Flug 4U 9525 hat den Zielflughafen Düsseldorf nicht erreicht – mit 150 ­Menschen an Bord ist der Airbus abgestürzt Foto: picture alliance

Der Absturz der Germanwings-Maschine mit wahrscheinlich 150 Todesopfern hat für den Mutterkonzern Lufthansa auch wirtschaftliche Folgen. Der Nimbus der Zuverlässigkeit steht auf dem Spiel.

Das Krisenmanagement

Im Auswärtigen Amt (AA) ist nach dem Absturz eines 24 Jahre alten Airbus-Jets vom Typ A320 in den französischen Alpen ein Krisenstab eingerichtet worden. Dort laufen die Fäden zusammen. Beteiligt sind unter anderem das Verkehrsministerium, das Luftfahrtbundesamt, das Bundeskriminalamt und die Lufthansa. Unter der Rufnummer 030 / 50 00  30 00 können sich Angehörige informieren.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der gemeinsam mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt zur Absturzstelle in den französischen Alpen gereist war, äußerte sich erschüttert: „Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens“, sagte Steinmeier nach einem Überflug über die Unfallstelle. Alle müssten den Hinterbliebenen jetzt gemeinsam beistehen, sagte der Außenminister.

An diesem Mittwoch will auch Bundeskanzlerin ­Angela Merkel nach Südfrankreich reisen. Zugleich begannen die Planungen, wie die Opfer nach Deutschland zurückgebracht werden. Bei der Luftwaffe hieß es, sei noch kein Amtshilfeersuchen für eine Rückführung mit einer Bundeswehr-Maschine eingetroffen. Eine Beteiligung der Bundeswehr an einem solchen Einsatz sei aber „nicht unüblich“.

Der Konzern

Bis zu diesem Dienstag hatte die Marke Germanwings im Lufthansa-Konzern einen guten Klang. Doch mit dem Absturz verbindet sich mit dem Namen der Kölner Lufthansa-Tochter auf einen Schlag nicht nur Trauer um wahrscheinlich 150 Todesopfer. Für den Konzern steht auch der Nimbus der technischen Zuverlässigkeit auf dem Spiel.

Der Unfall trifft das Unternehmen wirtschaftlich ins Mark. Hohe Pensionslasten, Fehlspekulationen beim Kerosin und die fortgesetzten Arbeitskämpfe haben den ­Gewinn des Dax-Konzerns 2014 fast auf null schmelzen lassen. Noch ist nicht entschieden, ob Konzernchef Carsten Spohr die Piloten und auch die übrigen Berufsgruppen auf einen harten Sparkurs bringen kann.

Angesichts des Absturzes denkt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) derzeit nicht über einen neuen Streik bei der Lufthansa nach. „Wir sind entsetzt und betroffen und haben daher im Moment ganz andere Sorgen“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Den Beweis, dass Lufthansa neben einem Premium-Angebot auch billig kann, muss Spohr noch antreten. In seinen Planungen spielt Germanwings eine zentrale Rolle.

Die 2002 gegründete Airline mit ihren aktuell knapp 90 Maschinen hat seit 2012 nach und nach den verlustreichen innerdeutschen und innereuropäischen Verkehr der Lufthansa übernommen, der nicht von den Drehkreuzen Frankfurt und München abgewickelt wird. Hauptflughäfen für die in Köln ansässige Lufthansa-Tochter sind Berlin, Köln, Stuttgart und Hannover. Gleichzeitig hat die Lufthansa Germanwings als Antwort auf die Billigflieger-Konkurrenz von Ryanair oder Easyjet aufgestellt. Aber die Tage der Germanwings sind gezählt. Sie wird noch im Laufe des Jahres in die neue Eurowings aufgehen, die künftig für die Billig-Strategie der Lufthansa auf ­allen Strecken steht.

Technik, Versicherer und Stuttgart

Die Technik

Das abgestürzte Germanwings-Flugzeug ist laut Fluggesellschaft mit neuester Computertechnik ausgestattet gewesen. Ein Technikproblem, wie es kürzlich bei einer Lufthansa-Maschine aus derselben Airbus-Familie bekanntgeworden war, sei daher bei dem Unglücksflieger nicht zu erwarten. Das sagte der Leiter des Flugbetriebs bei Germanwings, Stefan-Kenan Scheib, in Köln.

Ein Airbus A321 der Lufthansa wäre einem „Spiegel“-Bericht zufolge beinahe auf dem Flug von Bilbao nach München abgestürzt. Auslöser des Zwischenfalls am 5. November 2014 waren demnach vereiste Sensoren. Sie hätten das Computersystem des Flugzeugs mit falschen Daten gefüttert. Bei dem am Dienstag abgestürzten Flugzeug handelt es sich um einen Airbus A320.

Scheib wollte sich nicht dazu äußern, warum die Maschine vor dem Unglück in einem achtminütigen Sinkflug war. Es könne „viele Gründe“ dafür geben. Allerdings bestätigte die Lufthansa am Dienstagabend, dass der verunglückte Airbus am Montag wegen technischer Probleme in Düsseldorf am Boden stand. Es habe ein Problem an der Nose Landing Door gegeben, sagte eine Lufthansa-Sprecherin.

Die Nose Landing Door ist „Spiegel online“ zufolge eine Klappe, die sich am Rumpf öffnet und schließt, wenn das Bugrad aus- und eingefahren wird. „Das ist kein sicherheitsrelevantes Thema, sondern ein Geräuschthema. Das Problem wurde routinemäßig behoben“, betonte die Lufthansa-Sprecherin. Antworten auf die Unglückursache erhofft man sich nun von der Auswertung der zwei Blackboxes, also die Flugschreiber des Fliegers.

Der Versicherer

Die Allianz hat als Versicherer des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs ihre Anteilnahme bekundet. „Es wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angemessen, dieses tragische Ereignis zu kommentieren. Wir können nicht mehr sagen, als dass unsere Gedanken bei jenen­ sind, die von diesem Unglück betroffen sind.“

Der Standort Stuttgart

Auf dem Flughafen Stuttgart gibt es täglich etwa 40 Starts und 40 Landungen von Germanwings-Maschinen. Das entspricht gut einem Drittel aller Flugbewegungen. Eingesetzt werden fast ausschließlich Flugzeuge des Typs A319, die nach Angaben der Stuttgarter Flughafengesellschaft auch den Großteil der Germanwings-Flotte ausmachen. Auf gut ausgelasteten Flügen setze Germanwings aber auch den mit etwas mehr Sitzen ausgerüsteten A320 ein. In der Periode des Sommerflugplans, der am 29. März in Kraft treten wird, sollen von Stuttgart aus zwei Maschinen dieses Typs nach Berlin und Hamburg eingesetzt werden, heißt es. Drei Flüge von Stuttgart aus nach Hamburg, Leipzig und Dresden wurden am Dienstag kurzfristig gestrichen.

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