Wird so jungen Leuten der ÖPNV schmackhaft gemacht? Mit dem Linienbus kommen die Schüler entweder viel zu früh oder zu spät zum Gerlinger Schulzentrum. Foto: Simon Granville

Der Ärger der Eltern über die schlechte Busanbindung der Schillerhöhe an das Gerlinger Schulzentrum wächst. Jetzt wurde sogar eine Petition gestartet.

Viele Familie, die auf der Gerlinger Schillerhöhe und in der Waldsiedlung wohnen, haben die Nase gestrichen voll: Weil ihre Kinder mit den bestehenden Busverbindungen morgens entweder viel zu früh oder aber zu spät die Schulen im Gerlinger Schulzentrum erreichen, melden sich immer mehr Eltern verärgert über Stadt und Verkehrsverbund zu Wort.

 

Die Berichterstattung unserer Zeitung hat dem Protest der Elternschaft nun offenbar mächtig Aufwind verschafft. Nachdem wir schon vor Weihnachten über den „Geisterbus“ der Buslinie 638 berichtet hatten, wurde nun sogar eine Internetpetition gestartet, um gegen den Missstand vorzugehen. Eine weitere Gruppe will in den betroffenen Stadtteilen Unterschriften sammeln. Der Druck auf die Stadtverwaltung, eine Lösung für das Problem herbeizuführen, wächst also.

„Geisterbus“ bringt Schüler regelmäßig zu spät zur Schule

Zur Erinnerung: Mit dem quasi als Schulbus gedachten Bus, der gegen halb acht die Haltestelle „Gerlingen Ramtel“ erreicht – die erste Haltestelle im Bereich Waldsiedlung und Schillerhöhe –, kommen die Schulkinder in aller Regel zu spät zum Unterricht. Weil ihn kaum jemand nutzt, wird er von vielen als „Geisterbus“ bezeichnet.

Viele Schulkinder weichen deshalb auf den früheren Bus aus, der gegen sieben Uhr abfährt. Die Folge: Die meisten Kinder aus den betroffenen Stadtteilen sind viel zu früh in der Schule – und vermutlich auch unausgeschlafener als ihre Mitschüler aus dem Gerlinger Stadtzentrum.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat nun offenbar die Tatsache, dass trotz des bei Stadt und VVS nicht unbekannten Problems seit dem Fahrplanwechsel zum 1. Januar der „Schulbus“ noch später verkehrt als bisher. Der eine halbe Stunde früher verkehrende Bus fährt hingegen nun noch etwas früher, bereits um 6.57 Uhr statt wie bisher um sieben Uhr. Erklärt werden die ungünstigen Zeiten vor allem mit den notwendigen Anschlüssen an die S-Bahn und andere Buslinien.

In der Online-Petition fassen die Initiatoren die Situation so zusammen: „Alle Schülerinnen und Schüler aus den Gerlinger Stadtteilen Schillerhöhe, Waldsiedlung und Forchenrain haben keine passende Busverbindung zu den eigenen Gerlinger Schulen (Robert-Bosch-Gymnasium, Realschule Gerlingen und Pestalozzi Grundschule).“ Der Zustand sei „nicht weiter tolerabel“. Zuletzt hatten mehr als 110 Personen die Petition unterstützt.

Nach Ansicht der Petitionsinitiatoren fördere die mangelhafte Busverbindung nicht nur „das Unwesen der Elterntaxis“ an den betroffenen Schulen. Vor allem führe es dazu, „dass viele Eltern aus der Gerlinger Höhe ihre Kinder lieber nach Leonberg in die weiterführenden Schulen schicken als nach Gerlingen, da Leonberg besser mit dem Bus erreichbar ist“.

Das bestätigt auch eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren Kindern in der Bopserwaldstraße lebt. Ihr Sohn besucht die fünfte Klasse des Robert-Bosch-Gymnasiums (RBG). „Ich kenne viele Eltern“, sagt sie, „die ihre Kinder deshalb nicht aufs RBG geschickt haben, sondern nach Leonberg und Stuttgart.“ Obwohl die Schulen viel weiter weg seien, könnten diese Kinder später abfahrende Busse nehmen.

Weil der Junge auf keinen Fall zu spät zum Unterricht erscheinen will, nehme auch er, wie die meisten anderen, immer den Sieben-Uhr-Bus. Die Mutter vermutet, dass viele Kinder die lange Zeit bis zum Unterrichtsbeginn morgens vor der Schule mit Spielen am Handy überbrückten.

Petition fordert Anpassung des Busfahrplans für Schüler

Die Forderung der Petitionsinitiatoren: Der Busfahrplan sollte so umgestaltet werden, dass künftig ein Bus der Linie 638 bereits um 7.30 Uhr die Haltestelle Richthofenstraße, die dem Schulzentrum am nächsten liegt, erreicht „oder eine Haltestelle angefahren wird, die näher zum Schulzentrum liegt“. Vergleichbare Regelungen sollten für die zweite und dritte Schulstunde gefunden werden.

Die Mutter hat noch eine andere Idee: „Wenn sie nicht in der Lage sind, die Busverbindung an den Unterrichtsbeginn anzupassen“, sagt sie, „soll die Stadt einen echten Schulbus einrichten“.