Starten bei den GOC: Eva und Thomas Hassa Foto: StN

Bei den German Open Championships in Stuttgart nehmen erstmals Rollstuhlfahrer teil

Stuttgart - Für Thomas Hassa und seine Frau Eva führte der Weg zueinander über den Sport. Vor zehn Jahren waren beide auf der Suche nach einem Tanzpartner. Thomas hatte seit seiner Jugend auf dem Parkett gestanden, dann aber aus familiären Gründen pausiert; Eva war über ihren Bruder und dessen Frau – die sich ebenfalls über den Sport kennenlernten – zum Tanzen gekommen.

Nachdem sie zunächst mit einer Freundin getanzt hatte, fand sie Thomas über eine Tanzpartnersuche. „Eigentlich habe ich damals Ausschau nach einer Fußgängerin gehalten“, erzählt der 43-jährige Duisburger. Eingewilligt hat er damals trotzdem, es mit Eva, die seit ihrer Geburt im Rollstuhl sitzt, zu versuchen – bereut hat er es nie. Seit sechs Jahren sind die beiden sogar verheiratet.

Im Rahmen der German Open Championships (GOC), dem größten Tanzturnier der Welt, bei dem sich vom 11. bis 15. August über 4500 Paare aus 57 Nationen messen, starten die Duos aus einem Rollstuhlfahrer und einem „normalen“ Tänzer zum ersten Mal. Thomas und Eva Hassa, die 2014 und 2015 deutsche Vizemeister wurden, messen sich am 15. August (ab 15.10 Uhr/Beethovensaal) mit sieben weiteren Paaren – darunter auch Duos aus Malta und den Niederlanden.

Rollstuhlfahrer im Wettbewerb: Deutschland hat Nachholbedarf

„Für uns ist es großartig, eine solche Bühne auch in Deutschland zu bekommen“, sagt der 43-Jährige vor der Premiere in Stuttgart, bemängelt aber, dass es in anderen Ländern schon normal sei, dass die Wettbewerbe der Rollstuhlfahrer in die Turniere der so genannten Lauftänzer integriert sind. Hier besteht in Deutschland Nachholbedarf.

Thomas Hassa meint, dass zu wenige Leute bislang den Mut haben, sich gemeinsam mit einem Körperbehinderten aufs Parkett zu wagen – die Anzahl an deutschen Paaren ist deshalb noch überschaubar. Auch die Ausgaben sind mit jenen der Lauftänzer vergleichbar: Bekleidung und ein professioneller Rollstuhl kosten Geld. Hinzu kommt, dass die Anfahrtswege oft lang sind. Ein mit dem GOC vergleichbares Turnier findet beispielsweise in Steenwijk in den Niederlanden statt – all das seien Gründe, die hierzulande zusätzlich hemmen, Rollstuhltanz zu betreiben, meint Hassa.

Nicht nur aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen meint Thomas Hassa, der zwei bis drei Trainingseinheiten in der Woche mit seiner Frau absolviert, dass sich das Tanzen mit einem Rollstuhlpartner mit dem der Lauftänzer vergleichen lässt. Aus sportlicher Sicht sei es sogar mindestens genauso anspruchsvoll. Vor allem das gegenseitige Vertrauen und die Teamarbeit spielen eine noch größere Rolle. „Während beim Lauftanzen doch irgendwie jeder für sich alleine tanzt“, sagt Hassa, „muss man sich beim Rollstuhltanz noch viel mehr aufeinander verlassen. Auch das Körpergefühl ist noch wichtiger.“ Der Duisburger muss es wissen, denn nebenher tanzt er auch noch zwei Mal wöchentlich mit einer Fußgängerin. Auf Wettkampfebene jedoch weit weniger erfolgreich als mit seiner Eva.

In Stuttgart bei den GOC bekommen die beiden nun eine Bühne, um ein Ausrufezeichen zu setzen. Eva Hassa freut sich auf den Tanz um Akzeptanz und meint: „Für uns steht weniger das sportliche Abschneiden im Vordergrund, sondern eher, dass wir zeigen, dass Rollstuhl-Tanz auch Sport ist.“

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