Gerti Michl aus Ditzingen sammelte 20 Jahre lang für ihren Mini-Weihnachtsmarkt. Mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie. Klicken Sie sich durch. Foto:  

Gerti Michl aus Ditzingen hat ein so ungewöhnliches wie zeitintensives Hobby gewählt: Die 87-Jährige sammelt Figuren, Porzellangeschirr und Bäumchen, die sie zu einem Weihnachtsmarkt im Miniformat zusammengestellt hat. Manchmal käme eine Lupe recht.

Gerlingen/Ditzingen - Bei Gerti Michl kann man sich drauf verlassen: Die Ditzingerin lädt am Anfang der Adventszeit Freunde zu Kaffee und Kuchen ein. Dabei eröffnet sie ihren Weihnachtsmarkt im Hobbyraum. Dieses Jahr jedoch müssen sich Gerti Michl und ihre Gäste mit Kaffee und Kuchen begnügen. Der Weihnachtsmarkt steht jetzt erst einmal im Gerlinger Stadtmuseum. Die Leiterin Catharina Raible findet ihn so beeindruckend und ungewöhnlich, dass sie ihm eine Ausstellung widmet. „Weihnachtsmarkt im Kleinen“ heißt die Schau, die am Samstag beginnt.

Durchmesser von vielleicht fünf Millimetern

Hunderte Einzelteile hat Gerti Michl binnen 20 Jahren gesammelt. Mit Liebe zum Detail hat sie sie zu einem schmucken Weihnachtsmarkt der 1940er und 1950er Jahre in Miniformat zusammengestellt. Mit dem Weihnachtsmarkt verbindet sie Kindheitserinnerungen. Er zeigt Szenen und erzählt Geschichten, wie das Leben sie spielt: Ein Mädchen und ein Junge ziehen ihr Geschwisterchen im Schlitten, ein Mann schleppt einen Weihnachtsbaum, während seine Frau überlegt, ob sie nicht lieber ein schon dekoriertes Exemplar kauft. Die Großmutter will sich Kaffee und Christstollen gönnen, Kinder bestaunen den Stand mit Spielzeug. Wieder andere Besucher bewundern die Buden mit Haushalts- und Korbwaren oder Baumschmuck.

Christbaumkugeln mit einem Durchmesser von fünf Millimetern

Für einige Gegenstände ist fast eine Lupe nötig: Die bunten Christbaumkugeln haben einen Durchmesser von vielleicht fünf Millimetern, kaum größer sind die Kerzen – und noch viel kleiner die Maronen vom Maroni-Peter. Viele Einzelteile sind Unikate, gefertigt von einem Möbelschreiner und einer Miniatur-Puppenmacherin. Andere Gegenstände kaufte Michl auf Messen oder Antik-Weihnachtsmärkten. „Ich habe mir alles mühsam zusammengesucht“, sagt sie. Miniaturen würden vorwiegend für Puppenstuben und Kaufläden produziert.

Entsprechend Respekt hatte Gerti Michl vor dem Abbau zuhause und dem Aufbau im Museum. „Mir hat davor gegraut. Das ist eine Fitzelarbeit. Für die braucht man ziemlich Geduld, wovon man im Alter aber weniger hat“, gibt Gerti Michl zu und lacht. Mehr als vier Stunden bauten die 87-Jährige und das Museumsteam den Mini-Weihnachtsmarkt auf. Nun strahlt Gerti Michl über das Ergebnis. „Den Weihnachtsmarkt habe ich für mich gemacht. Wenn ich aber ein bisschen dafür geehrt werde, freue ich mich natürlich“, sagt sie. Zumal viel Arbeit und Mühe in ihrer Leidenschaft stecken. Eine Leidenschaft, die sie seit dem Beginn der Rente auslebt. Mit Puppenkursen hat alles angefangen.

Puppen mit eigenem Zimmer

Genäht, gehäkelt und gestrickt hat Gerti Michl immer gern. Doch berufstätig hatte die Ditzingerin wenig Zeit für die geliebte Handarbeit. Zwar lernte sie zunächst Schneiderin, sattelte dann aber auf Kontoristin um. Als kaufmännische Angestellte war sie fast 40 Jahre lang in einem Unternehmen für Elektrotechnik beschäftigt.

Dass man sich fürs Rentenalter ein Hobby suchen müsse, stand für die gesellige Frau immer fest. So besuchte sie die Puppenkurse einer Nachbarin. Als jene wegzog, leitete sie die Kurse selbst. Die Gruppe sei so nett gewesen. Gerti Michl richtete daheim eine Werkstatt ein und fertigte Hunderte Puppen aus Porzellan, die sie hübsch kleidete, ausstellte und verkaufte. Mehr als 100 Stück zieren ihre Wohnung. Es gibt sogar ein Zimmer nur für Puppen. „Mittlerweile verschenke ich sie“, sagt Gerti Michl. Sie will einen Gang zurückschalten.

„Jetzt ist Schluss“ – wirklich?

Der Auslöser für einen eigenen Weihnachtsmarkt war ein einsamer Stand im Schaufenster eines Ladens in den Stuttgarter Königsbau-Passagen. Gerti Michl war fasziniert. Ihr erster Stand war der mit den Haushaltswaren. Eines kam zum anderen, schließlich macht eine einzelne Bude noch lange keinen belebten Markt. Größer soll das Werk nun nicht mehr werden. „Jetzt ist Schluss“, sagt Gerti Michl. Doch so ganz mag man ihr das nicht abnehmen. Und tatsächlich: Schon im nächsten Satz räumt die 87-Jährige ein, dass man ob der Zukunft nie wissen könne. Gut möglich also, dass sie noch weitere Stücke findet, mit denen sie eine Geschichte erzählen kann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: