Der Stimmrekorder des in den Alpen abgestürzten Airbus A320 Foto: AP

Stürzt irgendwo auf der Welt ein Flugzeug ab, erwartet die Öffentlichkeit, möglichst schnell die Gründe für die Katastrophe zu erfahren. Die „Spiel­regeln“ bei der Aufklärung des Unglücks sind weltweit überall dieselben.

Seyne-les-Alpes - Was geschah an Bord von Flug 4U 9525?
Der Absturz des Germanwings-Airbus in den Alpen gibt viele Rätsel auf, die es zu lösen gilt. Grundsätzlich laufen nach einem Flugzeugabsturz die Ermittlungen des Unfallhergangs und der Unglücksursachen immer nach dem gleichen Prozedere ab. Unfallermittler der betroffenen Fluggesellschaft, des Flugzeugherstellers und der betreffenden Luftfahrtbehörde begeben sich an den Unfallort und nehmen die Ermittlungen auf. Besteht Verdacht auf eine Straftat wie einen Bombenanschlag, schalten sich zusätzlich die entsprechenden polizeilichen Behörden in die Ermittlungen ein.
Was ist mit der Schuldfrage?
Die Untersuchung gleicht oft einem gigantischen Puzzlespiel und dauert Monate, manchmal sogar Jahre. Die Ergebnisse münden schließlich in einem offiziellen Untersuchungsbericht. Basis dieser Arbeit ist ein spezielles Regelwerk der internationalen Zivilluftfahrtbehörde ICAO, einer Unterorganisation der UN, das auch kurz als Chicagoer Konvention bezeichnet wird. Des Weiteren wurde im Regelwerk der ICAO festgelegt, dass es bei den Unfalluntersuchungen ausschließlich darum geht, künftige Unglücke zu vermeiden. Juristische Schuld- und Haftungsfragen bleiben ausdrücklich unberücksichtigt. Diese müssen die Betroffenen – also zum Beispiel die Hinterbliebenen – in eigenen Verfahren gegenüber der Fluggesellschaft, dem Flugzeughersteller oder anderen Verantwortlichen geltend machen.
Wie wird untersucht?
Wesentliche Informationen erhalten die Unfallermittler dabei vor allem aus drei Quellen: den gefundenen Wrackteilen, dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder. Gerade die Analyse der Wrackteile hat am auffälligsten die Ähnlichkeit mit einem Puzzle. Der Aufwand ist teilweise gigantisch. So wurden von der 1996 über dem Nordatlantik verunglückten Boeing 747 der Fluggesellschaft TWA 98 Prozent aller Teile vom Meeresgrund geborgen. Die Stücke variierten von der Größe einer Münze bis zu neun Meter langen Wrackstücken. Insgesamt durchkämmten dazu Krabbenkutter, ausgestattet mit speziellen harkenähnlichen Geräten, zehn Monate lang den Ozeanboden in 40 Meter Tiefe auf einer kreisförmigen Fläche mit einem Durchmesser von acht Kilometern. Eine Million Stücke wurden dabei geborgen und in einem ehemaligen Flugzeughangar in Calverton auf Long Island wieder zusammengesetzt. Mit Erfolg: An einigen Wrackteilen im Bereich des mittleren Tanks fanden sich Ruß- und Brandspuren, sonst nirgendwo am Flugzeug. Das war ein Hinweis darauf, dass möglicherweise der mannshohe Tank unter der Kabine zwischen den Tragflächen explodiert war. Die Kosten der gesamten Ursachenermittlung: rund 100 Millionen US-Dollar (88 Millionen Euro). Ein solcher Aufwand wird aber nur getrieben, wenn man nur so Aufschlüsse über eine Absturzursache erhält. Viele Unglücke lassen sich auch mit einfacheren Mitteln und zu geringeren Kosten klären.
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