Hou Yao kommt aus aus Shenzhen Foto: Baumann

In den vergangenen Jahren hat der Tanzsport in China Fuß gefasst. Das spiegelt sich auch bei den diesjährigen German Open Championship in Stuttgart wieder. „Ich finde das gut. Tanzen ist gesund und macht glücklich“, sagt der chinesische Starter Hou Yao.

Stuttgart - Wenn man in die Gesichter von Hou Yao und Zhuang Ting schaut, bekommt man eine Ahnung, weshalb China als Land des Lächelns bezeichnet wird. Die pure Freude und auch ein bisschen Stolz strahlt das Tanzpaar aus der Volksrepublik im voll besetzten Beethoven-Saal aus. Im vergangenen Jahr belegten die beiden bei den German Open Championships (GOC) in Stuttgart noch den fünften Platz beim WDSF PD Super Grand Prix Latein der Professionals – diesmal hat es für Rang vier gereicht. Bronze, das sie bei den den Weltmeisterschaften im Mai auf heimatlichem Terrain in Shijiazhuang geholt hatten, haben sie nur ganz knapp verpasst.

Ja, China bewegt sich. In zahlreichen Parks der großen Städte beobachtet man seit vielen Jahren tanzfreudige Seniorinnen und Senioren bei Tango-, Walzer- und Rumba-Musik. Das Internet ist voll von Berichten über die sogenannten „Damas“ – ältere Frauen, die das Hobby besonders exzessiv betreiben. Auf hundert Millionen wird ihre Zahl im gesamten Land geschätzt. „Ich finde das gut. Tanzen ist gesund und macht glücklich“, sagt Hou Yao.

Die Zahl der chinesischen Paare beim Stuttgarter Turnier steigt

In den vergangenen Jahren hat auch der Tanzsport in China Fuß gefasst. Der wachsende Wohlstand der Mittelschicht und der Wunsch nach kreativen Freizeitaktivitäten sind hierfür der Hauptgrund. Mittlerweile gibt es vier staatliche Tanzschulen mit 4000 Paaren. „Da ist sehr schnell sehr viel passiert“, sagt Hou Yao. Das spiegelt sich auch bei den diesjährigen GOC wieder.

Waren 2017 noch 130 Paare am Start sind diesmal 210 nach Stuttgart gereist. Doch nicht nur die Masse hat zugenommen – auch die Klasse. Bei fast allen Wettbewerben der Erwachsenen steht ein chinesisches Paar im Finale. „Für jeden chinesischen Tänzer ist es ein Traum bei den GOC zu starten“, sagt der Hou Yao, der vor sieben Jahren erstmals in Stuttgart am Start war und zu den Pionieren zählt. „Damals waren wir mit vier Paaren vertreten“, sagt der charismatische 32-Jährige aus Shenzhen, einer Stadt in der Nähe von Hongkong. Dort lebt und trainiert er mit Zhuang Ting. Die beiden sind seit 15 Jahren ein Paar – privat und auf dem Parkett.

Austausch mit den Verbänden aus Russland und Deutschland

Hou Yao ist ein Naturtalent und kam erst mit 17 Jahren zu diesem Sport. Weil sein Schulabschluss für ein Studium zu schlecht war, ist er an eine Tanzakademie gegangen und zählte schon im ersten Jahr zu den Besten. Auch das Publikum in Stuttgart war begeistert vom Auftritt des chinesischen Duos. Er in Schwarz, sie in schwarz-weißen Kleid mit weißen Fransen, das ein Symbol für pure Leichtigkeit zu sein scheint. Das Dauerlächeln gehört zum Geschäft. Dabei ist das Ganze ein Knochenjob. Nur dürfen das weder die Zuschauer noch die Wertungsrichter merken. Deshalb trainieren auch Hou Yao/Zhuang Ting bis zu acht Stunden täglich, inklusive Konditionsübungen, um ihre Kunst mühelos erscheinen zu lassen.

Geld verdient sich Hou Yao als Tanzlehrer, mit Wettbewerben und mit Show. „Für den Nachwuchs in China brauchen wir aber noch mehr gute Trainer“, sagt er. Deshalb begrüßt er den Austausch mit den Verbänden aus Russland und Deutschland. Im vergangen Jahr war eine Delegation mit 25 Personen aus der Provinz Zhejiang beim Tanzverband Baden-Württemberg (TBW), und Landestrainer Joachim Krause unterrichtete die chinesischen Trainer in Zusammenarbeit mit Kadermitgliedern des TBW in Standard und Latein. Auch Hou Yao und Zhuang Ting wollen noch besser werden und irgendwann Geschichte schreiben als erste Tanzweltmeister aus China.

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