Klaus Doldinger bei seinem Auftritt in der Spardawelt Foto: Frank Eppler

Er hat die Filmmusiken für „Tatort“, „Die unendliche Geschichte“ und „Das Boot“ geschrieben, rund zweitausend Kompositionen gehen auf das Konto des Saxofonisten Klaus Doldinger.Dafür ist der 80-Jährige in Stuttgart mit der German Jazz Trophy geehrt worden.

Stuttgart - er Mann hat gut lachen. Sagen wir es mit Udo Lindenberg, dem früheren Schlagzeuger und großen Bewunderer von Klaus Doldinger: „Der Greis ist heiß.“ Ein paar ­Wochen nach dessen achtzigstem Geburtstag, der mit einem spektakulären Konzert in Düsseldorf gefeiert wurde, bei dem der genau zehn Jahre jüngere Lindenberg trommelte, sang und nuschelte, erhält der Jubilar nun in Stuttgart die German Jazz Trophy für sein ­Lebenswerk. Mit „Old Friends“ – darunter die gleichaltrigen Wolfgang Dauner und Manfred Schoof – begeistert der kleine Mann mit dem großen Saxofon-Ton beim Preisträgerkonzert in der Spardawelt am sommerlichen Freitagabend.

Zuvor hat der Laudator Andreas Kolb die Vita Doldingers skizziert und dessen Leistungen gewürdigt. Der gebürtige Berliner und seit Langem in Oberbayern lebende Saxofonist erhält aus den Händen vom Sparda-Chef Martin Hettich und dem Opus-Geschäftsführer Jürgen Schlensog eine farbenfrohe Kleinplastik des Bildhauers O. H. Hajek und 15 000 Euro Preisgeld auf sein Girokonto.

Dieses dürfte ohnehin ganz gut gefüllt sein, denn der rührige Holzbläser Klaus Doldinger gilt als nicht gerade unterversorgt mit seinen erfolgreichen Filmmusiken für den „Tatort“, „Die unendliche ­Geschichte“ oder „Das Boot“, mit seinen zweitausend Kompositionen und insgesamt über fünftausend Liveauftritten in fünfzig Ländern.

Das unterscheidet ihn von der Mehrzahl deutscher Jazzer, die einer aktuellen Studie zufolge durchschnittlich mit gerade einmal tausend Euro im Monat auskommen müssen. Wie gesagt: Der Mann hat gut lachen. Wie gut er spielen kann, ob seine Kompositionen zünden, erweist sich beim Konzert, das mit launigen Ansagen, witzigen ­Anekdoten und einer Messerspitze Ironie ­gewürzt ist.

Das Saxofon klingt bluesig und sehnsuchtsvoll

Es beginnt mit einem charmanten musikalischen Dialog und ein paar hingetupften E-Bass-Klängen von Wolfgang Schmid, dem Weggefährten aus vergangenen Passport-Zeiten, auf die Doldinger mit seinem Tenorsaxofon antwortet. Der Schlagzeuger Obi Jenne, das Küken im Quintett, das es insgesamt auf stolze 353 Jahre bringt, steigt kraftvoll ein, Dauner begleitet rhythmisch gewitzt und geschmackvoll swingend, der Trompeter Manfred Schoof spielt einen melancholisch ­angehauchten Chorus, und der Preisträger macht sich mit einer Passport-Nummer warm. Das tut er zwar nicht ganz klischeefrei, aber es kommt ausgesprochen gut an. „Yellow Cab“, ein anderes Doldinger-Stück, gleitet geschmeidig durch den Klangraum und evoziert Bilder von nächtlichen Taxifahrten durch New York, von Pfützen, in denen sich flackernde Neonlichter spiegeln, von einem Nachtclub, in dem heißer Rock-Jazz gespielt wird. Gerade so, wie ihn diese fünf German Jazz Masters hier zelebrieren.

Dauners meditativer „Wendekreis“ und „Like Don“, eine Don Cherry gewidmete Nummer von Manfred Schoof, werden vorgestellt und dann Doldingers „Abracadabra“ von 1973, als er vor Dauners Et Cetera beim Frankfurter Jazzfestival auftrat und Colosseum danach den Saal rockten. 43 Jahre später erweist sich Doldinger als leidenschaftlicher Musiker, dessen Flamme nicht erlischt und den dieses gelingende Konzert zu beglücken scheint. Das Saxofon klingt bluesig und sehnsuchtsvoll, und man hat das Gefühl, da öffnet einer ganz weit seine Seele und spielt, was Worte nicht sagen können.

So erreicht er auf direktem Weg das Publikum, das diesem Soul-Jazz gebannt lauscht, um am Ende begeistert zu jubeln und zu klatschen. Ein guter Auftakt des Jazz-Open-Festivals allemal.

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