Der Lieferant sei mit einem Lamborghini erschienen, um ihn zu motivieren, mehr Drogen zu verkaufen, so der Angeklagte. (Symbolfoto). Foto: imago/DeFodi

Vor Gericht erzählt ein Angeklagter aus Fellbach, wie ein Luxuswagen und Druck vom Lieferanten ihn ins Kokain-Geschäft zogen.

Ein Prozess am Landgericht Stuttgart wegen schwunghaften Drogenhandels mit Kokain über mehrere Jahre gegen einen 48-jährigen Mann aus Fellbach dürfte schneller zu Ende gehen als geplant. Am zweiten Prozesstag einigten sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf einen Strafrahmen für den Fall eines Geständnisses von zwei Jahren und neun Monaten bis drei Jahren und drei Monaten. Nach derzeitigem Stand sind noch zwei weitere Verhandlungstage bis zum Urteil am 8. April vor der 17. Großen Strafkammer geplant.

 

Verteidiger Markus Bessler verlas für den Angeklagten eine Erklärung, in der dieser einen Teil der Taten dem Grunde nach einräumte. Er habe seinen Lieferanten in einem Café über eine Bekannte kennengelernt. Dieser habe ihn dann besucht, viel von gesundheitlichen Problemen erzählt und am Schluss erwähnt, dass er Geld mit dem Verkauf von Drogen verdiene. Das könne der Angeklagte auch. Er habe dem Mann in der Folge Kokain und Haschisch abgenommen, könne sich aber nicht mehr an die konkreten Mengen erinnern.

Lieferant bedrängt: Drogen im Briefkasten und Fahrer geschickt

Er wisse noch, dass es ihm manchmal zu viel geworden sei, da ihm neues Rauschgift geliefert worden sei, obwohl er seinen alten Vorrat noch gar nicht losgeworden sei. Der Lieferant habe ihn dann bedrängt und sei aggressiv geworden. Mehrfach habe er nicht geöffnet, wenn der Mann geklingelt habe. Bisweilen habe ihm der Lieferant die Drogen dann in den Briefkasten geworfen. Später habe er einen Fahrer geschickt, den er bezahlen musste.

Er habe das Rauschgift nur konsumiert, wenn sein Vorrat an Benzodiazepinen, die er wegen Angst- und Schlafstörungen genommen habe, nicht gereicht habe. Er wisse, dass er einen Fehler gemacht habe, indem er sich in Drogengeschäfte habe hineinziehen lassen. Der Lieferant sei einmal mit einem Lamborghini gekommen und habe ihn motiviert, mehr Drogen zu verkaufen, dann könne er sich auch so ein Auto leisten. „Ich habe aber bescheiden gelebt und wollte nur gelegentlich Ersatz für meine Benzodiazepine“, schloss Bessler die Erklärung im Namen seines Mandanten.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Fellbacher in seinem Heimatort zwischen 2019 und Februar vergangenen Jahres einen schwunghaften Drogenhandel mit Kokain mit einem Wirkstoffgehalt von 60 Prozent betrieben hat, um sich eine Einnahmequelle von einigem Umfang und einiger Dauer zu verschaffen. Nach ihren Ermittlungen hat der 48-Jährige das Kokain in Tranchen zu je 100 Gramm erworben und pro Gramm dafür 45 bis 50 Euro gezahlt.

Anklage: 61 Drogendelikte und 310.000 Euro Taterträge

In den Jahren 2019 und 2020 soll der Angeklagte pro Monat je 200 Gramm Kokain gekauft haben. In den Jahren darauf habe er alle fünf bis sechs Wochen 100 Gramm gekauft, im Januar und Februar 2025 nochmals 200 Gramm. Insgesamt wirft die Anklagebehörde dem 48-Jährigen in den sechs Jahren 61 Taten vor. Dafür will sie mögliche Taterträge von knapp 310.000 Euro einziehen.Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt.