Pinselstrich vom Meister: KNITZ-Fressesprecher Tom Hörner bei der Lindenberg-Schau in Tübingen Foto: Decksmann

Mal sah er ihn auf der Bühne, mal im Buchladen, mal beim Interview. Jetzt sah er seine Bilder. Eine Verneigung vor der Kunstfigur Udo Lindenberg.

Die Frage scheint berechtigt: Würden die Bilder im Neuen Kunstmuseum von Tübingen hängen, wenn sie nicht von einem gewissen Udo Lindenberg stammen würden?

 

Und doch ist die Frage Quatsch. Genauso könnte man fragen, ob KNITZ jemals zwei Autobiografien gelesen hätte, wenn sie (zumindest in Teilen) nicht von Herrn Lindenberg selbst geschrieben worden wären. Uns Udo, wie er dereinst von Fans und der schreibenden Zunft genannt wurde, ist nicht nur eine Art Personifizierung deutscher Rockgeschichte. Er hat auch was zu erzählen.

Auch in Bildern. Außerdem hat der Maler Lindenberg nicht mit Farbe gespart, was bei KNITZ auf jeden Fall die Laune hebt. Und dann hängen an den Wänden nicht nur echte Lindenbergs, sondern auch vergrößerte Dokumente aus den Archiven der DDR. Stasispitzel kommen zu Wort, aber auch die staatseigene Künstleragentur, die 1975 zum Schluss gekommen war, „dass Lindenberg ein mittelmäßiger Schlagersänger der BRD“ sei und somit kein Interesse bestehe, diesen für einen Auftritt zu verpflichten.

Nach dem Besuch der Ausstellung ließ KNITZ bei der Heimfahrt mit seinem Fressesprecher seine Begegnungen mit Udo Lindenberg Revue passieren. Das erste Mal hatte der Musiker auf einem Poster seine Aufmerksamkeit geweckt. Es hing an der Wand einer Oberschule in Bad Cannstatt – allerdings nur für kurze Zeit. Die Schulleitung hatte erlaubt, die tristen Wände mit Bildern von Stars verschönern zu dürfen. Das Lindenberg-Poster aber musste wieder weg, zeigte es doch den Musiker als Tangotänzer, dessen Hand im weit ausgeschnittenen Rückenteil einer Dame verschwand.

Jahre später saß KNITZ dem leibhaftigen Udo gegenüber, im ehrwürdigen Parkhotel in der Neckarstraße, das bei Stars beliebt war, weil es in direkter Nachbarschaft zum Funkhaus stand. An das Gespräch kann sich KNITZ kaum erinnern, aber daran, dass sein Interviewpartner auf ihn, den Jungjournalisten, extrem locker wirkte und ständig an einem Sektkelch nippte. Da alkoholfreier Prosecco noch nicht erfunden war, würde KNITZ davon ausgehen, dass es sich um Schampus gehandelt hat.

Weitaus eindrücklicher war eine Begegnung im Buchhaus Wittwer am Schlossplatz. Lindenberg, der ehemalige Schlagzeuger, wollte für eine Autobiografie trommeln, die er gemeinsam mit einem Journalisten verfasst hatte. Zufällig stand auch ein Klavier im Raum – und der Musiker strafte mit dem Kurzauftritt im Buchladen all jene Lügen, die behaupteten, dass ihm Singen fremd sei und er seine Songs nur nöle. Ein Gänsehautauftritt, der womöglich sogar die gestrengen Künstleragenten der DDR überzeugt hätte.

Auch auf der Bühne hat KNITZ Lindenberg erlebt, in der Schleyerhalle. Das sehr junge Publikum war begeistert, doch als Lindenberg Songs aus dem damals aktuellen Album „Hermine“ (1988) spielte, eine Hommage an seine Mutter, gingen die Fans nicht mit. Die neu vertonten Chansons aus den 20er und 30er Jahren zündeten nicht. Es gab Pfiffe. Da tat KNITZ der Udo leid.

Aber im Grunde genommen war es auch ein großer Moment. Er zeigte, was passieren kann, wenn ein Künstler konsequent seinen Weg geht und sein Publikum dabei aus den Augen verliert. Aber der Lindenberg hat auch das, wie so vieles andere, überlebt.