Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war laut Staatsanwaltschaft nicht flugtauglich. Foto: dpa-Zentralbild/euroluftbild.de

Seine Suizidgedanken verschwieg Germanwings-Pilot Andreas L. offenbar seinem gesamten persönlichen Umfeld. Im Netz suchte er indes nach tödlichen Medikamenten-Cocktails.

Düsseldorf - Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat im Internet nach Zyankali, Valium und tödlichen Medikamenten-Cocktails gesucht - offenbar um sich allein das Leben zu nehmen. Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Offiziell war bislang nur bekannt, dass sich Andreas L. über „Möglichkeiten der Selbsttötung“ informiert hatte.

Den Ermittlern zufolge hatte der 27-Jährige seine Suizidgedanken niemandem offenbart: Weder Angehörige, Ärzte noch Arbeitgeber hätten davon etwas gewusst, hieß es am Freitag. L. habe sich sogar über Patientenverfügungen informiert, offenbar für den Fall, dass ein Suizid misslingen könnte. Im Dezember 2014 habe er begonnen, zahlreiche Ärzte aufzusuchen. Davor seien fünf Jahre lang keine gesundheitlichen Auffälligkeiten feststellbar.

46 Patientenakten ausgewertet

Nach Angaben der Ermittlern klagte L. ab Dezember über massive Seh- und Schlafstörungen. Neurologen seien von einer Angststörung ausgegangen. Ein Mediziner habe einen „psychosomatischen Beschwerdekomplex“ diagnostiziert. Diese Krankschreibung habe Lubitz seinem Arbeitgeber aber vorenthalten. Die Ermittlerkommission „Alpen“ habe 46 Patientenakten von L. ausgewertet.

Die deutschen Ermittler sehen derzeit neben dem Copiloten niemanden, der für den Absturz der Germanwings-Maschine mitverantwortlich sein könnte. Somit gibt es nach deutschem Recht bislang keinen Ansatzpunkt für ein Strafverfahren. Die Ermittlungen dauern aber noch an, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Die Behörde trat dem Eindruck entgegen getreten, sie habe die Übernahme der Strafverfolgung von den französischen Behörden abgelehnt. Ein solches förmliches Ersuchen sei bislang nicht eingegangen, teilte ein Behördensprecher mit.

Der französische Staatsanwalt Brice Robin hatte angekündigt, er werde das Verfahren weiterführen. Für einen möglichen Prozess wäre damit ein Gericht in Marseille zuständig. Nach Angaben des Staatsanwaltes hat er seinen Kollegen in Düsseldorf angeboten, das Verfahren zu übernehmen, da der Copilot, die meisten Opfer sowie die Fluggesellschaften aus Deutschland stammen. Auf das Angebot sei die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf aber nicht eingegangen.

Schüler von Haltern werden beigesetzt

Copilot L. soll den Airbus am 24. März auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die meisten Opfer stammten aus Deutschland. Die 16 verunglückten Schüler aus Haltern am See sollen von diesem Freitag an beigesetzt werden.

Laut französischer Staatsanwaltschaft war der Copilot fluguntauglich. „Er war nicht mehr in der Lage, ein Flugzeug zu fliegen“, hatte Staatsanwalt Brice Robin in Paris gesagt. Der 27-Jährige sei instabil und psychisch krank gewesen.

Die Marseiller Staatsanwaltschaft will auch eine mögliche Verantwortung der Fluggesellschaft und der Konzernmutter Lufthansa klären. Es gebe aber bisher keinerlei Beweise, dass Germanwings oder Lufthansa Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand des Copiloten gehabt hätten.

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