blumengeschäft mehr hier einziehen. Für die Menschen in Aidlingen bleibt dann nur die Fahrt in die umliegenden Orte. „Bald werden nur noch ein paar wenige Betriebe übrig bleiben“, davon ist die 54-Jährige überzeugt.

„Mir tut es vor allem für die Kunden leid“, sagt sie und denkt dabei vor allem an die Menschen, die bei ihr gekauft haben, und die sie gerne bedient hat. Aber jetzt will sie mehr an sich selbst denken, will kürzer treten, sich vielleicht einen Minijob suchen. Nur zu Hause sitzen, das wolle sie auch nicht. Vor allem jedoch möchte sie wieder mehr Zeit mit ihrem Mann, ihren beiden Kinder und ihrem eineinhalb Jahre alten Enkelkind verbringen. „Da ist in den letzten Jahren einfach zu viel auf der Strecke geblieben“, sagt sie.