Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig hat die Personalakte des Germanwings-Copiloten geprüft, der am Dienstag einen Airbus in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben soll. Er soll die Absturzregion seit seiner Jugend gekannt haben. Derweil verbindet das Gedenken an die Opfer und die Anteilnahme am Leid der Hinterbliebenen Menschen weltweit.

Paris/Braunschweig/Düsseldorf - Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig hat die Personalakte des Germanwings-Copiloten, der am Dienstag einen Airbus in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben soll, geprüft. „Wir haben Einsicht in die Unterlagen genommen und die Erkenntnisse mündlich an die Staatsanwaltschaft gegeben“, sagte Holger Kasperski vom Luftfahrt-Bundesamt am Samstag. „Mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen“, fügte Kasperski hinzu. Andernfalls könne es die Ermittlungen gefährden. Einen sogenannten SIC-Eintrag in der Akte wollte der Behördensprecher nicht bestätigen. Ein solcher Eintrag steht für besondere regelhafte medizinische Untersuchungen. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass der 27-Jährige am Unglückstag eigentlich krankgeschrieben war. Über die Art der Erkrankung bewahrten die Ermittler Stillschweigen.

Copilot soll Absturzregion gut gekannt haben

Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine soll die Unglücksregion in den Alpen seit seiner Jugendzeit gut gekannt haben. Am Absturzort des Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen setzten Bergungskräfte am Samstag ihre Arbeit fort. Die Lufthansa sicherte den Hinterbliebenen finanzielle Soforthilfe zu.

Die Eltern des Germanwings-Copiloten kamen zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur zum Fliegen in französischen Alpen, wie Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französische Sender iTele sagte. Die Eltern seien mit ihrem Sohn gekommen, der damals Heranwachsender war. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle. Er selbst habe die Familie dort nie getroffen, doch deren Aufenthalte seien im Club allgemein bekannt, sagte Kefer der Deutschen Presse-Agentur. Der Flugverein von Seyne-les-Alpes, noch näher am Katastrophenort gelegen, hat indes keine Hinweise auf einen früheren Aufenthalt der Familie des Copiloten. „Wir haben dazu nichts gefunden“, sagte ein Verantwortlicher, der namentlich ungenannt bleiben wollte.

Der Copilot hatte nach Erkenntnissen der Ermittler vor seinem Arbeitgeber Germanwings eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder entdeckten in der Wohnung des 27-Jährigen „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitag mitteilte. Über die Art der Erkrankung wurde nichts mitgeteilt, die Ermittler hatten aber nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden gesucht. Ein Abschiedsbrief oder ein Bekennerschreiben wurden nicht gefunden.

Nachdem am Freitag bereits die „Bild“-Zeitung über starke psychische Probleme des Copiloten berichtet hatte, gab es am Samstag weitere Berichte mit Details dazu. Eine offizielle Bestätigung dafür fehlte aber weiterhin. Das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig überprüfte nach Angaben seines Sprechers die Personalakte des Germanwings-Copiloten. „Wir haben Einsicht in die Unterlagen genommen und die Erkenntnisse mündlich an die Staatsanwaltschaft gegeben“, sagte Holger Kasperski. „Mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen“, fügte er hinzu. Andernfalls seien die Ermittlungen gefährdet.

Auch einen sogenannten SIC-Eintrag in der Personalakte wollte der Sprecher nicht bestätigen. Ein solcher Eintrag steht für besondere regelhafte medizinische Untersuchungen.

Der Germanwings-Copilot war als Jugendlicher dem Flugverein LSC Westerwald beigetreten und hatte dort das Segelfliegen gelernt, wie der Vereinsvorsitzende Klaus Radke schon am Donnerstag bestätigte. Im vergangenen Herbst habe der 27-Jährige dort Flüge zur Verlängerung seiner Segelfluglizenz gemacht. „Da habe ich ihn als sehr netten, lustigen, höflichen Menschen kennengelernt.“ Die Internet-Seite des LSC Westerwald war nach den Meldungen aus Frankreich nicht mehr abrufbar.

Lufthansa will wohl Soforthilfe zahlen

Die Bergungskräfte suchten am fünften Tag in Folge nach den sterblichen Überresten der Absturzopfer und nach dem zweiten Flugschreiber. Er soll weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern. Das französische Fernsehen zeigte, wie Hubschrauber erneut in den Einsatz flogen. Rechtsmediziner arbeiten an der Identifizierung der sterblichen Überreste, die schon ins Tal gebracht wurden.

Aus den Aufnahmen des schon gefundenen Stimmenrekorders schließen die französischen Ermittler, dass der Copilot von Flug 4U 9525 den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit 150 Menschen an Bord mit voller Absicht auf Todeskurs gebracht hat.

Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte einen „Tagesspiegel“-Bericht, wonach der Konzern den Angehörigen der Opfer eine Soforthilfe zahlen will. „Lufthansa zahlt bis zu 50.000 Euro pro Passagier zur Deckung unmittelbarer Ausgaben“, zitierte die Zeitung einen Germanwings-Sprecher. In der Nähe der Absturzstelle eröffnet Germanwings am Samstag ein Betreuungszentrum für Angehörige.

Wenige Kilometer von der Unglücksstelle entfernt haben am Samstag Hunderte Menschen der Opfer des Flugzeugabsturzes vom Dienstag gedacht. Mit ganzseitigen Anzeigen in großen deutschen Tageszeitungen bekundeten die Lufthansa und ihre Tochter Germanwings den Hinterbliebenen der Absturzopfer ihre Anteilnahme. Auch Angehörige der Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Fluges MH370 bekundeten ihr Beileid. „Wir geben ihnen unsere Unterstützung in diesen herzzerreißenden Zeiten“, erklärten sie auf Facebook.

Im Kölner Dom soll am 17. April mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer des Flugzeugabsturzes vom vergangenen Dienstag gedacht werden. Erwartet werden dazu neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten.

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