German Masters Das Supermodel im Viereck

Von Jürgen Kemmner 

Leichtigkeit ohne Ende: Isabell Werth und ihre Stute Bella Rose. Foto: dpa
Leichtigkeit ohne Ende: Isabell Werth und ihre Stute Bella Rose. Foto: dpa

Mit ihren Pferden Gigolo und Satchmo hat Isabell Werth schon große Dressur-Erfolge gefeiert – doch redet die 45 Jahre alte Reiterin von Bella Rose, gerät sie ins Schwärmen wie nie zuvor. Mit ihr will sie in den nächsten Jahren in neue Sphären reiten.

Stuttgart - Bella Rose macht mächtig Eindruck. Einige Menschen beharren darauf, dass sie bei Reitturnieren beobachtet haben, dass sich Hengste in Richtung der zehnjährigen Fuchsstute umgedreht hätten. Pferdefreunde, besonders die Dressurreiter, sind sowieso hellauf begeistert von Bella Rose. Vor allem Isabell Werth. „Sie ist das beste Pferd, das ich je hatte“, sagt die Rheinbergerin – und die mit vielen Olympia-, WM- und EM-Medaillen ausgezeichnete Dressur-Ikone hat schon viele exzellente Rösser unterm Sattel gehabt. Mit Gigolo (1994, 1998) und Satchmo (2006) wurde sie Weltmeisterin.

Die Zuschauer beim Stuttgarter Reitturnier dürfen sich auf das vierbeinige Supermodel im Viereck freuen. Erstmals seit ihrer Verletzung – Bella Rose zog sich im Sommer bei der WM in Caen eine Huflederhautentzündung zu – präsentiert sich Isabell Werth wieder bei den Lektionen mit ihrer Wunderstute. „Sie war sehr gut in Form, dann kam diese blöde Verletzung“, sagt die 45 Jahre alte Amazone, „jetzt will ich sie für die EM im nächsten Jahr in Aachen bei ausgewählten Turnieren wiederaufbauen.“ Im Weltcup wird Werth deshalb Don Johnson satteln, sie möchte ihren neuen Liebling nicht durch zu viele Wettbewerbe überlasten; sie möchte zu viele Auftritte in der Halle vermeiden, weil die Stute in der engen Atmosphäre womöglich negativ reagiert.

Denn die Tochter von Belissimo aus Bochumer Zucht ist erst zehn Jahre alt, für ein Dressur-Pferd steht sie am Anfang ihrer Entwicklung. Gemessen an ihrem Alter zeigt Bella Rose überragendes Talent in allen Gangarten, vor allem bei Piaffe und Passage staunt selbst die erfahrene Dressur-Reiterin immer wieder über die gebotene Leichtigkeit. „Sie ist von einer Sensibilität und Feinheit, die ich noch nie erlebt habe“, schwärmt Isabell Werth. Sie hat die Stute gekauft, als diese drei Jahre alt war, „sie hat körperlich und geistig so viel Qualität wie kein Pferd zuvor.“ Sie ist nie frech, nie böse, nie hysterisch. Aber sie ist ehrgeizig, Werth musste das Tier im Training schon mehrfach mit Pausenzucker ablenken und bremsen. „Sie möchte keine Fehler machen“, sagt die mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin, „die Fehler mache ich.“

Fehler aber sollen vermieden werden. Bei der Ausbildung hilft Werth ihr immenser Erfahrungsschatz, ganz besonders die Zeit mit Satchmo. Der 20 Jahre alte Wallach, der 2011 in der Schleyerhalle aus dem Turniersport verabschiedet worden war, galt als schwieriger Charakter, als sehr temperamentvoll und emotional. Werth trieb er mehrfach an den Rand eines Wutausbruchs – und gelegentlich sogar darüber hinaus. „Satchmo war mein bestes Lehrpferd“, sagt die Reiterin heute respektvoll, „im Umgang mit ihm habe ich wahnsinnig viel gelernt – das kommt nun meinen Pferden zugute.“

Isabell Werth gönnt Bella Rose Zeit zur Entwicklung, sehr viel Zeit. „So viel Zeit hat noch nie ein Pferd bei mir bekommen“, betont sie. In zwei Jahren sieht sie die Stute am Höhepunkt ihres Schaffens, rechtzeitig zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Der Start in der Schleyerhalle stellt den ersten Schritt des Paares nach Rio dar – vielleicht erlebt die internationale Reitszene in zwei Jahren in Brasilien dann ja auch ein Supermodel im Viereck.

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