Cornelia Meyer-Lentl und ihr Kollege Martin Schneider vom Gerontopsychiatrischen Dienst wollen mit dem Tabuthema Demenz brechen. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Cornelia Meyer-Lentl und Martin Schneider vom Gerontopsychiatrischen Dienst Vaihingen wollen 2016 Themenwochen zum Thema Demenz organisieren. Es soll Veranstaltungen in Vaihingen und Möhringen geben.

Filder - Cornelia Meyer-Lentl liegt das Thema am Herzen. Die Teamleiterin des Gerontopsychiatrischen Dienstes (Gerbera) in Vaihingen hat täglich mit demenziell erkrankten Menschen zu tun. Für sie steht fest, dass die Diagnose Demenz nicht der Anfang vom Ende ist, dass es trotz und mit der Krankheit noch viele schöne Momente und lebenswerte Jahre gibt. „Wir wollen die Krankheit entdämonisieren“, sagt Meyer-Lentl.

Mit „wir“ meint sie zum einen ihre Kollegen Theresa John und Martin Schneider von der Gerbera, zum anderen aber auch die vielen Einrichtungen, Beratungsstellen und Ehrenamtlichen, die sich mit dem Thema Älterwerden beschäftigen. Gemeinsam wollen sie im kommenden Jahr die Themenwochen Demenz auf die Beine stellen.

Die Idee ist freilich nicht neu. Vergleichbare Veranstaltungen gab es schon in Feuerbach und Weilimdorf, in Wangen, sowie in Degerloch und Birkach. Ausgangspunkt ist das Netzwerk Demenz, ein Zusammenschluss engagierter Menschen in Stuttgart. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Mehr noch: sie wollen eine „demenzfreundliche Stadt“ entwickeln. Cornelia Meyer-Lentl findet, es wird Zeit, dass sich auch auf den Fildern noch etwas mehr tut. „Wir gehen schon lange damit schwanger, auch bei uns Demenz-Themenwochen zu organisieren.“

Zahl der Veranstaltungen ist eine Kostenfrage

So langsam nimmt die Sache Fahrt auf. Sicher ist, dass die Themenwochen zeitgleich in Vaihingen und Möhringen stattfinden sollen. Die Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann und Wolfgang Meinhardt haben die Schirmherrschaft übernommen. Geklärt werden muss aber noch, ob Veranstaltungen jeweils in beiden Stadtbezirken oder immer nur in einem Stadtbezirk angeboten werden sollten oder ob man das von der Art der Veranstaltung abhängig macht. Wie weit fährt ein potenzieller Zuhörer, um einen bestimmten Vortrag zu besuchen? Oder ist es Betroffenen sogar lieber, wenn sie für eine bestimmte Veranstaltung auf einen anderen Stadtbezirk ausweichen können, weil sie sich für ihre Erkrankung schämen und anonym bleiben wollen? Letztlich ist die Zahl der Veranstaltungen aber auch eine Kostenfrage.

In dieser Woche lud die Gerbera zum zweiten Vorbereitungstreffen ein. Rund 20 Interessierte kamen in die Awo-Begegnungsstätte Salzäcker, so zum Beispiel die Leiter verschiedener Pflegeheime und Begegnungsstätten, Delegierte des Stadtseniorenrats, Mitarbeiter des Bürgerservices Leben im Alter, Vertreter der Kirchen und noch einige mehr. Es gibt viele Gründe, warum sie bei den Themenwochen Demenz mitmachen wollen. So geht es um eine bessere Vernetzung der verschiedenen Akteure in den verschiedenen Stadtbezirken. Darum, bereits vorhandene Angebote bekannter zu machen und neue zu entwickeln. Vor allem aber haben die Organisatoren das Ziel, über die Krankheit aufzuklären und für mehr Verständnis in der Gesellschaft zu werben. Damit ist zum einen der direkte Nachbar, zum anderen aber auch der Mitarbeiter im Laden um die Ecke gemeint. Es geht darum, Berührungsängste im Umgang mit Demenz abzubauen, Angehörige aufzuklären und Ehrenamtlich zu schulen.

Mit dem Tabuthema Demenz brechen

„Wir wollen mit dem Tabuthema Demenz brechen und die Krankheit zum Stadtgespräch machen“, bringt Meyer-Lentl die Sache auf den Punkt. Ein paar erste Bausteine für die Themenwochen hat die Gruppe bereits entwickelt. Sie sind beispielsweise mit „Zu Risiken und Nebenwirkungen“ mit „Demenz hat Recht. Vorsorge ist Fürsorge“ und „Demenz bewegt. Fit von Kopf bis Fuß“ überschrieben. Geplant sind neben den nahe liegenden Fachvorträgen auch Tanzcafés für Menschen mit Demenz, Fitnesskurse, Lesungen, Theaterstücke und Filmvorführungen mit anschließender Podiumsdiskussion. Ein Teilnehmer des Vorbereitungstreffens schlug vor einen Kochkurs anzubieten, in dem es um Fingerfood geht. Eine andere möchte Klangschalen-Massage anbieten.

Noch sind aber freilich viele Fragen offen. Und das Treffen in dieser Woche hat auch gezeigt, wie schwer es ist, viele unterschiedliche Menschen unter einen Hut zu bringen. „Das ist eine große Herausforderung“, gibt Meyer-Lentl zu. Doch letztlich sei es auch interessant, dass bei dem Projekt zum Teil auch Konkurrenten an einem Tisch sitzen, wie beispielsweise die verschiedenen Pflegeheime. Um so mehr freut sich Meyer-Lentl, dass bei den Themenwochen Demenz alle an einem Strang ziehen. „Es geht nicht darum, Kunden zu werben, sondern darum die Gesellschaft für die Krankheit zu sensibilisieren“, sagt sie. Und immerhin sei noch ein bisschen Zeit bis zum Beginn der Themenwochen. Die Teilnehmer des Vorbereitungstreffens einigten sich darauf, dass diese Anfang 2016 stattfinden sollen.

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