Martina Koch-Haßdenteufel möchte bei der Bürgermeisterwahl im Dezember den Chefsessel im Rathaus erobern. Foto: factum/Jürgen Bach

Die Stelle des Bürgermeisters in Gerlingen ist ausgeschrieben. Seit diesem Samstag läuft die Bewerbungsfrist. Die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel bewirbt sich. Der Amtsinhaber Georg Brenner geht Ende Januar in den Ruhestand.

Gerlingen - Sie hat es lange spannend gemacht, doch nun ist es offiziell: Die bisherige Stellvertreterin des Gerlinger Bürgermeisters Georg Brenner will seine Nachfolgerin werden. Die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel möchte an diesem Samstag ihre Bewerbung um das Amt im Rathaus abgeben. Die Grünen im Gemeinderat schauen noch nach einem Gegenkandidaten aus den eigenen Reihen. Die übrigen Gemeinderatsfraktionen haben angekündigt, nicht aktiv jemanden zu suchen, der gegen Koch-Haßdenteufel antritt. Die Wahl ist am Sonntag, 1. Dezember.

Die Nachricht kam überraschend

Georg Brenner, seit mehr als 20 Jahrenin Gerlingen im Amt des Bürgermeisters, hatte im Januar angekündigt, vor dem offiziellen Ablauf seiner Amtszeit in den Ruhestand treten zu wollen. Dies war eine Riesenüberraschung beim traditionellen Neujahrsempfang – kaum jemand hatte vor gut einem halben Jahr mit dieser Botschaft des jetzt 65-Jährigen gerechnet. Zunächst war von Jahresende die Rede, nach diversen Gesprächen wird es einen Monat später. Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger soll das Amt zum 1. Februar 2020 antreten.

Kandidatin schwieg lange

Gleich im Januar stellten sich viele in Gerlingen die Frage, ob wohl Brenners bisherige Stellvertreterin den langjährigen Chef beerben wolle. Martina Koch-Haßdenteufel gab darauf nur die Antwort, vor dem Ende der Sommerferien werde sie dazu nichts sagen. Nun hat sie mit einer vierseitigen Pressemitteilung allen Zweifeln ein Ende gesetzt: Sie bewirbt sich um das Amt – und führt ihre langjährige Verwaltungserfahrung in ihrer Heimatstadt als Hauptargument ins Feld. Sie wurde 2009 als Erste Beigeordnete gewählt und vor zwei Jahren vom Gemeinderat im Amt bestätigt. Zuvor war die Diplom-Verwaltungswirtin zehn Jahre lang Amtsleiterin der Kämmerei gewesen. Schon seit Wochen ist zu beobachten, dass sie in den sozialen Medien im Internet über die Aktivitäten ihrer Familie und sich selbst berichtet. „Das gehört heutzutage dazu“, meint die 49-Jährige und lacht.

Die CDU befindet sich „bereits in guten Gesprächen“

Die meisten Fraktionen des Gerlinger Gemeinderats haben gegenüber unserer Zeitung angekündigt, nicht aktiv nach Gegenkandidaten suchen zu wollen. Man werde in der Fraktion und mit der Basis noch besprechen müssen, ob die Freien Wähler die Erste Beigeordnete unterstützen, meinte Fraktionschef Martin Nufer. Normalerweise aber würden sich die Freien Wähler neutral zeigen. Die CDU, so ihr Fraktionsvorsitzender Christian Haag, „sucht aktiv keinen eigenen Kandidaten. Wir befinden uns aber bereits in guten Gesprächen, über die wir Vertraulichkeit vereinbart haben“.

Die FDP, so sagt ihr Stadtrat Peter Zydel, „beobachtet gespannt, was sich tut“. Die Jungen Gerlinger wollen ebenfalls nicht aktiv auf die Suche nach einem Gegenkandidaten gehen – ebenso wie die Sozialdemokraten „Wenn jemand von außen auf uns zukommt“, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Frank Moll, „werden wir uns diejenige oder denjenigen genau anschauen.“

Eine Fraktion ist auf Kandidatensuche

Einzig die Grünen sind noch auf Kandidatensuche. Markus Rösler, der aus Gerlingen stammende und in Vaihingen an der Enz wohnende Landtagsabgeordnete, hat seinen Parteifreunden abgesagt. „Ich habe mir das sehr lange überlegt“, sagte Rösler unserer Zeitung, „vor einigen Jahren wäre das mein Traumjob gewesen.“ Er habe aber nach Gesprächen mit seiner Familie entschieden, sich nicht zu bewerben.

Martina Koch-Haßdenteufel wird zumindest einen Gegenkandidaten haben: Der Musikpädagoge und Dauerbewerber Ulrich Raisch aus Stuttgart hat seine Kandidatur angekündigt. Er hatte Anfang Juli 2015 bei Georg Brenners zweiter Wiederwahl 1,6 Prozent der Stimmen erreicht. Brenner kam auf 94,2 Prozent.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Erste Beigeordnete zum Bürgermeister wird: Albrecht Sellner war 1983 aus dieser Position auf den Chefsessel gewählt worden. 1999 folgte ihm Georg Brenner als neuer Mann von außen nach.

So kann man Bürgermeister werden – die Regularien

Ausschreibung Die Neubesetzung der Stelle des Gerlinger Bürgermeisters ist in dieser Woche im Staatsanzeiger ausgeschrieben worden, im Gerlinger Amtsblatt wird die Anzeige in der nächsten Woche erscheinen.

Wahl
Die Wahl findet am Sonntag, 1. Dezember, statt; ein eventuell nötiger zweiter Wahlgang ist für den Sonntag, 15. Dezember, terminiert. Als Amtsantritt ist der 1. Februar 2020 vorgesehen.

Bewerbung Kandidaten können sich seit heute bewerben, die Unterlagen sind schriftlich an das Gerlinger Rathaus zu senden. Die Bewerbungsfrist endet am Montag, 4. November, um 18 Uhr.

Vorstellung
Eine öffentliche Vorstellung der Kandidaten ist vom Gemeinderat bereits beschlossen worden. Den Termin und den Ort regelt der Gemeindewahlausschuss. Dessen Vorsitz hat Bürgermeister Georg Brenner.

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