Banker, Politiker, Manager: Gerhard Golls Lebenslauf ist lang Foto: dpa

Der ehemalige EnBW-Chef Gerhard Goll leitet den neuen Beirat zum Nationalpark. Ausgerechnet, mag man sagen, denn der CDU-Mann steht Erwin Teufel nahe, und der hatte den Park bekämpft. Doch das ist Golls kleinstes Problem.

Karlsruhe - Dass Gerhard Goll seine Rhetorik in einem langen Juristen-, Politiker- und Managerleben geschult hat, bekamen die Nationalparkgegner schon einige Male schmerzhaft zu spüren. Wenn sie sich auf Versammlungen in Rage geredet hatten zum Beispiel, wenn sie in ihren Hochburgen lauthals verkündeten „Unseren Wald lassen wir uns nicht nehmen“ – dann erhob sich der Mann mit dem schwarzgrauen Schnauzbart und stellte ein paar Dinge klar.

Dass der Nationalpark ein Staatswald ist zum Beispiel und somit allen gehört, nicht nur den Baiersbronnern. Oder dass der Nordschwarzwald keineswegs touristisch blüht, wie manche behaupten, sondern eher dahin welkt. Dann drehten sich die Köpfe zu ihm hin, und von den Mienen war abzulesen: Den kenn’ ich doch!

Ja, man kennt ihn seit Jahrzehnten, den studierten Juristen, den Ministerpräsident Hans Filbinger einst in seine Kaderschmiede geholt hatte. Spätestens seit ihn Erwin Teufel zum Staatsrat mit Stimmrecht in seinem erstes Kabinett machte, trat der bisweilen mürrisch wirkende Stuttgarter auch in der Öffentlichkeit in Erscheinung.

„Ja, ich war ein enger Mitarbeiter Teufels, vielleicht sogar sein engster“, sagt Goll heute und betont, dass er den früheren Regierungschef nach wie vor schätzt. Doch das bedeute nicht, dass sie in allen Fragen einig seien. Beim Thema Nationalpark könnte man auch sagen: Viel weiter als Goll und Teufel kann man kaum auseinander sein. Denn während der frühere Regierungschef schon Mitte der 90-er Jahre einen Vorstoß abgeblockt hatte und auch später stets gegen ein solches Naturschutzprojekt war, übernimmt sein Staatsrat nun eine Vorkämpferrolle.

Der aus Vertretern von 32 Institutionen bestehende Nationalpark-Beirat hat Goll dieser Tage zu seinem Vorsitzenden gewählt. Dieses Gremium hat die Aufgabe, den Nationalparkrat (er ist eine Art Aufsichtsrat) und die Verwaltung fachlich zu beraten und auch die Bürgerschaft in die Entwicklung der Region einzubeziehen.

Was so leichthin auf dem Papier steht, wird in der Praxis aber ungeheuer schwierig werden. Denn da die Beiratsmitglieder aus so unterschiedlichen Organisationen stammen wie Landesjagdverband und Naturschutzbund, Tourismusverband und Forstkammer, Landesportverband und Bauernverband, sind Konflikte vorprogrammiert.

„Multikulti“ nennt Goll, der im Beirat den Deutschen Alpenverein vertritt, diese Mischung. Trotzdem traut er sich zu, die widerstrebenden Positionen wenigstens teilweise zur Deckung zu bringen. Für den 71-Jährigen ist das Voraussetzung, damit die Bürgerschaft überhaupt Einfluss auf die Entwicklung der Region nehmen kann: „Wenn wir nicht mit einer Stimme sprechen, sind wir nur ein Feigenblatt, auf jeden Fall aber ineffektiv.“

Helfen kann dem passionierten Bergwanderer dabei seine Erfahrung als früherer Chef des Energiekonzerns EnBW. Das Unternehmen entstand 1997 nämlich aus dem Badenwerk und der Energieversorgung Schwaben (EVS) – mithin aus zwei völlig unterschiedlichen Firmenkulturen.

Aber lässt sich Mountainbikefahren und Naturschutz, Tourismus und Jagd, Holzindustrie und Öko-Forschung überhaupt vereinbaren? „Ich rechne damit, dass all diese Themen hochkochen“, sagt Goll. Aber es sei besser, sie kontrovers zu diskutieren als unter dem Deckel zu halten. Einen Deckel soll es nur insoweit geben, als der Beirat in der Regel nicht öffentlich tagt. Goll: „Man geht emotionslosen miteinander um, wenn man unter sich ist, in der Öffentlichkeit dominiert leicht das Gockel-Gen im Menschen.“

Warum tut er sich das überhaupt an? Hatte er nicht schon genug Ärger – sein Abschied von der EnBW ging ja nicht geräuschlos über die Bühne, denn sein Nachfolger hatte ihm unterstellt, er hätte die Bilanzen geschönt. „Ich mache das, weil ich überzeugt bin, dass der Nationalpark notwendig und richtig ist“, sagt Goll.

Mit der Brechstange soll die Region um Ruhestein und Hohen Ochsenkopf allerdings nicht verändert werden. Der Nationalpark müsse sich vielmehr behutsam-kontinuierlich entwickeln, so seine Vorstellung. Dass seine CDU, wie von Fraktionschef Peter Hauk angekündigt, im Fall eines Regierungswechsels den Park wieder stoppen könnte, glaubt er nicht. Auch Gegner sagten sich nun: Machen wir das Beste daraus.

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