Vorstandschef Ola Källenius schwächt die Prognosen für den Absatz elektrischer Antriebe ab – man brauche „taktische Flexibilität“. Wie blickt er auf das geplante Verbrennerverbot in der EU ab 2035?
Mercedes-Benz schraubt seine Erwartungen für den Verkauf von elektrisch betriebenen Auto zurück. Erst bis Ende des Jahrzehnts rechne man mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent des Gesamtabsatzes, sagte Vorstandschef Ola Källenius bei der Präsentation der Ergebniszahlen für 2023. Noch vor drei Jahren hatte Mercedes das Ziel formuliert, diese Marke bis zur Mitte des Jahreszehnts zu erreichen. Derzeit liegt der Elektroanteil bei rund 20 Prozent. Dabei werden neben vollelektrischen Autos auch Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge mitgezählt.
Das übergeordnete Ziel soll unverändert bleiben
Källenius betonte, Mercedes wolle an der grundsätzlichen Strategie festhalten. Die Dekarbonisierung des Verkehrs sei die wichtigste Aufgabe seiner Generation. „Wir werden die Elektromobilität weiter vorwärts pushen und massiv dafür investieren“, sagte Källenius. Die Geschwindigkeit der Transformation werde aber von den Wünschen der Kunden und den Marktbedingungen bestimmt. Wie schnell sich Elektroantriebe weltweit und in Europa durchsetzen werden, nannte Källenius „die Billionen-Dollar-Frage“. Deshalb brauche man „taktische Flexibilität“ und werde bis in die 2030-er Jahre hinein auch Verbrennerautos bauen.
Keine Prognose wagte der Mercedes-Chef im Blick auf die für 2026 vorgesehene Überprüfung der EU-Regeln, denen zufolge ab 2035 nur noch Autos ohne CO2-Emissionen im Betrieb neu zugelassen werden dürfen. Wie die Revision ausfällt, sei „sehr schwierig zu sagen“. Denn es gebe in der Politik „manchmal abrupte Entscheidungen“ wie etwa die fast über Nacht erfolgte Abschaffung der Elektroautoprämie in Deutschland. Källenius sagte lediglich, vor der Entscheidung sei eine rationale Analyse der Lage nötig. Die Transformation des Verkehrs sei eine Herkulesaufgabe. „Wir leisten unseren Beitrag und bauen hervorragende Elektroautos, es braucht aber auch das passende Lade- und Stromnetz“, so Källenius.
Im Geschäftsjahr 2023 hat Mercedes-Benz den Umsatz um gut zwei Prozent auf 153,2 Milliarden Euro gesteigert – trotz höherer Kosten durch die Inflation und trotz Problemen in der Lieferkette. Wegen fehlender 48-Volt-Batterien von Bosch konnten viele Bestellungen nicht ausgeführt werden. Besonders gut lief es hingegen bei den Vans.
Der Konzerngewinn liegt bei 14,5 Milliarden Euro (minus 1,9 Prozent). Davon profitieren die tariflich entlohnten Mitarbeiter in Deutschland mit einer Ergebnisbeteiligung von 7300 Euro, die Aktionäre mit einer Dividende von 5,30 pro Aktie. Vor allem aufgrund wachsender geopolitischer Spannungen zwischen den USA, der EU und China ist der Ausblick getrübt: Bei etwa gleichem Umsatz rechne man für 2024 mit etwas niedrigeren Gewinn- und Cash-Flow-Werten, heißt es.